auf dem rad in die stadt

ratur aquarell

zunächst waren es straßenlaternen, die das dunkel zu zerteilen begannen, kühles, helles licht über die straße ausgossen. dann der fensterschein aus den häusern, der sich warm in die fensterrahmen gelegt hatte und über die sträucher der vorgärten auf den bürgersteig reichte. rollläden rasselten. die ersten schaufenster. licht flutende rechtecke. das dunkel lag zurückgezogen in seitenstraßen und winkeln. der verkehr wurde dichter. scheinwerfer durchschnitten gleißend ruheloses zwielicht, warfen licht und schatten an häuserwände und nahmen sie mit sich. die bürgersteige belebten sich mit menschen, die es eilig hatten.

nicht mehr weit zur fußgängerzone, nicht weit von zu hause. ratur machte halt an einem discounter. etwas fürs abendessen. licht. konsuminsel. appetit anregende aromen: nimm! nimm? eine wolke. verwirrende ordnung, vertraute muster. ratur ließ sich treiben. vereinzelte käufer schritten zielstrebig die gänge ab und griffen sich bunte versprechen aus der vielfalt. sie muteten an wie schiffe, deren weiße segel durch den himmel schnitten, vor dem bug schäumende selbstverständlichkeit. meer, selbst hier. reizüberflutung, flut, immerwährend, ebbe – möwenflug, fernes fehlen, ein fluchtpunkt. etwas, das ratur hinter dem horizont wusste, noch weit hinter der kasse mit dem müden gesicht dahinter.

novela corta #110

graphic novel von katharina vasces und dem kobboi - auf dem meer

der kobboi sitzt zufrieden auf der fähre, die ihn in drei tagen auf die insel zurück bringen wird und geniesst seinen kaffee. irgendwie fühlt er wieder festen boden unter den füssen, obwohl das meer nicht seine sanften seite zeigt.

ein britischer passagier fragte ob der stuhl an seinem tisch noch frei sei, beim hinsetzen schlug er sein knie heftig an das tischbein. er hätte sterne gesehen, meint er, nachdem er einen whisky bestellt hatte.

nach der frage, des kobbois ob er die sterne gelb auf blauen hintergrund gesehen habe, stand einer längeren unterhaltung nichts mehr im wege.

novela corta #109

graphic novel von katharina vasces und dem kobboi - in der ferne die felsen

der zug wiegt den kobboi in einer dämmerzustand, ein eigenartiges haus, ein fuchs und und und, er hat mühe seine gedanen zu ordnen. immerhin, in der ferne die felsen zeigen ihn, dass er auf dem richtigen weg ist.

Immer ließe das Ganze sich auch völlig anders interpretieren. Eine Offenheit dieser Art mag unter Umständen in der Gestaltung weniger trittsicherer Artisten, als es Mohafez und Rittinger & Gomez sind, beliebig und ärgerlich wirken. Und in der Tat: wer einem Prosatext eine fortschreitende Handlung zwingend abverlangt, der wird mit diesem Buch wohl nicht warm werden. Denn bei aller poetischen Stimmung, die es erzeugt, handelt es sich doch um echte Prosa, keine Lyrik, auch keine lyrische Prosa. Aber das hieße das Gelingen eines gleichberechtigten Gesamtkunstwerkes aus Text und Bild zu verkennen, das den Spagat zwischen Tradition und Experiment, zwischen Formwillen und kindlicher Neugier auf das „Wie-weiter“ erstaunlich mühelos bewältigt. Die edition AZUR steuert hierzu schlussendlich noch eine angemessen schlichte und doch wertige Aufmachung samt schöner Papierqualität bei.
fixpoetry