zuhörer

meer menschen

der heimliche zuhörer – nun auf dem trockenen – übt sich darin, den letzten gehörten satz zu behalten.

gegen mittag, nichts als glatte see und ein dunstiger horizont, läuft er in den ort. er braucht eine karte. vielleicht gibt es eine insel irgendwo, nah genug, dass das boot sie angelaufen hätte.
außerdem könnte er mit dem buchhändler worte tauschen. ob er sich an die polizei wenden solle.

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verbucht

lesen erlesen verlesen gelesen

hoffentlich findet er wieder den weg aus den büchern, zurück in die realität, bevor er zuweit hinaus auf das meer abtreibt.

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leser

erinnerungen

wird er aus seinen büchern wieder herausfinden?

paulina und piratin

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der blinde passagier

der blinde passagier - bess dreyer

der blinde passagier verstand nichts von booten, vom rudern oder segeln. als der alte im boot von den skulls murmelte und die sollten auf die ruderbank, bildete sich ein seltsames bild in seiner phantasie. ein boot voller schädel. hing er da an einem totenboot.
den kopf über den rand zu heben und zu schauen traute er sich nicht. blinder passagier eben. es wurde windiger. ein höherer wellengang. der strand verkleinerte sich. und so ließ er los und schwamm dem ufer zu.

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ins boot gezogen

isla volante

die skulls hatte der alte mann ins boot gezogen und auf den ruderbänken abgelegt. dort lag auch ein schlichter mast bereit, eingedreht in ein geflicktes segel. die ebbe hatte eingesetzt und zog das boot aufs meer hinaus, und schon bald erfasste die hier parallel zur küste verlaufende strömung die hölzerne nussschale und nahm sie mit sich. unbeirrt las der alte aus dem buch. wenngleich der wind in seinen ohren flatterte und drängte, so hörte er deutlich den wellenschlag an der bordwand aufspritzen, glucksend und plitschernd ein häwelmannsches „mehr! mehr!“ gurgeln. von der sehnsucht nach dem meer las er der dünung vor, die ihn und sein boot wiegte, und davon, wie aus dieser sehnsucht heraus schiffe gebaut und geschichten geschrieben werden.

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vorsichtig

am meer aquarell

der lesende alte merkte es nicht, eine hand hielt sich vorsichtig am heck seines kleinen bootes fest und ein kopf sah eben soweit aus dem wasser, dass die ohren der geschichte folgen konnten. keinen fisch gefangen. und nun.

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allein in einem boot

boot

„… fischte allein in einem boot im golfstrom, und seit vierundachtzig tagen hatte er keinen fisch gefangen.“ seine stimme war die eines menschen, der gut gelebt und gern gesungen hatte. der wind griff in die seiten und versuchte, zum ende der geschichte vorzublättern. doch möchte eine geschichte zu ende gelesen werden wie auch ein leben zu ende gelebt sein will. das meer lauschte. glucksend bat sein wellenschlag den alten mann, sich nicht von der ungeduld des windes beirren zu lassen und fortzufahren.

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er war ein…

meer

niemand achtete auf den alten mann, der, ein buch unterm arm, am strand auf ein ruderboot zuging, es ins meer stieß, sich hinein warf, aufstand. wartete, bis das schaukelnde boot zur ruhe kam. bedächtig schlug er das buch auf und las dem meer vor: „er war ein alter mann und …“

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haiku sudabeh mohafez

die nachbarswecker
links um sechs rechts um halb acht
wir lächeln im schlaf

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aquarell - wasserfarbe zu haiku von sudabeh mohafez

ganz ruhig, freund frosch!
heut trägt der storch ein kleinkind
im spitzen schnabel

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