der morgen ist kühl

ratur aquarell

ratur schwang sich aufs rad, stemmte sich energisch in die pedale und fuhr aus der stadt, der aufgehenden sonne entgegen. die kühle morgenluft umfing ihn in tröstlicher umarmung, strich sein
haar zurück, legte sich auf die erhitzten wangen und schmiegte sich vom hals her die brust entlang unter sein hemd.

die nacht hatte den horizont wieder hergegeben und seinem spiel mit nähe und ferne überlassen. an die enge der stadt folgten weitläufige ackerflächen und weidegründe. an den grashalmen glitzerten ungezählt glasklare tautropfen, in denen die welten ringsum sich spiegelten. jede in ihrem tautropfen um eine idee anders als die anderen, auf den kopf gestellt. jede mit einem ratur darin, der eine allee entlang radelte …

srrr…

vertraut das geräusch der über den asphalt rollenden reifen, das der über kettenrad und zahnkranz surrenden kette und das helle sirren der speichen. ratur genoss es. sah seine beine auf und nieder takten und fühlte sich strecke machen, vorankommen. fühlte, wie seine atemfrequenz zunahm, sich vertiefte, wie die kühle luft über die weit geöffneten nasenflügel einströmte und an die bronchien reichte, bis mit zunehmender strecke sich der mund öffnete und sein atmen noch lauter hörbar wurde.

die fahrt heute empfand er ganz anders als die gestrige, als es ihn vom meer heimwärts zog und die nacht ihn einholte, sich um ihn schloss. nicht heimkehr war es, die den oberton seiner gedankengänge ausmachte, aufbruch, aufbruch durchströmte ihn mit jedem herzschlag, jedem atemzug, jedem auf und nieder seiner beine. es zog ihn, zog ihn ans meer.

auf halber strecke führte sein weg ihn durch ein waldstück. fichten. die nahmen dem morgenlicht von dessen glanz und der klang des dahineilenden rades brach zwischen den alten stämmen und tief hängendem geäst. ratur ließ das rad auslaufen, seine beine sich erholen, seine gedanken schweifen.

das weiße, das zu denkende. was davon mochte wohl in den bäumen ringsum darauf warten, erzählt zu werden. welche dieser fichten mochte wohl eines tages in einem kamin knackend vergehen, welche in einer violine weitererzählt werden? welches noch zu spielende lied schlummerte in einem dieser bäume? welche ihrer vielen jahre würden, das holz zu papier verarbeitet, niemals erklingen?

das dunkel des waldes lichtete sich. die allee hatte ihn wieder. die sonne war unterdessen weiter gestiegen und ihre strahlen hatten mittlerweile genügend kraft gewonnen, dass sie raturs schultern und rücken wärmten.

srrr…

ans meer, srrr… ans meer

navigation der serie
sequenz 44 von 48 der serie ratur lites

text:

ulli

wunderbar
srrr

28. November 2016 - 20:43

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