maria und josef

skizze zeichnung sequenz
es war eine lange reise

damals gab es nur solche
deshalb gingen die leute auch nicht weg
sie reisten nicht
sie hingen lieber alleine rum und
das war das ende der menschheit
auf wiedersehen!

moment
das war ein wenig geflunkert
die leute gingen schon aus
doch kurios
sie nahmen die türe mit
maria und josef hatten keine
das durfte eigentlich nicht sein
denn josef war praktisch eine türe
maria sagte wenn sie in stimmung war gerne du türe zu ihm
dann geschah es
es geschah aus heiterem himmel
sie bekam ein kind
einen sohn
jesus hiess er und der war nicht von josef
denn josef hatte keine türe
ohne türe kann man keine kinder machen

maria und josef hatten einen esel
jesus hatte ihn gerne
er fütterte ihn mit zimstangen und sagte
esel zu ihm
da lächelte der esel wie ein krokodil
da erschrak jesus und versteckte sich hinter einer türe
aber das war später

später hatte jeder türen
das war langweilig
das war ein paar jahre danach
reden wir nicht darüber

reden wir uns ein das meer könnte reden und
es würde nachts zu maria sprechen

maria nenn das kind doch meer das ist lustig
maria sagte nein, ich nenne es nicht meer
ich kann es gar nicht meer nennen
das meer ist etwas einmaliges
das ist ein mensch auch
natürlich
aber das meer
weißt du dass ich nachts immerzu von dir träume
ich laufe so rum und schon bist du da
meine augen leuchten und meine hände wollen dich berühren

das sah das meer ein und es träumte von maria
wie sie mit den händen über das meer strich
das fühlte sich so lustig an
das machte dass sich das meer kratzen musste vor lauter lustigsein

am nächsten morgen verliessen alle drei das meer
sie wussten nicht dass man das meer nicht verlassen konnte
man kann einen abschiedsbrief verlassen
eine stillgelegte eisenbahnstrecke
man kann ein gedicht verlassen
man kann alle orte verlassen
aber das meer doch nicht

text:

reto

die insel überrascht mich immer wieder auf’s neue. grossartig.

17. November 2013 - 17:23

Helmut Kaiser

Die Gedanken über die Türen … subtil
Ich bin gerade beim Thema Türen im Advent und werde über eine Welt ohne Türen nachdenken … die es bei uns nicht mehr gibt. Unsere Gesellschaft besteht aus Türen … was heisst das?

18. November 2013 - 08:37

rittiner & gomez

@helmut kaiser: wie wahr, aber bei uns immer wilkommen.

18. November 2013 - 10:19

punk.t

nein, man kann kein gedicht verlassen. sowieso nicht dieses.

18. November 2013 - 21:39

Frau Blau

zu viele Türen, zu viele geschlossen, andere fallen aus Rahmen, sie sind schon mutiger!

ein großartiger Text! danke dafür und herzliche Grüße
Ulli

19. November 2013 - 10:56

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