auf dem rad in die stadt

ratur aquarell

zunächst waren es straßenlaternen, die das dunkel zu zerteilen begannen, kühles, helles licht über die straße ausgossen. dann der fensterschein aus den häusern, der sich warm in die fensterrahmen gelegt hatte und über die sträucher der vorgärten auf den bürgersteig reichte. rollläden rasselten. die ersten schaufenster. licht flutende rechtecke. das dunkel lag zurückgezogen in seitenstraßen und winkeln. der verkehr wurde dichter. scheinwerfer durchschnitten gleißend ruheloses zwielicht, warfen licht und schatten an häuserwände und nahmen sie mit sich. die bürgersteige belebten sich mit menschen, die es eilig hatten.

nicht mehr weit zur fußgängerzone, nicht weit von zu hause. ratur machte halt an einem discounter. etwas fürs abendessen. licht. konsuminsel. appetit anregende aromen: nimm! nimm? eine wolke. verwirrende ordnung, vertraute muster. ratur ließ sich treiben. vereinzelte käufer schritten zielstrebig die gänge ab und griffen sich bunte versprechen aus der vielfalt. sie muteten an wie schiffe, deren weiße segel durch den himmel schnitten, vor dem bug schäumende selbstverständlichkeit. meer, selbst hier. reizüberflutung, flut, immerwährend, ebbe – möwenflug, fernes fehlen, ein fluchtpunkt. etwas, das ratur hinter dem horizont wusste, noch weit hinter der kasse mit dem müden gesicht dahinter.

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sequenz 22 von 48 der serie ratur lites

text:

Bess

er kommt wohl aus der ruhigen dunkelheit. fahrt über land bis zum abend? ratur. die vielen reize – mittendrin ratur. kommt mir in der stadt müde und einsam vor wie das gesicht der kassiererin.

27. Juni 2016 - 11:41

Ludwig

@bess – ja. Und ja, die vielen Reize. Ich war gespannt, wie Rittiner&Gomez das umsetzen werden, das Fehlen der Ebbe, jenes fernen Fluchtpunktes. Und die Müdigkeit, projiziert auf/in das Gesicht der Kassiererin. Sehr gut gefällt mir da die weiße Möwe vor schwarzem Hintergrund inmitten der Bilderfülle ebenso wie das gleißend Helle. Ich mag diese Montage und ihre Überraschungen.

27. Juni 2016 - 20:46

rittiner & gomez

@bess und @ludwig: war kein einfacher morgen und kamen heute nicht mal zum radfahren. immerhin die flut hat uns mitgenommen.

27. Juni 2016 - 21:50

Bess

;-)

28. Juni 2016 - 14:21

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