
Liebste Mama,
Meine Reise neigt sich dem Ende zu. Soeben haben wir die Inseln von Fernando de Noronha (die Legende sagt, hier überwinterten die Sirenen, Gott sei Dank schliefen sie, als wir die Inseln passierten) hinter uns gelassen und nehmen Kurs auf Isla Volante. Carla und ich lieben uns und wollen uns sputen, damit wir Dein Hochzeitsfest nicht verpassen und mit den Vorbereitungen für das unsere beginnen können. Ich bin sehr gespannt auf meinen neuen Vater. Hoffe aber, dass es in Deinem Leben weiterhin Platz haben wird für zumindest einen weiteren Mann –
Deinen Sohn

Liebe Mama,
Findest Du wohl etwas Zeit, um mir den aktuellen Aufenthaltsort unserer Insel mitzuteilen? Mit der Gondel sind Carla und ich auf den Zuckerhut gefahren und von hier oben schaue ich nun übers Meer und halte Ausschau nach meiner Heimat. Carlas Grossonkel ist Fischer und besitzt ein kleines Boot, das er uns für die Überfahrt leihen will.
Erlaube mir nur eine letzte Frage: Bist Du Dir auch ganz darüber im Klaren, was Du da planst?
Endlich wieder
Dein Sohn

Liebe Franziska,
Ich werde Mama ja schreiben und auf die Einladung warten, die sie mir schicken will! Ich bin ja schon in Rio. Du hast von dieser Stadt sicher auch schon gehört, sicherlich auch schon das Lied von dem Mädchen von Ipanema gehört. Hier bin ich nun und spaziere mit diesem Mädchen den Strand entlang. Das Mädchen heisst Carla und ich glaube, diesmal hat es mich bös erwischt. Sie hilft mir bei der Suche nach einem Schiff, das mich zur Isla Volante zurückbringen kann. Ich muss jetzt ja ganz dringend heim.
Verliebt in Rio