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fixpoetry

die bildermacher mit alke stachler auf fixpoety

poetryletter nr. 329 von alke stachler und rittiner & gomez

text:

im letschte tram

im letschte tram so spät am abe - polo hofer

im letschte tram so spät am abe
underwägs zu dr ändstation
het mänge sini tröim begrabe
u mänge wet är hät meh lohn

dr himmel hanget zwüsche de dächer
dr mond xeht us wine zitroneschnitz
i dr altstadt fülle sie no dr bächer
u d’meitschi mache d giele spitz

d giele stige witwe
u die junge gselle
sie stige ii si xes nüm so klar
sie si ga ihri sehnsucht stille
jede für sich i sini lieblingsbar

für mi si sie irgendwie helde
sie hei so vil mit mir gmeinsam
mir hei doch alli nüt me ds mälde
scho gar nid ufem letschte tram

chaschs gsorget gä
im letschte tram
me chader nüt me näh
im letschte tram
mueschs näh wis chunnt
im letschte tram
i sore späte stund

u d madonnna hanget ar tiili
sie luegt mi aa, aber si xeht mi nid
u d mona lisa lächlet für viili
sie chläbt am fänschter näbem bankkredit
fahre dür fahrverbot u strasseschilder
verbi ar wärbig fürne schlangefraas
verlogni sprüch u faltschi bilder
verspräche freiheit verspräche gspass

wie cha ne mönsch die wält ertrage
wener so viu bschiss mues xseh
aber i ma nid grüble ma mi nid plage
ha müedi füess u dr chopf tuetmer weh

ha gmeint du würdisch uf mi warte
ha gmeint i passi dir i chram
da hadi xe schmuuse mit eim im garte
u da bini haut ufs letschte tram

i chas gsorget gä
im letshte tram
me chamer nüt me nä
im letschte tram
i nimes wies chunnt
im letschte tram
i sore späte stund

ja wet mi glich no wosch xeh
de weisch ja woni bi
bi ufem tram
chasch ja zuestige
zum bispil bim general guisan-platz
oder bim militärgarte
oder bim schützegarte
oder bim viktoria platz
oder bim hänkersbrünndli
bim galdefäld
bim frdihof
oder gar bim chindlifrässer
und überholpt
wieso hei alli haltstelle sötegi näme

ufem letschte tram
im letschte tram
s’chunnt alles us
im letschte tram
s’git kei bluemestruss
im letschte tram
bringt dir niemer dr schmuus
im letschte tram
dr schuss isch dus
im letschte tram

mueschs nä wis chunnt
im letschte tram
i sore späte stung
im letschte tram
sisch nüme wit
mitem letschte tram
sisch höchschti zit
im letschte tram
da weisch was drinne ligt
im letschte tram

text: polo hofer

bilder zum: letschte tram

text:

artcade

artcade kunst bern junkerngasse

im februar ist die isla volante auf dem festland. mit bilder aus kitsune im schaufenster des artcade an der junkerngasse in bern.

artcade // junkerngasse 9 + 11 // bern

text:

C’est Pas L’homme Qui Prend La Mer…

aquarell meer

chanson von renaud

c’est pas l’homme qui prend la mer
C’est la mer qui prend l’homme
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text:

sans paroles

comic

text:

literaturpreis 2014

marianne vogel kopp

der isla volante literaturpreis 2014 geht an marianne vogel kopp

michelle und konrad

„ich hol‘ noch meine sachen aus dem bad, dann bin ich weg.“ michelle stellt ihren rollkoffer neben die wohnungstür.

„einen letzten kaffee?“

„ich bin spät dran. und das essen war derart üppig … ich bringe nichts mehr hinunter.“

konrad stellt sich mit verschränkten armen vor michelle hin. „du meinst doch nicht im ernst, dass ich dich jetzt einfach so gehen lasse?“

„mein zug geht in einer halben stunde.“

„dann …“, er streichelt ihren hals und fährt mit dem zeigefinger dem ausschnitt ihrer bluse entlang, „bleiben uns wenigstens noch zehn minuten.“

„wozu?“

„ich fasse es nicht, michelle. sind wir uns wirklich erst vor zwei tagen begegnet?“

„freitagabend. brasserie am bahnhof.“

„ich sass einer frau mit wunderschönen händen gegenüber…“

„… die völlig entnervt versuchte, ihre freundin anzurufen.“

„und feststellen musste, dass sie versetzt worden war …“

„abends um zehn. in einer fremden stadt.“

„und vis-à-vis ein kerl, der mit unaufdringlicher miene fragt …“

„… benötigen sie eine alternative?“

„nicht meine art, so vorzupreschen …“

„und nicht meine art, mich so spontan einzulassen …“

„aber du hast es getan.“ konrad versucht sie zu umarmen.

michelle stösst ihn von sich. „du auch.“

„bereust du es?“

„was?“

„dass uns das schicksal zusammengeführt hat?“

„ich bereue höchstens, dass ich beim fünfgangmenu heute jede zurückhaltung verloren habe.“

„danke, dass du mitgekommen bist.“ konrad grinst. „ich hin noch nie in begleitung an einem familienfest erschienen. und ausgerechnet zum sechzigsten meines vaters verblüffe ich alle mit einer so perfekten frau …“

michelle wehrt auch seinen nächsten annäherungsversuch energisch ab. „du hast eine interessante familie.“

„aber der einzige sohn bereitet ihr sorgen. nicht die geringsten anzeichen männlicher verantwortung. keine partnerin in sicht … der enkeltraum in der schwebe. hoffnungslos bisher … aber nun … eine kultivierte, charmante michelle.“

„traum aller schwiegermütter …“

konrad wird ernst. „meine mutter hat mich am meisten erstaunt. wie hast du sie nur so schnell aus der reserve gelockt? zuletzt habt ihr sogar die köpfe zusammengesteckt. es sah aus, wie wenn zwei freundinnen geheimnisse austauschen.“

„und du wüsstest nun zu gern, welche?“

„es ging wohl um mich …“

„aber sicher.“

„und?“

„du hast richtig bemerkt: geheimnis …“

„soll ich dir mein geheimnis verraten?“

michelle wirft einen blick auf ihre uhr. „nur wenn es nicht länger als zwei minuten dauert.“

„michelle, ich bin hin und weg von dir. du stehst zwar reisefertig da … aber ich weiss nur eins: dass ich dich nicht gehen lassen will. nie mehr.“

„konrad … lass die grossen gefühle. es war schön. besonders … das gebe ich zu. aber es ist vorbei.“

„du … noch nie hat mich eine frau derart mit haut und haaren angezogen. ich möchte mehr von dir. alles …“

„ich muss wirklich los.“

„warum zeigst du mir die kalte schulter? das nehm‘ ich dir nicht ab.“

„du bist wunderbar, konrad …“

schon gleitet ein lächeln über sein gesicht.

„… wunderbar ahnungslos. lass mich jetzt bitte hinaus.“ sie schiebt ihn sanft beiseite und öffnet die tür.

„aber, michelle …“

auf der schwelle wendet sie sich um: „ich heisse nicht michelle. ich heisse regula.“

„regula? … was wird hier gespielt?“

„willst du es wirklich wissen?“

„ja …“

„begleitservice … engagieren sie eine studentin für ein wochenende. all inclusive.“

„du? … aber … wer hat dich denn …?

„ein indirektes geschenk für deinen vater zum geburtstag. deine mutter fand, du solltest in begleitung kommen.“

konrad sackt in sich zusammen und lehnt sich rückwärts an den türrahmen. „so steht das also …“

die junge frau bewegt sich auf den lift zu, zögert, dreht sich um und blickt ihn stumm an.

konrad macht einen schritt auf sie zu. die lifttür öffnet sich.

sie tritt ein und bevor die schiebetür zugleitet, sagt sie noch: „ich heisse regula, regula venetz.“

 

© marianne vogel kopp

text:

literarischer monat

literarischer monat skizze zeichnung sequenz

heute ist der kobboi und sein begleiter am lesen, so wird das vermutlich nichts mit dem ausflug auf das meer…

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text:

das eigenartige haus

„die harmonie zwischen seinen bildern und dem text der autorin ziehen uns an, oder quasi hinein in das eigenartige haus.“

lesefieber manuela hofstätter

text:

literaturpreis 2011

darja stocker

der isla volante literaturpreis 2011 geht an darja stocker

micha

von daria stocker

Ich bin tot oder blind. Sand klebt am Fenster und verdeckt mir die Sicht auf das Meer, den Hafen. Der Sturm ist also bis ans Ende der Wüste gekommen. Wie ich hierher komme, wo die andern sind?

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text:

meer

aquarell

die moulinettes

immer nie am meer

Der Mensch besteht fast nur aus Wasser
und der Rest ist Alkohol
Nur wenn er sturzbesoffen weinen kann,
fühlt er sich richtig wohl.

Und dann mit dem Mofa aus der Stadt raus,
auf den Rastplatz und dann
bis zum Sonnenaufgang mit den
Augen zu im Kreis herumfahr’n
Und dann wird ihm schlecht,
alles kommt raus,
er hält ins Wasser das Gesicht –
Und das ist schwer

Dann sitzt er stundenlang –
unter dem Fön
Und es weht der Wind
durch seine Haare –
Manchmal ist das auch schön –
doch – immer nie am Meer!

Er ist umgeben von Gebäuden
und Gedanken, die ihn quälen,
und fragt sich warum beim Erinnern
stets die schönen Dinge fehlen.

Und dann mit dem Mofa aus der Stadt raus
auf den Rastplatz und dann
bis zum Sonnenaufgang mit den
Augen zu im Kreis herumfahrn
Und dann wird ihm schlecht, alles kommt raus,
er hält ins Wasser sein Gesicht –
Und das ist schwer

Dann sitzt er stundenlang …

Ach wenn wir doch flüssig wärn
Ich fahr doch ans Meer so gern
Ach wenn ich doch flüssig wär
Dann wär ich sofort am Meer

text: