Isla Volante

Logbuch der Insel von Rittiner & Gomez

Meerleser Nr. 30

Mann Meer

Phantasierte er? Dem alten Mann war, als wendete das blassblaue Wesen aus dem Meer ihn behutsam auf den Rücken, wüsche sein fahles, bärtiges Gesicht. Bliese es an, dass es abkühle. Zugleich senkte sich der Blick der unergründlich meergrünen Augen in seine Brust. Das Licht der Sonne wärmte.

Text: Ludwig Janssen

Meerleser Nr. 29

Mann Meer

„… Ein kleiner Fisch kam aus Norden aufs Boot zu geschwommen. Es war eine Flunder, und sie schwamm dicht unter der Oberfläche. Der alte Mann konnte sehen, dass sie sehr müde war …“
„… Es waren die kleinen Vögel, die die Großmutter Fische nannte, denn sonst hätten es die Kinder nicht verstehen können, da sie nie einen Vogel gesehen hatten. …“

Text: Ludwig Janssen

Meerleser Nr. 28

Mann Meer

Der Blick aus dem Fenster erinnert dich an die Welt dort draußen. Bist am Ende des Ganges angelangt. Im Altenheim nebenan stellt man das Fenster auf Kipp, wenn eine Geschichte zu Ende erzählt ist. Luft! Du öffnest das Fenster einen Spalt weit. Das Lied einer Amsel weht hinein.

Text: Ludwig Janssen

Meerleser Nr. 27

Mann Meer

Der alte Mann schloss die Augen und nickte.

„Bin ich … jetzt … auch … Dünung?“

„Du bist.“

„Irgendwo. Fern jenem Ort, an dem der Sturm mich auftürmte, zum Himmel trug und in die Tiefe schleuderte, mich zerriss zu stiebender Gischt. Eine am offenen Fenster zu Ende erzählte Geschichte.“

Text: Ludwig Janssen

Meerleser Nr. 26

Mann Meer

„… Ein kleiner Vogel kam aus Norden aufs Boot zugeflogen. Es war eine Grasmücke, und sie flog dicht über dem Wasser. Der alte Mann konnte sehen, dass sie sehr müde war …“

Aus ebenso müden Augen wandte der Mann sich dem blauen Wesen zu:
„Du liest mir vor, mir?“

„Gefällt es dir?“

Text: Ludwig Janssen

Meerleser Nr. 25

Mann Meer

Er erinnerte. Den Baum, den er fällte. Das Lied der Amsel, das verstummte.

„… und selbst der Tod horchte und sagte: „Fahre fort, kleine Nachtigall! fahre fort!“ […] Da bekam der Tod Sehnsucht nach seinem Garten und schwebte, wie ein kalter, weißer Nebel, aus dem Fenster …“

Text: Ludwig Janssen