Isla Volante

Logbuch der Insel von Rittiner & Gomez

Dem Meer zuhören

Meer Ludwig Janssen

Dem Meer zuhören, wenn
du einatmest, wenn du
ausatmest, das Meer in
dir zu hören, sei leise,
achtsam: Schon fliegt
eine Möwe über deinem
Atmen legen ihre Flügel
sich auf den Wind: Ein
und aus was sind das
Leben, das Meer, der
Flug einer Möwe der
Wind dazu vielleicht
fliegst ja du

Text: Ludwig Janssen

Ludwig Janssen

Danke schön!

Wieder einmal eine wunderschöne, inspirierende Illustration, in die hinein sich der Text schmiegen kann und in der er sich aufgehoben (an)fühlt.

Insbesondere in der Zeit nach Corona ist es (mir) etwas Besonderes, auf das Atmen zu achten und das Geräusch ähnelt dem Anlanden und Zurückweichen des Wellenschlags. Hältst du es eine Weile durch, steigt die Sauerstoffsättigung des Blutes und, ein wenig naturstoned, steigt etwas von der Leichtigkeit des Vogelflugs in (tatsächlich, wenn auch nur leicht) schwindelnde Höhen.

Lese ich mich durch die Bilder dieser fliegenden Insel hier, steigt ab und an ein tiefer Atemzug in mir auf, mit unseren und eigenen Geschichten füllt er meine Lungenflügel und das Leben in mir breitet die seinen aus und legt sich in/auf den Atemzug hinaus – und strömt wieder hinein ins Denken.

Achtsames Atmen ist mir in solchen Augenblicken der Weg ans Meer und der Flug des Lebens in mir über die Ahnung des doch (eigentlich schon jetzt und nicht eines fernen Tages) unausweichlichen Todes hinweg.

Ein und aus – dazwischen dieses Gedicht, inspiriert durch das Betrachten eines deiner Bilder – vielleicht wird es zum Einatmen, zur Inspiration eines uns fremden Geistes und somit für den Augenblick unsterblich.

16. Juli 2021 - 12:08

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