literaturpreis 2016

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der isla volante literaturpreis 2016 geht an miss kittel.

miss kittel
jahrgang 1972 | weilt im rheinland
lebenskünstlerin im exil | (un)gesellig & eigen | ungezogen & gerne betrunken | herbstkind & teilzeitmonster | rummelplatz & regen

miss kittels twittert

wegen grossen stürmen und nicht enden wollenden entscheidungen in der jury, sind wir ein wenig verspätet mit der vergabe. freuen uns nun aber, dass ihre tweets uns hier auf der insel ein jahrlang begleiten.

text:

literaturpreis 2015

literaturpreis 2015 ludwig janssen

der isla volante literaturpreis 2015 geht an ludwig janssen

menschen am meer

menschen stehen gerne am meer oder sitzen
in zimmern und denken sichs her und das meer
brandet und landet und schweigt an ihnen
sich an, wiegt und schmiegt sich, das licht

bricht funkelnd. als ob ihr verborgener schoß
nach ihnen und sie zu sich riefe, schreiben sie
groß zu ihm – und aus ihm heraus sich: tiefe
ihr dunkel, die unberührte, das anverwandte

ich weiß sie stehen, mich unter ihnen, und das
wort brandet und landet und schweigt sich an
unvorstellbar große menge wassers und wie das
sich wölbt mit den wolken und zieht sich unter

den füßen tief ins land hinein und kometen
schlugen ein zu ihrer zeit, will man meinen, in
den brodelnden planeten, ich spüre es regnen, die
tropfen klopfen sekunden zu stunden darin

geht mein sinn mit den flüssen und deinen küssen
nach, wie die tiefe des meeres so fern und so dunkel
das meer bleibt weitgehend unbekannt und dem land
rand zu sein unbekanntem, erscheinen, will meinen

heut ist ein schöner tag am meer.

springvogel

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literaturpreis 2014

marianne vogel kopp

der isla volante literaturpreis 2014 geht an marianne vogel kopp

michelle und konrad

„ich hol‘ noch meine sachen aus dem bad, dann bin ich weg.“ michelle stellt ihren rollkoffer neben die wohnungstür.

„einen letzten kaffee?“

„ich bin spät dran. und das essen war derart üppig … ich bringe nichts mehr hinunter.“

konrad stellt sich mit verschränkten armen vor michelle hin. „du meinst doch nicht im ernst, dass ich dich jetzt einfach so gehen lasse?“

„mein zug geht in einer halben stunde.“

„dann …“, er streichelt ihren hals und fährt mit dem zeigefinger dem ausschnitt ihrer bluse entlang, „bleiben uns wenigstens noch zehn minuten.“

„wozu?“

„ich fasse es nicht, michelle. sind wir uns wirklich erst vor zwei tagen begegnet?“

„freitagabend. brasserie am bahnhof.“

„ich sass einer frau mit wunderschönen händen gegenüber…“

„… die völlig entnervt versuchte, ihre freundin anzurufen.“

„und feststellen musste, dass sie versetzt worden war …“

„abends um zehn. in einer fremden stadt.“

„und vis-à-vis ein kerl, der mit unaufdringlicher miene fragt …“

„… benötigen sie eine alternative?“

„nicht meine art, so vorzupreschen …“

„und nicht meine art, mich so spontan einzulassen …“

„aber du hast es getan.“ konrad versucht sie zu umarmen.

michelle stösst ihn von sich. „du auch.“

„bereust du es?“

„was?“

„dass uns das schicksal zusammengeführt hat?“

„ich bereue höchstens, dass ich beim fünfgangmenu heute jede zurückhaltung verloren habe.“

„danke, dass du mitgekommen bist.“ konrad grinst. „ich hin noch nie in begleitung an einem familienfest erschienen. und ausgerechnet zum sechzigsten meines vaters verblüffe ich alle mit einer so perfekten frau …“

michelle wehrt auch seinen nächsten annäherungsversuch energisch ab. „du hast eine interessante familie.“

„aber der einzige sohn bereitet ihr sorgen. nicht die geringsten anzeichen männlicher verantwortung. keine partnerin in sicht … der enkeltraum in der schwebe. hoffnungslos bisher … aber nun … eine kultivierte, charmante michelle.“

„traum aller schwiegermütter …“

konrad wird ernst. „meine mutter hat mich am meisten erstaunt. wie hast du sie nur so schnell aus der reserve gelockt? zuletzt habt ihr sogar die köpfe zusammengesteckt. es sah aus, wie wenn zwei freundinnen geheimnisse austauschen.“

„und du wüsstest nun zu gern, welche?“

„es ging wohl um mich …“

„aber sicher.“

„und?“

„du hast richtig bemerkt: geheimnis …“

„soll ich dir mein geheimnis verraten?“

michelle wirft einen blick auf ihre uhr. „nur wenn es nicht länger als zwei minuten dauert.“

„michelle, ich bin hin und weg von dir. du stehst zwar reisefertig da … aber ich weiss nur eins: dass ich dich nicht gehen lassen will. nie mehr.“

„konrad … lass die grossen gefühle. es war schön. besonders … das gebe ich zu. aber es ist vorbei.“

„du … noch nie hat mich eine frau derart mit haut und haaren angezogen. ich möchte mehr von dir. alles …“

„ich muss wirklich los.“

„warum zeigst du mir die kalte schulter? das nehm‘ ich dir nicht ab.“

„du bist wunderbar, konrad …“

schon gleitet ein lächeln über sein gesicht.

„… wunderbar ahnungslos. lass mich jetzt bitte hinaus.“ sie schiebt ihn sanft beiseite und öffnet die tür.

„aber, michelle …“

auf der schwelle wendet sie sich um: „ich heisse nicht michelle. ich heisse regula.“

„regula? … was wird hier gespielt?“

„willst du es wirklich wissen?“

„ja …“

„begleitservice … engagieren sie eine studentin für ein wochenende. all inclusive.“

„du? … aber … wer hat dich denn …?

„ein indirektes geschenk für deinen vater zum geburtstag. deine mutter fand, du solltest in begleitung kommen.“

konrad sackt in sich zusammen und lehnt sich rückwärts an den türrahmen. „so steht das also …“

die junge frau bewegt sich auf den lift zu, zögert, dreht sich um und blickt ihn stumm an.

konrad macht einen schritt auf sie zu. die lifttür öffnet sich.

sie tritt ein und bevor die schiebetür zugleitet, sagt sie noch: „ich heisse regula, regula venetz.“

 

© marianne vogel kopp

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literaturpreis 2013

literaturpreis 2013 elke-engelhardt

der isla volante literaturpreis 2013 geht an elke engelhardt.

elke engelhardt erhält den preis für ihre texte zum meer.

meer / literaturpreis

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literaturpreis 2012

skizze

der isla volante literaturpreis 2012 geht an
dong (hans-jürgen hilbig)

text zum literaturpreis / literaturpreis

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literaturpreis 2011

darja stocker

der isla volante literaturpreis 2011 geht an darja stocker

micha

von daria stocker

Ich bin tot oder blind. Sand klebt am Fenster und verdeckt mir die Sicht auf das Meer, den Hafen. Der Sturm ist also bis ans Ende der Wüste gekommen. Wie ich hierher komme, wo die andern sind?

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text:

literaturpreis 2010

hartmut abendschein

der isla volante literaturpreis 2010
geht an hartmut abendschein

die träume meiner frau

von hartmut abendschein

Sign: C_V/P3-2.089, (descriptor=Punkt, Komma, Strich)

Meine biometrischen Daten? Immer der Reihe nach: hier haben sie zwei Augen, ein halbes und ein ganzes, einen vorlauten Mund, eine schiefe Nase und ein Paar Ohren mit etwas Käse darin. Gerade hat man mir die Haare geschnitten, das dürfte ihre langweilige Zahlenkolonne irritieren. Hinterm Komma. Und mich abzulichten, war kein leichtes Unternehmen. Unschöne Dinge sind passiert: das Blitzen und Donnern, danach ein warmer Westwind in Photocolor bis hinein in die Ecken. Dort wurde ein Abzug bis zur Entsprechungslosigkeit beschnitten. Abgerundet, sagt man. Nur das Spiegelbild schaffen sie nicht, und auch nicht das Gegenüber der Welt. Man könnte sie also genauso gut erwürfeln: die Zahlen, die sie suchen.

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literaturpreis 2009

sunil mann

der isla-volante-literaturpreis 2009 geht ansunil mann

leonie

von sunil mann

Der schwarze Cherokee schoss von links auf sie zu, die fünfundvierzigste herunter, die leicht abfallend von der Central Station zum UNO Gebäude führte.

Ein heisser Tag, New York glühte unter der Junisonne. Die wenigen Leute, die sich zur Mittagszeit hinaus wagten, drückten sich den schattigen Wänden entlang. Verharrten kurz unter den grünen Markisen der Quartierläden, schnappten nach Luft und wischten sich den Schweiss von Hals und Nacken. Kauften schnell ein und verschwanden dann gespenstergleich wieder in ihren eisgekühlten Bürogebäuden. Windstille, der Asphalt schwitzte Teertropfen, die Luft roch staubig, nach verwesenden Abfällen. Stille überhaupt, die Gegend wie ausgestorben, nur aus der Ferne war der Verkehr der Fifth Avenue zu hören.

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text:

literaturpreis 2008

der isla volante literaturpreis 2008 geht an sudabeh mohafez

unmöglich

sudabeh mohafez

es ist natürlich vollkommen unmöglich über den mond zu schreiben der mond gehört den vampiren den fledermäusen den dieben und der angst außerdem gehört er den entflammten den getrennten den reisenden den schwülstigen und einigen sehr schönen volksliedern und wegen all diesem gehören des mondes ist es natürlich vollkommen unmöglich über den mond zu schreiben denn wegen all dieses gehörens des mondes gibt es natürlich überhaupt nichts mehr über den mond zu sagen das nicht ein diebstahl wäre was aber vollkommen unmöglich ist denn der mond ist vollkommen unstehlbar weswegen auch alles was über ihn zu sagen ist vollkommen unstehlbar ist. und ganz und gar genau so verhält sich all das auch mit der liebe.

sudabeh mohafez eukapi
© sudabeh mohafez

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literaturpreis 2007

der isla-volante-literaturpreis 2007 geht an markus a hediger

Irgendwo zwischen Alpha und Omega

von markus a. hediger

Schon wieder?

Tja.
Wieder, wieder ein Text, der dasselbe abhandelt. Abkanzelt. Durchdekliniert. Es gibt – bedenke! – nur eine beschränkte Anzahl von Deklinationsformen und du hast sie bereits alle durch, deshalb frage ich ja: Schon wieder?
Tja…
Ist das alles? Das ist dürftig, mein Freund.
Von Wort zu Wort hangelt man sich durch das Wörterbuch, bringt es durcheinander, macht Sätze draus, setzt einen Punkt, dahinter es weitergeht. Wenn man Glück hat, wird daraus eine Enzyklopädie.
Geschichten wären mir lieber.

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