wir kommen weit

meer

die alten
die alten sägen
sie sägen lau
sie sägen an der zeit
sie wissen nicht
wie man sägt
wie man an den jahren sägt
sie sägen an der zeit
sie sägen an der falschen richtung
es ist die falsche richtung an der sie sägen
so kommt man nicht weit
so geht man immer nur weiter
ohne zu denken
wie weit es noch ist
ohne zu bemerken
dass sie die zeit längst vergessen
die noch vor ihnen liegt

text:

schwenker

cognac

Wieder dachte er an Morgen, das nervte, er trank um zu vergessen, doch je mehr er trank, desto öfter dachte er an Morgen, welchen Sinn hatte das Trinken, wenn nicht dass verschwand, weshalb man trank.
Trotzdem, er dachte an Morgen, dachte an die Reden, dachte an die langweiligen Gesten, die langweiligen Gespräche. Alle würden sie freundlich zu ihm sein, es war eben sein Abgesang, da konnte man auch mal aus seiner Haut.
Er stellte sich vor, dass er hinterher auf Weltreise ging, alle hatten ja diese Sehnsucht. Sie wollten die Welt noch einmal sehen, bevor sie starben. Er würde alle Orte, die er besuchte, schon in dem Moment vergessen, wenn er sie betrat. Er würde die Luft fotografieren, er würde versuchen, das Dazwischen wahrzunehmen, aber er hätte nicht einmal das Gefühl, am Ende der Reise, die ganze Welt gesehen zu haben.
Wollte er das? Er konnte sich das leisten, aber hatte er Lust darauf?
Er hatte Lust drauf diesen Cognac zu trinken, auf diese Stadt zu sehen, nicht zu begreifen, was dort geschah, den Cognacschwenker als Trost, die Worte ausgespuckt, sie in alle Winde vertrieben und stumm und vergesslich weiterexistieren wollen, das war sein Ziel.

text:

elke erzählt

traum

ich hatte mit barbara gesprochen
sie schaute mich nicht an
ich dachte sie betrachte eine pfütze
aber sie schien nur durstig zu sein
die gespräche mit barbara sind interessant
entweder sagt sie gar nichts
oder sie legt los
als gelte es sämtliche wörter auszukosten
selbst die verbotenen

im park haben sie den sargträger gefunden
du weißt doch
der mit dem hellen haar und mit dem mund
eines samstagabendspielers
wir sind uns oft begegnet
meist in seinen träumen
wir lagen am fluss und er trocknet sich
ab
obwohl er gar nicht nass war
er trug seinen schwarzen sargträgeranzug und
verlor seinen weißen zylinder
indem er ihn für überflüssig erklärte

ich begriff das alles nicht
aber es war ja auch nicht für mich

barbara sagte dass sie bald
verlassen wird
ich frage sie
ob ihr danach ist und sie meinte
wohl kaum
sie hatte ein bettspanntuch aus den siebzigern
in den händen
ich fragte mich nicht warum
ich fragte mich
warum ist das alles nur so
warum können wir nicht alle sichtbar sein und
vergessen wer wir sind

vielleicht wird man gar nicht geboren
meinte barbara und ich fürchtete schon
sie packte einer ihrer unendlichen geschichten aus
im übrigen weiß ich nicht
wie ich mich von ihr verabschieden soll
du sagtest mal
nimm dir einen anderen namen und
sag ihr
dass du neu in der stadt bist
sag ihr
dass du aus zenica bist und hier
leben möchtest
erzähl ihr von deinen wachen träumen
von den gefühlen die so jämmerlich schmecken
wenn man sie aufgibt
aber wenn man sie nicht aufgibt verwelken sie und
gehen mit der zeit

wir sind unruhig
wir sitzen da und haben für unsere unruhe worte
kannst du dir das vorstellen
wir sind wach und doch
erzählt uns der traum dass wir schlafen
einfach so
ohne zu lächeln

text:

stoffel und hansa

aquarell

es war nacht als hansa aus einen traum erwachte. der traum war dünn wie seide und roch nach liebe und not. der traum hatte die nacht überlebt und hansa war aufgewacht und schaute stoffel an. was hast du, fragte stoffel. hansa schwieg. es dachte, dir werde ich helfen so einen mist zu fragen. hansa liebte stoffel, abends schrieb es gedichte für stoffel und aß sie auf, sie schmeckten vorzüglich, es liebte stoffel weil es abends gedichte für stoffel schrieb und sie so vorzüglich schmeckten, aber eines nachts……aß er ein brot und seitdem sind stoffel und hansa nicht mehr zusammen.

text:

nur diese

bild zu text von hans jürgen hilbig

als ich anfing
dich
von meinem schatten
zu entfernen
als du sagtest
der fremde heißt klaus
er hat eine antenne
mit der kann er selbst
das radioprogramm auf dem mond
empfangen
ich dachte
so weit kommen sie
um ihr ihren schatten zu bringen
sie lauscht ihren ohren
sie erkennt die vergessenen sätze
darin
was kommt als nächstes frage ich sie
welcher planet ist vor dir sicher
sie lächelt und sagt
aber der mond ist doch kein planet

text:

patrick modiano

patrick modiano

in einem café sitzen zwei personen
sie teilen sich erinnerungen
sie begegnen ihnen als wäre es ein körper der hand an sich legt

sie sagt
weißt du noch
das erste erwachen
es war zugleich schon das letzte

er schaut dem flug einer fliege hinterher
er fragt sich
hat sie nur einen tag oder geht sie gleich wieder

in den alten telefonbüchern sitzen die verschwundenen und
warten darauf dass sie jemand anruft
von weitem hört man einen schriftsteller von paris schreiben
es klingt als hätte er dabei an vergangene tage gedacht…die vor ihm liegen

die sätze die er noch nicht aufgeschrieben hat
legen sich neben ihn
flüstern ihm zu
gratuliere

text:

meret becker

meret becker

eines tages kam jemand und

sagte zu meret

schau dort ist das meer

ich schenk es dir

meret schaute das meer an

lächelte und sagte

aber das hast du mir schon vor vierzehn tagen geschenkt

tag wurde es

die männer an der brandung mit den zum bodenwachsenden bärten

mit den klammen händen wie späße die man berührt und vergisst

diese männer die niemals jemanden ähnelten

am wenigstens sich

riefen

tag meret

was hast du dir gewünscht

sie sagte

ich habe mir das meer gewünscht und

dann habe ich mir noch gewünscht

das ihr tag sagt

aber wir sagen doch immer tag

riefen die männer an der brandung und

schauten sie an

die schöne

dachten sie und machten schneeberührtegedanken aus ihren schritten

sie vergaßen dass sie müde und eigentlich weg mussten

sie verstanden dass sie barfuß waren und die zehen das

wiederspiegelten was eben noch da war

ein vergessener mond saß neben der sonne

ein morgen der verführen konnte

die wellen die die zeit abschnitten

sich das beste stück nahmen und vergingen

deshalb habe ich es mir gewünscht

sagte sie

ich will nicht das etwas verloren geht

die wellen legten einen schatten um ihre sätze

das meer umkreiste den mond

legte das vergessen in seine hände und verschwand in den augen einer frau

die am morgen erwachte

schneehügel aus den sommern

vergessene worte die sich ähneln

lokomotivführer denen man verdammt noch mal mehr geld geben muss

(sie kriegen eh nie das was sie verdienen)

ein erwachen das mit dem lied von meret becker beginnt

ein mond

ein abhang und irgendwo ein satz

wie schnell man verschwindet

ohne es zu sehen

meret becker

text: