literaturpreis 2010

hartmut abendschein

der isla volante literaturpreis 2010
geht an hartmut abendschein

die träume meiner frau

von hartmut abendschein

Sign: C_V/P3-2.089, (descriptor=Punkt, Komma, Strich)

Meine biometrischen Daten? Immer der Reihe nach: hier haben sie zwei Augen, ein halbes und ein ganzes, einen vorlauten Mund, eine schiefe Nase und ein Paar Ohren mit etwas Käse darin. Gerade hat man mir die Haare geschnitten, das dürfte ihre langweilige Zahlenkolonne irritieren. Hinterm Komma. Und mich abzulichten, war kein leichtes Unternehmen. Unschöne Dinge sind passiert: das Blitzen und Donnern, danach ein warmer Westwind in Photocolor bis hinein in die Ecken. Dort wurde ein Abzug bis zur Entsprechungslosigkeit beschnitten. Abgerundet, sagt man. Nur das Spiegelbild schaffen sie nicht, und auch nicht das Gegenüber der Welt. Man könnte sie also genauso gut erwürfeln: die Zahlen, die sie suchen.

Sign: E_IV/S3a-2.088, (descriptor=Wellen & Wollen)

Der Thermalbadrassist ist auch ein Düsenbesetzer. Recht und Ordnung hören jenseits seines Körpers auf, wie man sieht, wenn der Dunst sich legt, denn da beginnt der einer jungen Afrikanerin, und die Frage: wie diese angeschlichen wurde, und: wo seine Finger sind, unter Wasser, im Sog leicht geschwefelter Strudel. Unter der Bademütze blitzt eine Glatze hervor und blickgewordene Missgunst sucht sich an den Kacheln entlang ein kleines Japanerkindchen, das nicht einmal weint. Das frisst er gierig kopfabwärts, vor den Augen der Eltern.

Thermalbadrassismus ist kein Kavaliersdelikt. Fremde, dunkle Körper werden bis zur Käuflichkeit bestarrt und angenähert, doch die Grenzen ziehen weiter gegen Osten.

Sign: D_I/S3-1.085, (descriptor=Mobbing)

Der Chef der kleinen Ich-Gesellschaft hat sich selbst gekündigt. Man fand ihn in enger Umschlingung der Tastatur seines Chefcomputers und vor ihm das Flimmern zweier Kündigungsschreiben. Besser gesagt: zweier Schreibversuche einer Kündigung.

Man will hier nicht die Wortlaute wiedergeben, aber man ist überzeugt, dass die Kündigungsschreiben daran scheiterten, weil er sich nicht entschliessen konnte, ob er nun sich, dem Betrieb, kündigen sollte, oder sich, dem Angestellten. Erst aufgrund dieser Unentschiedenheit, so munkelt man, hatte er Hand an sich gelegt.

Die Träume meiner Frau. athena verlag

abendschein etk edition taberna kritika litblogs spatien
©hartmut abendschein

text:

eukapirates

herzlichen glückwunsch!!

15. Februar 2010 - 10:59

punk.t

ja, gratuliere! volantiger text!

15. Februar 2010 - 11:53

Grau, Herr

Ich habe gehört, Herr Abendschein habe sich keinen Preis so sehnlichst gewünscht wie diesen. Gratulationen aus Bruanien!

15. Februar 2010 - 12:01

reto

herzliche gratulation!

15. Februar 2010 - 14:53

edelbert w. bregy

herzliche gratulation!
e.w. bregy

15. Februar 2010 - 17:31

hab

sehr herzlichen dank, allen …

15. Februar 2010 - 17:32

Sammelmappe

Herzlichen Glückwunsch!
Und so ein wunderschönes Bild zur Gratulation!

15. Februar 2010 - 20:12

czz

gut „getroffen“ : als portrait wie als preis !
die nächste stufe wäre wohl , einen preistäger ( m | f ) zum meeres- schreiber zu berufen …

16. Februar 2010 - 05:24

rittiner & gomez

@czz: wir suchen immer meeresschreiberinnen!

16. Februar 2010 - 07:36

monoblog

fast wie ein sujet für die neuen geldnoten 😉

18. Februar 2010 - 16:53

rittiner & gomez

@monoblog: ja dann beginnen wir gleich mit drucken.

18. Februar 2010 - 18:33

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