Sie dreht sich im Kreis, soll sie weiter reisen oder wieder nach Hause? Vermutlich spielt es sowieso keine Rolle, wo sie sich aufhält. Oder hätte sie das Ding gar nie anfassen sollen und ihn am besten wieder da hinlegen, wo sie ihn wegnahm?
Heute nimmt sie keinen Nachtisch.
Knietief im Schnee und weit und breit nichts zu sehen als die weisse Pracht. Wo ist sie nur gelandet?
Zum Glück erwacht sie, als der Zug von einem entgegenkommenden Zug, so richtig durchgeschüttelt wird.
Die Sitznachbarin bietet ihr einen Apfel an, den sie gerne entgegennimmt. Der Tee in ihrer Thermosflasche ist kalt.
Die Aussentemperatur steht bei 18° und Regentropfen ziehen schräg über das Fenster.
Müsste sie damit auf einen hohen Berg? Dazu hat sie weder die Fähigkeiten noch die Ausrüstung.
Zum Frühstück genehmigte sie sich eine grössere Portion, damit sie, falls sie doch auf einen Berg gehen sollte, gestärkt ist.
Vermutlich wird ihr Vorhaben daran scheitern, dass sie nicht Bergganggig ist. Sie nimmt noch eine weitere Portion.
Ein Spaziergang durch einen menschenleeren Park hilft auch nicht. Vermutlich ist ihre Reise sowieso nutzlos und niemand im ganzen Universum interessiert sich dafür und vermisst das Ding, das sie sich im schlimmsten Fall ja nur einbildet. Nein, das kann nicht sein.
Aber im eigenen Tempo gehen zu können und nicht bei jedem Schritt, irgendjemandem ausweichen zu müssen, ist sehr entspannend.
Das Tiramisu liegt ihr noch schwer im Magen.
Ob sie hier am richtigen Ort ist, bezweifelt sie. Aber wer weiss, vielleicht findet sie hier, genau diejenigen, welche diesen Gegenstand vermissen, oder den Auftrag haben, ihn wieder zurückzubringen. Auswahl an Menschen hat es auf alle Fälle genug.
Auf alle Fälle hört sie lieber dem Meer zu als der Stadt.
Jetzt sitzt sie schon eine Weile im fahrenden Zug, und die Geschichten der Kellnerin, gehen ihr immer noch durch den Kopf. Von all ihren Liebhabern, die sie hatte und dass sie in 5 Wochen heiraten werde. Sich aber schon wieder in einen anderen verliebt hätte und deshalb lieber mit ihr den Abend verbrachte, als alleine nach Hause zu gehen.
Elsa fühlt sich ganz entspannt und weiss noch nicht genau, an welchem Ort sie den Zug verlassen will.
Der Ton zur Bahnfahrt
Selbstverständlich gibt es auf so einer Bahnfahrt, so viele Geschichten wie Reisende:
VORBEI
Die Frau im Zug
Da sitzt sie nun
Am Fensterplatz und schaut sehr stumm
Zum Franz
Der starr von diesem Stern
Im Herz berührt
Doch für ihn fern
Er steht am Bahnsteig Nummer 3
Sein Traum fährt ab
Im Zug
Gleis Zwei
Jetzt sitz sie immer noch da. Die Kellnerin hat sich zu ihr gesetzt. Die hat Feierabend und bietet ihr auch noch an, bei ihr zu übernachten.
Das lehnt sie dankend ab, aber Elsa lädt sie zu einem gemeinsamen Abendessen ein. Für die Nacht, kennt sie eine Pension, die sie schon mehrmals besucht hatte, sie will frei bleiben.
Wie weiter?
Einen Tee trinken kann nicht schaden.
Sie bestellt noch einen zweiten.
Warum bewegt sich Zeit scheinbar nur in eine Richtung, von der Zukunft in die Gegenwart und dann in die Vergangenheit?
Dann könnte sie Algunos besser kennenlernen und sie wüsste vielleicht, was es mit dem Gegenstand auf sich hätte.
Oder sie hätte verhindern können, dass er vergessen wurde.
Der Tee ist kalt und sie hat Hunger.
Die Hoffnung, dass es schon auf der Überfahrt mit der Fähre passiert, hat sich nicht erfüllt. Dabei blieb sie damit so lange wie sie konnte auf Deck.
Aber sie will ja 30 Tage unterwegs bleiben. Also Geduld, die letzten 11 Jahre ist ja auch nichts passiert. Vermutlich ist für die Zeit ohne Belang. Oder der Gegenstand ohne Bedeutung.