Ob sie hier am richtigen Ort ist, bezweifelt sie. Aber wer weiss, vielleicht findet sie hier, genau diejenigen, welche diesen Gegenstand vermissen, oder den Auftrag haben, ihn wieder zurückzubringen. Auswahl an Menschen hat es auf alle Fälle genug.
Auf alle Fälle hört sie lieber dem Meer zu als der Stadt.
Jetzt sitzt sie schon eine Weile im fahrenden Zug, und die Geschichten der Kellnerin, gehen ihr immer noch durch den Kopf. Von all ihren Liebhabern, die sie hatte und dass sie in 5 Wochen heiraten werde. Sich aber schon wieder in einen anderen verliebt hätte und deshalb lieber mit ihr den Abend verbrachte, als alleine nach Hause zu gehen.
Elsa fühlt sich ganz entspannt und weiss noch nicht genau, an welchem Ort sie den Zug verlassen will.
Der Ton zur Bahnfahrt
Selbstverständlich gibt es auf so einer Bahnfahrt, so viele Geschichten wie Reisende:
VORBEI
Die Frau im Zug
Da sitzt sie nun
Am Fensterplatz und schaut sehr stumm
Zum Franz
Der starr von diesem Stern
Im Herz berührt
Doch für ihn fern
Er steht am Bahnsteig Nummer 3
Sein Traum fährt ab
Im Zug
Gleis Zwei
Jetzt sitz sie immer noch da. Die Kellnerin hat sich zu ihr gesetzt. Die hat Feierabend und bietet ihr auch noch an, bei ihr zu übernachten.
Das lehnt sie dankend ab, aber Elsa lädt sie zu einem gemeinsamen Abendessen ein. Für die Nacht, kennt sie eine Pension, die sie schon mehrmals besucht hatte, sie will frei bleiben.
Wie weiter?
Einen Tee trinken kann nicht schaden.
Sie bestellt noch einen zweiten.
Warum bewegt sich Zeit scheinbar nur in eine Richtung, von der Zukunft in die Gegenwart und dann in die Vergangenheit?
Dann könnte sie Algunos besser kennenlernen und sie wüsste vielleicht, was es mit dem Gegenstand auf sich hätte.
Oder sie hätte verhindern können, dass er vergessen wurde.
Der Tee ist kalt und sie hat Hunger.
Die Hoffnung, dass es schon auf der Überfahrt mit der Fähre passiert, hat sich nicht erfüllt. Dabei blieb sie damit so lange wie sie konnte auf Deck.
Aber sie will ja 30 Tage unterwegs bleiben. Also Geduld, die letzten 11 Jahre ist ja auch nichts passiert. Vermutlich ist für die Zeit ohne Belang. Oder der Gegenstand ohne Bedeutung.
Nachdem Herrn Algunos Jahre lang an einer stillgelegten Anlegestelle auf ein Schiff gewartet hatte, mit dem er auf eine grosse Reise antreten wollte. Erschien er an einem Morgen nicht wie immer zu selben Zeit. Er war wie vom Erdboden verschluckt, von Herrn Algunos fehlt jede Spur.
In seiner Wohnung fehlt nichts, auch seine kleine Reisetasche, die er immer dabei hatte, ist noch da, sie steht neben seinem Bett auf dem Boden. Der Schlüssel steckte von innen noch im Türschloss, die Hausmeisterin konnte zum Glück über den Balkon in seine Wohnung einsteigen.
Dass die Dachluke geschlossen, aber nicht verriegelt war, bemerkte niemand.
Elsa damals sieben, entdeckt in der Wohnung einen unförmigen transparenten kleinen Gegenstand in der Wohnung, der anscheinend von niemanden andern wahr genommen werden konnte.
Egal wem sie es zeigte, oder in die Hände geben wollte, nichts.
Sie stellte den Gegenstand auf das Fenstersims ihres Zimmers, in der Hoffnung, dass er von den Besitzern abgeholt wird.
Jetzt ist sie 18-jährig, und nichts hat sich verändert.
Er ist immer noch da und sieht aus wie neu. Kein Staub, kein Wasser bleibt an ihm hängen.
Jetzt will sie damit auf Reise gehen, vielleicht wird er so gefunden und zurückgeholt.
Die Vorstellung ein Land zu erfinden, das es nicht gibt, ist ja so was von faszinierend, dass die Volanter*innen das selbstverständlich mit einer Postkarte feiern müssen.
Der Schotte Gregor MacGregor zählt zu den dreistesten Hochstaplern der Geschichte. In den 1820er-Jahren verkaufte er (sehr erfolgreich!) Staatsanleihen und Grundstücke eines Landes, das es gar nicht gab: Poyais an der Miskitoküste im heutigen Honduras.
Viele Auswanderwillige verloren nicht nur jede Menge Geld, für einige endete die Geschichte auch tödlich. Denn die fast 300 Siedlerinnen und Siedler landeten nicht wie versprochen in der Hauptstadt St. Joseph, sondern im Dschungel, mit zu wenig Lebensmitteln, aber umgeben von jeder Menge Mücken, die Gelbfieber übertrugen.
Noch einmal an das Meer.
Morgen muss er zurück auf das Festland.
Da wartet ein neues Fahrrad auf ihn.
Ein Geschenk von seinen Eltern und seinem Chef.
Der Chef hofft vermutlich, dass Joven jetzt mithalten kann.
Das alte Rad kommt also wieder zurück auf die Insel.
Der Weg zum Meer und die Nächte sind länger als sonst.
Das Jahr ist noch unbeschrieben, aber die Vergangenheit macht es dadurch nicht vergessen.
Joven friert leicht, sollte er nicht besser gleich wieder nach Hause gehen.
Er stolpert.
VACUUS
einsam steht er frei im leben
möchte nach der liebe streben
doch sehr fern ist ihm all‘ nähe
krächzend hört er eine krähe
ob die ihm was sagen will
plötzlich um ihn alles still
nur das ewig‘ meer mit dauschen
füllt die luft mit feuchtem rauschen