eine mauer wie die in berlin

milla cremeso - bild zu text von ludwig jannsen

„bist du ein flüchtlingskind?“

„ein kind bin ich schon. aber … was ist ein flüchtling?“

„nun, du bist fort aus syrien und hierher geflohen.“

milla fand sich unverhofft in einer situation wieder, die ihr nicht behagte. konfrontiert mit dem halbwissen, das ihr über die medien vermittelt worden war und nun, da sie einem kind erläutern wollte, was ein flüchtlingskind ist, so gar nichts hergab. vom bürgerkrieg in syrien wollte sie nicht sprechen. war sich unsicher, mochte nicht unverhofft ein verschüttetes trauma wachrufen, dessen weder sie noch das kind herr werden konnten.
„großvater sagte, wir würden auf eine reise gehen. vater setzte mich auf einen esel und dann ging es über die grenze in die türkei …“

„deine mutter?“

„auch. jetzt kann niemand mehr über die grenze.“

„nein?“

„sie haben eine mauer gebaut, sagt vater. so wie die deutschen eine hatten, mitten in berlin. dort wird auf menschen geschossen. auf jeden, der jetzt noch über die grenze möchte.“

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text:

sascha

und immer werden wieder neue gebaut.

28. August 2017 - 09:59

Ulli

Mauern und Zäune, das ist auch so ein Menschheitswahn!

28. August 2017 - 10:38

rittiner & gomez

@reto und @ulli: dabei wäre der beweis der nutzlosigkeit schon läängst erbracht.

28. August 2017 - 11:35

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