der blinde passagier

der blinde passagier - bess dreyer

der blinde passagier verstand nichts von booten, vom rudern oder segeln. als der alte im boot von den skulls murmelte und die sollten auf die ruderbank, bildete sich ein seltsames bild in seiner phantasie. ein boot voller schädel. hing er da an einem totenboot.
den kopf über den rand zu heben und zu schauen traute er sich nicht. blinder passagier eben. es wurde windiger. ein höherer wellengang. der strand verkleinerte sich. und so ließ er los und schwamm dem ufer zu.

text:

vorsichtig

am meer aquarell

der lesende alte merkte es nicht, eine hand hielt sich vorsichtig am heck seines kleinen bootes fest und ein kopf sah eben soweit aus dem wasser, dass die ohren der geschichte folgen konnten. keinen fisch gefangen. und nun.

text:

sichel-ich

mäandern

meine gedichte sind krumm
auch wenn ich akkurat
buchstaben setze

so werden sie nicht wie öl
ins denken rinnen
dürfen sich winden

mäandern am ufer
des tages
und mondsichel sein

text:

meer sand land

meer

die anderen erkunden die tiefe,
finden den grund. die wieder anderen
suchen worte auf den kämmen hoher berge.
gischt spritzt bis zu mir.

ich fasse angeschwemmtes
von flach auslaufenden wellen
und vom sand. das ist mein talent,
das dazu beiträgt, nichts zu vergeuden.

text:

zwei zeilen

tintenfleck

die schwarzen tintenflecken
am himmel mischen sich
unter die schwärme der augvögel
und fische

text:

zwei zeilen

aquarell meer wasser watercolor

sitzen am synapsenfeuer
schlagen mit den flügeln
über der flut

willst du sie fangen
ist ebbe
auf und davon ist das wasser

text: