isla volante

logbuch der insel - rittiner & gomez

literaturpreis 2010

text: - 15. Februar 2010

hartmut abendschein

der isla volante literaturpreis 2010
geht an hartmut abendschein

die träume meiner frau

von hartmut abendschein

Sign: C_V/P3-2.089, (descriptor=Punkt, Komma, Strich)

Meine biometrischen Daten? Immer der Reihe nach: hier haben sie zwei Augen, ein halbes und ein ganzes, einen vorlauten Mund, eine schiefe Nase und ein Paar Ohren mit etwas Käse darin. Gerade hat man mir die Haare geschnitten, das dürfte ihre langweilige Zahlenkolonne irritieren. Hinterm Komma. Und mich abzulichten, war kein leichtes Unternehmen. Unschöne Dinge sind passiert: das Blitzen und Donnern, danach ein warmer Westwind in Photocolor bis hinein in die Ecken. Dort wurde ein Abzug bis zur Entsprechungslosigkeit beschnitten. Abgerundet, sagt man. Nur das Spiegelbild schaffen sie nicht, und auch nicht das Gegenüber der Welt. Man könnte sie also genauso gut erwürfeln: die Zahlen, die sie suchen.

Sign: E_IV/S3a-2.088, (descriptor=Wellen & Wollen)

Der Thermalbadrassist ist auch ein Düsenbesetzer. Recht und Ordnung hören jenseits seines Körpers auf, wie man sieht, wenn der Dunst sich legt, denn da beginnt der einer jungen Afrikanerin, und die Frage: wie diese angeschlichen wurde, und: wo seine Finger sind, unter Wasser, im Sog leicht geschwefelter Strudel. Unter der Bademütze blitzt eine Glatze hervor und blickgewordene Missgunst sucht sich an den Kacheln entlang ein kleines Japanerkindchen, das nicht einmal weint. Das frisst er gierig kopfabwärts, vor den Augen der Eltern.

Thermalbadrassismus ist kein Kavaliersdelikt. Fremde, dunkle Körper werden bis zur Käuflichkeit bestarrt und angenähert, doch die Grenzen ziehen weiter gegen Osten.

Sign: D_I/S3-1.085, (descriptor=Mobbing)

Der Chef der kleinen Ich-Gesellschaft hat sich selbst gekündigt. Man fand ihn in enger Umschlingung der Tastatur seines Chefcomputers und vor ihm das Flimmern zweier Kündigungsschreiben. Besser gesagt: zweier Schreibversuche einer Kündigung.

Man will hier nicht die Wortlaute wiedergeben, aber man ist überzeugt, dass die Kündigungsschreiben daran scheiterten, weil er sich nicht entschliessen konnte, ob er nun sich, dem Betrieb, kündigen sollte, oder sich, dem Angestellten. Erst aufgrund dieser Unentschiedenheit, so munkelt man, hatte er Hand an sich gelegt.

Die Träume meiner Frau.  arthena verlag

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©hartmut abendschein

 

11 kommentare
  1. eukapirates

    herzlichen glückwunsch!!

    kommentar vom 15. Februar 2010 10:59
  2. punk.t

    ja, gratuliere! volantiger text!

    kommentar vom 15. Februar 2010 11:53
  3. Grau, Herr

    Ich habe gehört, Herr Abendschein habe sich keinen Preis so sehnlichst gewünscht wie diesen. Gratulationen aus Bruanien!

    kommentar vom 15. Februar 2010 12:01
  4. reto

    herzliche gratulation!

    kommentar vom 15. Februar 2010 14:53
  5. edelbert w. bregy

    herzliche gratulation!
    e.w. bregy

    kommentar vom 15. Februar 2010 17:31
  6. hab

    sehr herzlichen dank, allen …

    kommentar vom 15. Februar 2010 17:32
  7. Sammelmappe

    Herzlichen Glückwunsch!
    Und so ein wunderschönes Bild zur Gratulation!

    kommentar vom 15. Februar 2010 20:12
  8. czz

    gut “getroffen” : als portrait wie als preis !
    die nächste stufe wäre wohl , einen preistäger ( m | f ) zum meeres- schreiber zu berufen …

    kommentar vom 16. Februar 2010 05:24
  9. rittiner & gomez

    @czz: wir suchen immer meeresschreiberinnen!

    kommentar vom 16. Februar 2010 07:36
  10. monoblog

    fast wie ein sujet für die neuen geldnoten ;-)

    kommentar vom 18. Februar 2010 16:53
  11. rittiner & gomez

    @monoblog: ja dann beginnen wir gleich mit drucken.

    kommentar vom 18. Februar 2010 18:33

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