auf haut oder seele

dem himmel so nah

Himmel, mit Ecken
zum Verstecken, nur
was? Unter den Wolken
ein paar Kratzer auf
Haut oder Seele
oder ganz und gar
wolkenlose Gedanken
mit Wolken an
einem Himmel
mit Ecken

text:

die zukunft

zukunft

als nächstes winken wir
wir winken weil wir das wollen
weil wir das können

wir winken den kontolosen
die sich immer
in die falschen verlieben

wir winken den schneemann
vom letzten jahr
der in die zukunft schaut
als könnte er brennen

wir wundern uns
denn wir winken auch diesem land
es existiert nicht mehr

es brannten augen aus
es brannte der tod eine nacht
aus der die nationalen ein fest machten

wir denken: das ist die zukunft der nationalen
sie sagen sie retten was und bringen es doch um

text:

die worte taugen nichts

graphic novel von katharina vasces und dem kobboi - traum

kobboi schreibt in den espresso
es ist der sand, nicht das meer
das meer ist keinen cent wert
aber der sand
er löffelt die sätze aus dem espresso
am hafen treiben sich matrosen herum
sie tauchen ihre nasen in flaschenbier
sie suchen ihre augen darin
dann lachen sie und denken
es ist der sand der uns trunken macht
es sind nicht die worte
die worte taugen nichts
sie haben nie etwas getaugt
schließlich wird es still
der espresso ist ausgetrunken
der kobboi weiß nicht ob er nachhause gehen soll
sein zuhause da draußen im sand

text:

notizen

fixpoetry

die bildermacher mit alke stachler auf fixpoety

poetryletter nr. 329 von alke stachler und rittiner & gomez

text:

augenblicke

meer - küstenlinie

für ein paar augenblicke meer
für ein paar augenblicke insel
für ein paar augenblicke

text:

zeit

zeit time temps tiempo tempo

das ist doch jetzt ein „very dejà vu“, die insulanerinnen sind voller freude und gespannt, wie es weiter geht.
spiel uns irgend jemand einen bösen steich? ist das universum aus dem fugen? gibt es uns überhaupt? gab es uns jemals? haben wir noch zeit?

von ludwig jannsen

ja, könnte man so sagen …

bin unter sie geraten, sie
ziehen wie wolken über einen
himmel endloser zeitschafe
hin finde ich mich laufen
mit ausgebreiteten armen
bin ich eines von ihnen
oder ist es nur ein fell
das um mich schlackert
schlaf, der ich bin, tief
in mir weiß ich himmelblaues
warten auf weißes träumen

text:

der tote junge am meer

teil 28 von 30 der serie: milla cremeso

milla cremeso - bild zu text von ludwig jannsen

‚und der junge am meer?‘

„er ertrank, milla, vor der küste, an der du seinen leichnam fandest.“

‚auch ihn hättest du zu dir rufen können, dass er über das wasser laufen und zu einem eigenen universum werden kann. zu einem universum, das sich aus der kraft seiner gedanken schöpft. er müsste nicht tot daliegen, einem erbärmlichen ende preisgegeben.‘

„wer, milla, sagt, wer, milla, weiß, dass es so ist?“

‚ich habe ihn dort liegen sehen …‘

„zu ende gedacht?“

‚zu ende gedacht? er war … tot!‘

„milla …“

milla cremeso fühlte einen seufzer ihre gegenwart durchströmen. ihr fröstelte. der kosmos, der sie erfüllt und den sie, milla, aus- und erfüllte, schimmerte weit und verloren vor sich hin. so weit er auch sein mochte, eine antwort auf ihre frage, was tariks „zu ende gedacht?“ andeutete, fand sich nicht in ihm.

„es ist wie mit deinen torten, milla.“

milla fragte sich, was eine ihrer torten mit einem ertrunkenen jungen zu tun haben sollte. oder damit, dass sie, milla, sich hier wiederfand, als ein sich selbst aus der kraft ihrer gedanken schöpfendes universum. noch dazu geborgen in der gegenwart eines ihr gewogen gestimmten gegenübers, das sie zu sich gerufen hatte und zu dem hatte werden lassen, was sie jetzt ausmachte.
„kraft eines gedankens hast du in dir sterne entstehen lassen, milla. schau sie dir an. was soll als nächstes geschehen?“

jede ihrer torten, erkannte milla, war einem kleinen universum vergleichbar, das sie aus ihrer vorstellungskraft und ihrem geschick hatte entstehen lassen. alles an ihr, auch der zauber, den man ihren torten nachsagte, entsprach ihrer gedankenwelt und brachte zum ausdruck, wie sie das liebende paar und dessen geschichte gesehen hatte. war ganz. so wie auch ihre wirkung auf das brautpaar und dessen die torte verzehrende gesellschaft ganz war. für einen augenblick, nur einen augenblick lang: ganz. zugleich jedoch war jede torte, einmal ausgehändigt, zu ende gedacht. milla hatte keinen einfluss mehr auf sie. mehr noch – kaum angeschnitten, kaum, dass der erste bissen gegessen war, so war auch ein ende mit der gedankenwelt, war ein ende mit dem, was als ganzes der torte an geschichte, an zauber innegewohnt hatte. es blieb: stückwerk. stückwerk, das auf den gaumen der es verzehrenden verging. aller nachträglicher lobpreis dem rauschen vergleichbar, das milla den raum durchsieben spürte, der milla erfüllte und in dem sterne leuchteten, die sie kraft eines einzigen ihrer gedanken erschaffen hatte. nachklang des berstens, mit dem sie vergangen und aus dem der raum entstanden war.

‚und? der junge? ist er eine deiner … torten? ist er zu ende gedacht?‘

seufzen.

„er ist. ist noch in mir.“

‚so wie ich?‘

„so wie auch du, milla.“

milla spürte sich von einem lächeln umgeben. doch verspürte sie auch eine tiefe traurigkeit, die diesem lächeln innewohnte.

‚so bin auch ich, wie der junge, ein gedanke in dir, nicht zu ende gedacht?‘

„da ich ewig bin, milla, ewig und überall, ist – anders als deine torten – keiner meiner schöpfenden gedanken zu ende gedacht.“

text:

zeit

zeit time temps tiempo tempo

wie doch die zeit vergeht, oder auch nicht. wie doch die zeit vergeht, oder auch nicht. doch die zeit vergeht, oder auch nicht. die zeit vergeht, oder auch nicht. oder auch nicht.
auch nicht. nicht.

von ludwig jannsen

hat der frachter weg
strecke zurück gelegt
auf dem meer
für schlechte zeiten
hat er zeit verbracht
auf dem meer
hat er zeit verfrachtet
über das meer
wir wissen es nicht
mehr als dass zeit
verstrich über allem
strich um strich das
wasser wich aus
himmel, meer und insel
leuchtturm, frachter
auch dem pinsel, der
schon trocken, kann
man keine zeit entlocken
doch weiß ich, wenn ich
schreib, betrachte, meine
zeit mit dem befrachte
was himmel meer und leuchtturm bleibt
durchströmt die zeit den raum und
mich,lässt eine spur, doch bleibt sie nicht

text:

sichel-ich

mäandern

meine gedichte sind krumm
auch wenn ich akkurat
buchstaben setze

so werden sie nicht wie öl
ins denken rinnen
dürfen sich winden

mäandern am ufer
des tages
und mondsichel sein

text:

meer sand land

meer

die anderen erkunden die tiefe,
finden den grund. die wieder anderen
suchen worte auf den kämmen hoher berge.
gischt spritzt bis zu mir.

ich fasse angeschwemmtes
von flach auslaufenden wellen
und vom sand. das ist mein talent,
das dazu beiträgt, nichts zu vergeuden.

text: