komm..

ratur aquarell

gerda erwachte. tanzte mit den sonnenstrahlen auf den staubpartikeln, die sich über der beflissenen geschäftigkeit unter ihr in der schwebe hielten. dort unten lag ihr körper, erkaltet. die totenstarre hatte eingesetzt und breitete sich von den lidern und der leicht geöffneten kinnlade her im körper aus. ihr geist hatte zu existieren aufgehört. der arzt hatte den totenschein ausgefüllt, man wartete auf den bestatter.

das fenster hatten die pflegekräfte auf kipp gestellt. dass die seele das zimmer verlassen könne, versicherten sie einander. die angehörigen räumten das zimmer. in dessen mitte hing, über einen stuhl gelegt und seit gestern abend unberührt, ihr lieblingskleid. das kobaltblaue mit den weißen punkten.
doch zugleich schmiegte es sich um ihre lichtgeflutete präsenz. gerda ließ sich mit den bloßen füßen zur decke kopfüber ins zimmer hinein baumeln und lächelte den sonnenstrahlen zu, den tanzenden staubkörnern und ratur lite, der vom fenster her auf sie zu schwebte:

guten tag, gerda!

guten tag, ratur!

du … du erinnerst dich an mich?

ja, warum auch nicht?

ja, warum auch nicht. komm, lass uns gehen, gerda.

ja. heut ist ein schöner tag am meer.

navigation der serie
sequenz 48 von 48 der serie ratur lites

text:

Ludwig

Unseren Lesern und Betrachtern ein frohes Fest und ein gesundes und erfülltes Jahr 2017. Auch für die zahlreichen Kommentare, die mir spiegelten, ob die entworfenen Gedankengänge einigermaßen nachzuvollziehen waren.

Mein herzliches Dankeschön an Rittiner&Gomez für dieses überaus inspirierte und erfüllte Jahr 2016

:)!, Ludwig

26. Dezember 2016 - 19:39

rittiner & gomez

@ludwig: wir danken von Herzen

26. Dezember 2016 - 19:53

Ludwig

https://soundcloud.com/elljott/menschen-am-meer

Menschen am Meer

Menschen stehen gerne am Meer oder sitzen
in Zimmern und denken sichs her und das Meer
brandet und landet und schweigt an ihnen
sich an, wiegt und schmiegt sich, das Licht

bricht funkelnd. Als ob ihr verborgener Schoß
nach ihnen und sie zu sich riefe, schreiben sie
groß zu ihm – und aus ihm heraus sich: Tiefe
ihr Dunkel, die Unberührte, das Anverwandte

Ich weiß sie stehen, mich unter ihnen, und das
Wort brandet und landet und schweigt sich an
unvorstellbar große Menge Wassers und wie das
sich wölbt mit den Wolken und zieht sich unter

den Füßen tief ins Land hinein und Kometen
schlagen ein zu ihrer Zeit, will man meinen, in
den brodelnden Planeten, ich spüre es regnen, die
Tropfen klopfen Sekunden zu Stunden darin

geht mein Sinn mit den Flüssen und deinen Küssen
nach, wie die Tiefe des Meeres so fern und so dunkel
das Meer bleibt weitgehend unbekannt und dem Land
Rand zu sein Unbekanntem, Erscheinen, will meinen

Heut ist ein schöner Tag am Meer.

:)

26. Dezember 2016 - 23:35

Bess

Ahnte ich es doch immer: der Himmel hat Fenster. Dachkippfenster, Gaubenfenster. Ein Seelenfliegen ist das, hin und her.

28. Dezember 2016 - 22:16

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