der isla volante literaturpreis 2008 geht an sudabeh mohafez
es ist natürlich vollkommen unmöglich über den mond zu schreiben der mond gehört den vampiren den fledermäusen den dieben und der angst außerdem gehört er den entflammten den getrennten den reisenden den schwülstigen und einigen sehr schönen volksliedern und wegen all diesem gehören des mondes ist es natürlich vollkommen unmöglich über den mond zu schreiben denn wegen all dieses gehörens des mondes gibt es natürlich überhaupt nichts mehr über den mond zu sagen das nicht ein diebstahl wäre was aber vollkommen unmöglich ist denn der mond ist vollkommen unstehlbar weswegen auch alles was über ihn zu sagen ist vollkommen unstehlbar ist. und ganz und gar genau so verhält sich all das auch mit der liebe.
der isla-volante-literaturpreis 2007 geht an markus a hediger
Schon wieder?
Tja.
Wieder, wieder ein Text, der dasselbe abhandelt. Abkanzelt. Durchdekliniert. Es gibt – bedenke! – nur eine beschränkte Anzahl von Deklinationsformen und du hast sie bereits alle durch, deshalb frage ich ja: Schon wieder?
Tja…
Ist das alles? Das ist dürftig, mein Freund.
Von Wort zu Wort hangelt man sich durch das Wörterbuch, bringt es durcheinander, macht Sätze draus, setzt einen Punkt, dahinter es weitergeht. Wenn man Glück hat, wird daraus eine Enzyklopädie.
Geschichten wären mir lieber.
der isla-volante-literaturpreis 2006 geht an ziska müll
Es ist Winter. Und kalt. Aber nein, nein, nicht, dass Sie sich da jetzt was Falsches darunter vorstellen, kein Schnee oder so was, nichts liebliches, beißende Kälte soll es sein und Nebel. Und Tröpfchen müssen her, Tröpfchen, die durch die Luft fliegen – zu schwach zum fallen, zu feig um oben zu bleiben – sie fliegen, und steht man mit dem Gesicht gegen Wind dann klatschen sie auf die Wange, dass es schmerzt, wie ein kleiner eisiger Schuss. Man kann sich nur rächen, wenn sich eines in den Wimpern verfängt und man es auf der geröteten Wange mit einem Liedschlag erschlägt.