meer

watercolor

der wasserlinie entlang gehen, lang gehen.

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entdecken

watercolor

auf der insel und wie wir sie darstellen wollen, gibt es immer wieder was zu entdecken.
was uns ab und an, auch auf irrwege führt.

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stille?

watercolor

stille?
nichts scheint sich zu bewegen, dabei ist alles voller leben und bei genauem hinhören hört man das rauschende leben.
in der stille.

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wasser

watercolor

einfach am meer
nicht mehr sein
einfach am meer

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großvaters garten

milla cremeso - bild zu text von ludwig jannsen

damaskus. von dort stammte tarik ab. jedenfalls fand sich dort der garten seines großvaters, von dem tarik geschwärmt hatte. stellte die erinnerung an diesen garten doch ein stück unzerstörbare heimat dar, das dem kleinen jungen nicht zu nehmen war. erinnerung, die ihn hier, tausende kilometer entfernt, glücklich stimmte und wehmütig zugleich. aufgerufen durch den geschmack der pflaumen des kuchens, den milla gespendet hatte.

damaskus. wie sollte ein gebäck diese stadt und einen garten beschreiben. gewiss, die zwetschge stammte aus damaskus, fand in historischer zeit von dort ihren weg nach europa. die stadt damaskus und ihre historie bildeten jedoch lediglich den rahmen. auch galt es nicht, ein orientalisches gebäck herzustellen. das konnten tariks eltern sicherlich besser als sie, milla cremeso. milla brauchte ein gebäck, das eine reminiszenz an damaskus darstellen konnte, eine allegorie.

wenn milla über ihre hochzeitstorten hinaus für etwas bekannt war, das ihr besonders gut gelang, so waren das ihre sahnecrèmeschnitten, mille feuilles. und deren blätterteig, ging es milla durch den sinn, wurde, ähnlich wie der stahl der berühmten damaszenerklingen, immer wieder gefaltet und, wo der stahl geschmiedet wurde, wurde millas blätterteig touriert, mindestens sechs mal. in ihrer kühlkammer bewahrte milla immer einen vorrat selbst zubereiteten blätterteigs für die laufende produktion der woche. von diesem blätterteig holte sie nun ein stück, genügend groß für ein blech ihres backofens, und schnitt es zu. achtete dabei darauf, dass die seiten hierbei nicht verklebten. und doch, kaum dass der teig, in passende rechtecke geschnitten, auf dem backblech lang, bedeckte sie ihn mit backpapier und legte ein zweites backblech leer darüber. milla wollte, dass der teig unterm backen nicht zu sehr aufging und für ihre cremeschnitten flache scheiben mit der typischen blättrigen struktur erbrachte.

die sahne verrührte sie mit gelatinepulver und vermengte einen teil mit gekochten und durch ein sieb passierten pflaumen, gab zimt hinzu, ein wenig rosenwasser. dem anderen teil fügte sie pürierte datteln und dörrpflaumen hinzu sowie feigenmarmelade und etwas arrak-aroma. als die blätterteigschnitten fertig gebacken waren, füllte sie die masse in je einen spritzbeutel und kreierte ihre mille feuilles. den abschluss bildete eine decke aus zuckerguss, in die milla mit pflaumenmus-paste und einem zahnstocher das für mille-feuilles typische muster zeichnete.
milla spürte, dass die müdigkeit ihr zu schaffen machte. sie drapierte einige mille feuilles auf einen teller und gab den rest in die kühlkammer. den teller stellte sie mit einem kärtchen „großvaters garten“ auf den küchentisch. dann machte sie sich auf den weg in ihr schlafzimmer, das ohne tür an ihr wohnzimmer mit dem auf dem sofa schlafenden tarik anschloss. tarik schlief tief und fest. der schwarz-weiße kater hatte sich neben seinem kopf zum schlafen eingerollt und blinzelte, als milla auf zehenspitzen an dem paar vorüberschlich.

„schlaft gut!“, flüsterte sie.

der kater blinzelte, tarik schmiegte sich tiefer ins kopfkissen und vom fenster her flutete schweigend die nacht das haus, als eine müde milla cremeso vom bett her das licht löschte.

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am meer

aquarell

schwebend wird sich alles auflösen, erlösen, lösen

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in eine wolke beißen und, vielleicht, an zitronenfalter denken

milla cremeso - bild zu text von ludwig jannsen

den frühling hatte der unverhoffte besuch tariks ihr gebracht, sie aus traurigkeit und selbstzweifeln hervorgelockt. zitrone! zitrone sollte es sein, wonach die wolke schmecken würde. denn die zitronenfalter waren stets die ersten schmetterlinge, die man im frühling zu gesicht bekam. frühlingsboten, die hoffnung auf mildere tage und blauen himmel weckten. milla erinnerte sich an das glück, das sie beim anblick des ersten zitronenfalters im jahr empfunden hatte. an das lächeln, das er ihr ins gesicht gezaubert hatte. selbst jetzt, weit von frühling und zitronenfaltern entfernt, lächelte milla, empfand sie diesen augenblick des glücks neu. ja, die wolke dieser torte würde nach zitrone schmecken. nicht überall, doch an einer stelle – gerade so groß wie ein schmetterling. wie zwei schmetterlinge. milla besann sich, dass die torte einem paar galt und nicht ihrer erinnerung. zitronensaft war zur hand. bald schon erinnerte an zwei stellen ein feiner zitronengeschmack in der ansonsten weißen sahnecreme an den taumelnden flug zweier sich im liebenswerben umkreisender zitronenfalter.

während milla diesen gedanken nachhing, war auch die letzte torte fertig geworden. auch sie bestrich milla mit weißer ganache und stellte sie in die kühlkammer. holte die anderen zurück auf die arbeitsplatte und begann, sie mit fondant einzudecken und zu gestalten.

die untere torte deckte sie mit grünem fondant ein, modellierte ein paar grashalme hinzu, blumen. stellte dann den ersten teilstamm hinein und betrachtete zufrieden das ergebnis: der stammteil passte jetzt, da die fondantdecke auf der einen und die schokoladenborke auf der andere torte auflag, wie angegossen in den inneren ring der unteren torte. schaute ein wenig hervor. nichts wackelte. die zweite torte bekam ebenfalls eine decke, von dunklerem grün, doch applizierte milla viele blätter aus fondant und pflaumen, die sie aus rotem und blauem fondant geknetet und so einen aparten mauve-ton erzielt hatte. aus dem blauen modellierfondant modellierte milla eine männergestalt und aus dem roten die einer frau, die sich in inniger umarmung zeigten. dieses paar platzierte milla nun, nachdem sie die zweite torte des stamms samt kuchenplatte befestigt und die mittlere torte darauf gestellt hatte, unter die krone des pflaumenbaums.

fehlte nur noch die wolke. so wirklich „ungeheuer oben“ wirkte sie nicht, doch barg sie das geheimnis der zitronenfalter, eines lächelns und des glücks, in steter erneuerung jedes jahr einen neuen frühling erleben zu dürfen. mit weißem fondant eingedeckt und mit schwalben aus fondant versehen wirkte sie, klein, wie sie war, wie ein krönchen.

milla ging, nachdem die torte in einem milde temperierten kühlraum untergebracht war, in die wohnstube. setzte sich, den kleinen kater auf dem schoß, dem sofa mit dem schlafenden tarik gegenüber in ihren gemütlichen ohrensessel. sie liebte diesen sessel. hier saß sie oft, ließ den arbeitstag ausklingen, sah aus dem fenster in den garten, über den see hinaus zum horizont und ließ ihre gedanken mit den wolken ziehen. den auftrag hatte sie erledigt. morgen würde sie die torte und einige vorbereitete probestückchen dem jungen paar aushändigen. das gedicht erwähnen und ihre interpretation in form der torte erläutern. ihren wunsch, dass es dem paar gelingen möge, in jeder weißen wolke die erinnerung an das glück ihrer ersten verliebtheit wiederzufinden, wenn die jahre ihrer ehe ins land gezogen wären, „… geschwommen still hinunter und vorbei …“

und tarik? ihm hatte sie eine torte versprochen, die von ihm und dem garten seines großvaters erzählte. ‚eine torte schaffe ich nicht mehr‘ ging es milla durch den sinn. mit einem seufzer mache sie sich erneut auf in die backstube. wollte tarik am nächsten morgen überraschen.

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39. sequenzielle kunst

kunstverein oberwallis - der auftrag - kunst

ist das noch die isla volante und ihre geschichte?
sind das nur aneinander gereihte sequenzen?
ist das nur kunst?
oder real?

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wolken aus sahnecreme und ein junge wie eine wolke

milla cremeso - bild zu text von ludwig jannsen

mittlerweile war es abend geworden. milla spürte, wie auch in ihr müdigkeit sich breit machte. doch die torte wollte sie noch fertig wissen. der boden für die oberste torte war fertig und abgekühlt. wie schmecken wolken? nach vanille vielleicht? nach sahne? milla erinnerte sich an eine rockband aus der zeit ihrer eltern, novalis. deren sänger hatte einen liedtext geschrieben in dem es hieß, dass wer schmetterlinge lachen höre auch wisse, wie wolken schmecken. milla hatte noch nie einen schmetterling lachen hören. selbst die schmetterlinge, die sie im bauch hatte, als sie ihren späteren mann kennenlernte, hatten nicht gelacht, nicht einmal gekichert. besoffen vor glück waren die gewesen … milla hielt inne … vor glück? nein, vor glückseligkeit. trunkene, lallende glückseligkeit. ‚schmetterlinge haben nichts zu lachen‘, ging es ihr durch den kopf. schmetterlinge lachen zu hören sei eine vorstellung. eine, die man sich selbst mache, eine vorstellung , die man gäbe, sich und der welt. und nein, sie wollte der welt nicht vormachen, was glück ist. das lachen eines schmetterlings – fiktion. nicht zu vergleichen mit einer kleinen, sehr weißen wolke, die im wind schwindet und ungeheuer oben mit dem blau des himmels geht. stilles, flüchtiges glück, wie ein lächeln so fein und doch so nachhaltig, dass es in erinnerung bleibt und … ‚hm … auch lachen geht und vergeht mit dem wind‘, dachte milla. sie hing ihren erinnerungen nach auf der suche nach einem moment, da der anblick eines schmetterlings ihr ein lächeln entlockt hatte. ein lächeln, das seinen ursprung tief in millas wissen um glück und dessen flüchtigkeit gehabt hatte und bei aller flüchtigkeit zugleich milla hoffnungsfroh gestimmt zurückließ. hoffnung, bestärkt durch die erneuerung des versprechens steter wiederkehr eines glücklichen augenblicks. eines augenblicks glück?

ob tarik noch schlief? milla stellte ihre arbeit für eine weile hintan und ging ins wohnzimmer, auf zehenspitzen. wäre um ein haar über den kleinen kater gestolpert, der noch immer schnurrend um ihre beine strich. tarik schlief. hatte sich, eingemummelt in die warme decke, auf die seite gedreht. milla dämpfte das licht und nahm den kater auf den arm. kraulte seinen nacken und betrachtete den schlafenden auf dem sofa, der so unverhofft in ihr leben getreten war und ihr doch so vertraut schien. was wusste sie über ihn? nicht wirklich viel. tarik wirkte auf sie, als sei er reich an wissen, autark – und das war unvereinbar mit seinem zarten alter. sicherlich, er hatte viel mitgemacht und war durch die gemachten erfahrungen älter, reifer als andere kinder seines jahrgangs. doch kinder seines alters entfernten sich kaum von ihren eltern. und welches kind würde sich schon, nur, weil es einen leckeren pflaumenkuchen gegessen hatte, auf die suche nach der frau begeben, die den kuchen gemacht hatte, nur um ihr zu danken? milla fragte sich, ob sie nicht lieber nach den eltern des jungen forschen und ihnen den sohn bringen sollte. vielleicht die polizei fragen, ob er vermisst würde? das hatte zeit bis morgen. tarik schien ohne furcht. tauchte auf, wann es ihm beliebte und verschwand ebenso unverhofft, als hätte der wind ihn mit sich genommen. der wind. milla hielt inne. tarik – eine wolke?

„milla, jetzt fängst du an zu spinnen“ murmelte sie und machte sich wieder auf den weg in die backstube. hatte den kater abgesetzt und wusch sich die hände. nicht mit dem wind war tarik in ihr leben getreten, als er, die arme auf den zaun gelegt, in ihren garten geschaut hatte. eher wie ein schmetterling, einer, der den …

milla eilte an den arbeitstisch. sie hatte eine idee.

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38. wohin

kunstverein oberwallis - der auftrag - kunst

wohin sind sie jetzt wohl
all diese menschen
kommen sie wieder

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