sie sind noch da

graphic novel von katharina vasces und dem kobboi - in bester gesellschaft

endlich haben wir logbuchschreiber wieder mal zeit, bei frau katharina vasces und dem kobboi vorbei zu schauen.
es wurde ein wunderschönes zusammen sein bis tief in die nacht, ein kommen und gehen.
vögel sprangen herum, eine miss stiess auf unser wohl an, herr entrometido hatte für einmal, nur eine kleine mappe dabei, der kuchen von katharina wurde geentert, auch hans und jürgen fanden zu glück kein ende, ratur lites hörte gespannt zu, elsa war mit ihren gedanken ganz weit weit weg und herr tourtemagne kam wie immer zu spät, da er sich bei adad verlaufen hat.

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über das warten

tarik - bild zu text von ludwig jannsen

am nächsten morgen in aller frühe machte milla sich an die anstehenden arbeiten. doch während der alltäglichen routine ging ihr durch den sinn, wie wohl die torte für tarik beschaffen sein sollte. bereits am frühen nachmittag spähte sie zur hintertür hinaus, ob sein lockenkopf schon über den zaun lugte. keine spur weit und breit.

auch am späten nachmittag, milla saß wieder auf den stufen zum garten, blieb der erwartete besuch aus.

die sonne ging unter – nichts.

auch der nächste tag verlief so, die woche. milla überlegte, ob sie zu den unterkünften gehen und nach tarik fragen sollte. verwarf diesen gedanken, vertiefte sich in die arbeit. wenn man wartet, auf etwas wartet, auf das man sich freut, wächst das warten zunächst mit freude, rankt sich mit ungeduld ins denken und erblüht dann in zweifeln. so wartete milla auf tarik. wenn man wartet, auf etwas wartet, das unangenehm ist, wächst das warten zunächst mit bangen, rankt sich mit unruhe ins denken und erblüht dann in hoffnung. so, ging es milla durch den sinn, hatte sie auf ihren mann gewartet, auf seine liebe, zuwendung, dann auf seine gegenwart und letztendlich gehofft auf eine nüchterne, rasche trennung, das ende der ehe. das dann auch kam. heute war sie froh darum. musste sie doch nicht ihre lebenszeit mit einem menschen verbringen, der sie nicht liebte und ihr lieben, das sie ihm ausbreitete wie einen mantel, schon bald unbeachtet ließ und später als lästig abtat.

die torte, die sie zu ihrer eigenen hochzeit angefertigt hatte, dämmerte es milla, hatte sie nicht anders gestaltet als die torten, die sie für ihr fremde menschen anhand deren schilderungen gefertigt hatte. und doch war etwas anders gewesen. er war kein mann gewesen, der seine liebe zu seiner zukünftigen frau zu beschreiben versucht hätte. milla selbst hatte diesen part übernommen wie auch den eigenen und so zwar eine köstliche torte geschaffen, die von den hochzeitsgästen hoch gelobt worden war, doch blieb die hälfte der torte projektion und wurde weder ihrem bräutigam gerecht noch dessen ihr mittlerweile fremden fähigkeit zu lieben, sie, milla, zu lieben.

eine weitere woche verging, ohne dass tarik sich bei ihr blicken ließ. der sommer stieg und reifte. millas geschäft florierte, und ihre abende verbrachte sie nur noch gelegentlich hinterm haus auf den stufen zum garten.

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weitweg

aquarelle watercolor blue

weggespühlt, vergehen, verwässern, weitweg, vorbei


on some faraway beach: von brian eno
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ein versprechen

milla cremeso - bild zu text von ludwig jannsen

tarik beugte sich zu ihr hinab. ihre nasenspitzen schienen einander zu berühren.

„solch eine torte möchte ich gerne probieren!“

„du kannst gerne wieder einmal vorbeischauen, tarik, und vielleicht …“
milla cremeso dachte angestrengt nach,
„… bekomme ich bald wieder eine bestellung herein. oder …“
wieder schien millas blick auf ein entferntes ereignis gerichtet,
„ … ich mache eine torte nur für dich, tarik!“

„die von bürgerkrieg erzählt, flucht und der notunterkunft hier?“

„nein, tarik. von den gärten damaskus‘ soll sie erzählen. von den pflaumenbäumen deines großvaters und seinen geschichten, wie wäre das?“

tariks augen leuchteten.

„ja!“

und so besiegelten die beiden ihre neu gefundene freundschaft mit einem handschlag zum abschied. noch lange sah milla dem kleinen tarik nach, wie er im licht der abendsonne die straße hinab hüpfte. aus dem dorf hinaus geradewegs der unterkunft zu, die man auf der grünen wiese für eine handvoll flüchtlinge aufgestellt hatte, die der gemeinde zugewiesen worden waren.

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torte getanzt

milla cremeso - bild zu text von ludwig jannsen

tarik saß auf einem stuhl, den er sich in die mitte des verkaufsraums gerückt hatte, schlenkerte mit den beinen und lauschte millas geschichte ihrer hochzeitstorten. wie sie, bevor sie sich überhaupt ans werk begab, sich bis ins detail vom kennen- und liebenlernens des zukünftigen brautpaares erzählen ließ. wie daraufhin in ihrer vorstellung ein bild reifte, das anschließend unter ihren geschickten und versierten händen zu form und ausdruck fand. zu einer hochzeitstorte, deren aussehen, duft und geschmack das brautpaar und dessen liebe nicht nur nacherzählte, sondern das lieben des mannes und das der frau aufeinander zu führte und dann auf den zungen der sie verzehrenden vereinte. milla geriet ins schwärmen. erzählte ihre geschichte mit händen und füßen, wobei die einen in fließender bewegung zueinander fanden, um dann in weichem zirkeln sich zu lösen und in großzügig beschriebenen spiralen auseinander zu streben, während die anderen einen leidenschaftlichen tanz um eine imaginär entstehende hochzeitstorte zu vollführen schienen.

„fertig!“

mit einem fingerschnippen und leuchtenden auges schloss milla cremeso ihre geschichte. beinahe, aber auch nur beinahe, und, als habe sie es angedeutet, wäre sie aus dem gleichgewicht geraten. ein wenig außer atem geraten ließ sie sich neben tariks stuhl nieder, stützte sich nach hinten auf ihre arme und legte den kopf in den nacken:

„sie lieben es!“

dabei breitete sie ihre arme aus – und dehnte das i von lieben über die maßen, dass es sich blähte wie das segel eines bootes, das mit den möwen über den see flog.

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la mer

le long des golfes clairs

heute nur ein mann, ein meer.


la mer von charles trenet

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am meer

meer

das meer steigt
das meer unterspühlt
das meer rauscht

2 minuten nichts tun.

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gerüchte

aquarell meer zu hush

aus dem radio im bistro ertönt noch immer musik und irgend etwas in der luft liegt.


deep purple – hush

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konfekt und torten

ludwig-janssen

„du hast ein schönes haus!“

„danke schön! es ist auch mein arbeitsplatz.“

„was arbeitest du – backst du pflaumenkuchen?“

milla lachte. führte tarik in ihre backstube und erzählte, was es in ihrer pâtisserie alles zu kaufen gab. dass sie all die köstlichkeiten höchstselbst anfertige und wie die kunden bei ihr schlange standen. von der schlanken dame, die mit abgespreiztem kleinen finger vor dem konfekt stand und eine praline nach der anderem zu kandierten früchten und fondants wählte bis zum pummeligen metzger, dem ihr schokoladenkuchen lieber war als jede leberwurst. der junge stand staunend da, von der vielfalt der köstlichen düfte und dem anblick all der leckerbissen überwältigt, mit offenem mund. aufmunternd zwinkernd schob milla die eine oder andere köstlichkeit hinein.

„und torten!“

tarik traute sich kaum an die gläsernen verkaufsvitrinen heran, unter denen mit leisem surren die kühlaggregate auf vollen touren liefen.

milla dachte bei sich, dass ihre pâtisserie dem jungen wie ein traum erscheinen müsse. ein schlaraffenland. und in der tat hatte sie den ausdruck, der jetzt in tariks augen lag, bereits oft in den augen solcher kunden gesehen, die ihren laden hungrig betraten.

„torten!“

tarik kam aus dem staunen nicht mehr heraus. milla erzählte ihrem gast von den hochzeitstorten und der legende, die sich um sie und ihre verführungskünste rankten.

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Erinnerungen

meer

irgendwie wie beim ersten mal und doch fühlt es sich anders an.
wind wasser wellen wetter wogen wie immer über die insel.

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