ratur am meer

ratur aquarell

ratur gelangte ans meer. das wiegte sich auf der einen seite dem horizont entgegen – und auf der anderen, gerade dort, wo raturs zehenspitzen verweilten, rollte es schneckenhäuschen den sand hinauf, nahm sie in britzelndem schäumen wieder mit, aus dem sie sich verloren und liegen blieben. um sie sogleich mit dem nächsten anlanden wieder leise klirrend den strand hinauf zu rollen.
ratur schloss die augen, lauschte und grub seine zehen in den sand.

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ratur mit geschlossenen augen

ratur sequenzen aus dem alltag

dass ratur mit geschlossenen augen … dass er stand … eigentlich tat es nichts zur sache.
einen seiner sinne hatte er aus dem spiel genommen, dem zusammenspiel, der … harmonie, ging es im durch den sinn. derweil sein sinnen sich in die vorübergehende geborgenheit einer sich neu findenden balance fügte – mit ratur lites haltlosem lauschen im immer wieder anlandenden wellenschlag zu seinen füßen.

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ratur sieht meer

ratur aquarell

ratur sah, sah bilder, bilder vom meer, dem meer hinter seinen lidern. sein sehen, um gefällige beachtung heischend, warf sich ins erkennen, tauchte ab ins erinnern und tauchte auf, an der rückseite des mondes, luft zu holen. als ob es, einmal dem dunkel hinter geschlossenen lidern ergeben, nie wieder auftauchen könnte, projizierte es bilder eines meeres, das sich aus seinen verbliebenen sinnen neu schöpfte. der mit jeder anlandenden welle wechsel von nässe und kühle auf seinem fußrücken, der sacht nachgebende halt des sandes unter den fußsohlen, der ruf einer möwe, die salzige luft, der wind in seinem haar.

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mal ist es weit, mal ist es fern

ratur aquarell

noch immer stand ratur am strand, die augen geschlossen. hatte den kopf gesenkt, versunken in den gedanken, dass eines fehlte, jetzt, wo er dem meer lauschte und den projektionen nachsann, die sein sehen auf die innenseite seiner lider warf: die weite. sein meer, nicht das meer, wurde ihm bewusst, beschränkte sich auf das kleine zerbrechliche erleben ratur lites, verloren mit dem augenblick, da er die augen wieder öffnen würde. schon wäre es fern, sein meer, und das meer vor ihm wäre weit wie gewohnt und gewohnt weit. weit und breit gewohntes.

bewohntes, ging es ihm durch den sinn.

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bewohntes gewohntes

ratur aquarell comic

dort ist das meer und hier ist der sand, dort eine wolke und drüben wird land … sein, eine insel, das sind wellen und dort fliegt ein vogel, möwe, mööö-weee. ratur hatte die augen geöffnet. im rücken, das war die insel, das im haar war der wind – sein sehen sog sich voll in gierigen zügen, sein hirn fand zur balance eines gewohntes sehenden, gewohntes, darin sinn wohnte.
sinn, dachte ratur, das ist auch nur so eine art zusammenhalt, wie es ihn zwischen den wellen gibt, dass das meer nicht auseinander fällt in wasser mit fischen darin und meeresgrund mit fischen darüber und schiffswracks darauf, in rauschen und salzige luft.
guten tag!
eine zierliche gestalt schlenderte den wellensaum entlang auf ihn zu. eine frau in den achtzigern …

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frau am meer

ratur aquarell

ratur atmete tief ein.

guten tag!

… atmete er aus und öffnete sich der begegnung mit der fremden. sie war barfuß. eigentlich nichts ungewöhnliches für einen menschen, der strand und wellensaum abschritt, doch für eine frau in den achtzigern … ratur fragte sich, ob ihm je eine frau dieses alters am strand aufgefallen war. nein.
der wind verfing sich in ihrem ergrauten, lockigen haar, legte das mit den jahren erblasste kobaltblaue kleid um ihre zierliche, schlanke gestalt und ließ die weißen punkte darauf tanzen.

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lächeln wie auflandiger wind

ratur tirfft eine frau am meer - aquarell

es kam wie von see her, wie der wind, von irgendwo hinter dem horizont, der aufsteigenden wärme des landes gleich, folgte es raturs lächeln nach. verlieh dem wässrigen blau ihrer augen einen blick, in dem man verweilen mochte. doch noch bevor raturs blick sich aus diesem lächeln löste, verlor der ihre sich in faszinierender haltlosigkeit. noch immer lächelte sie. irgend… ratur war sich nicht sicher, dass es ihm galt. irgend, kam es ratur in den sinn. irgendwo, irgendwohin, irgendwem. irgend, präfix vor indefinitem, wie das meer vor ihm morphologische sinnbildung der blick dieser frau und die leere darin, in der das meer sich spiegelte mit dem himmel darüber.

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zu hause und zuhause

ratur aquarell

ein schöner tag!

ratur eröffnete. sie lächelte. senkte die lider, schlug sie auf und suchte. ja, ihr blick suchte.
tastete raturs gesichtszüge entlang. ob es halt war, den ihr blick dort suchte, die eigene leere zu füllen? mit vertrautem, mit erinnern, mit vermeintlich vernachlässigbarer selbstverständlichkeit. gerade so, wie vor wenigen augenblicken raturs blick von vertrautem und mit sinn bewohntem geflutet worden war, als er seine augen nach einer weile blicklosen lauschens und spürens wieder geöffnet hatte. nicht ein fitzelchen davon in ihren augen.

leben sie hier?

sie lächelte.

wo ist ihr zuhause?

ein schöner tag, ja.

leise kam diese erwiderung, so leise und von irgendwo her ließ sie raturs frage dem wind, der sie mitnahm, mit ihrem lächeln, landeinwärts, wo beide hinter dem deich verschollen gingen.

und: niemand zu hause.

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hilflos

umarmung ratur aquarell

ratur wusste sich nicht zu helfen, sich selbst nicht und daher erst recht nicht ihr. sie war mittlerweile an ihn herangetreten. den kopf in den nacken gelegt betrachtete sie ihn und lehnte sich schließlich an ihn an. reichte ihm bis zur schulter.

hm, seufzte sie, während ihre hand zwischen seiner brust und dem angelegten oberarm hindurch schlüpfte und ihr arm sich auf den seinen legte.

ich …
unwillkürlich richtete ratur sich auf, um sogleich wieder zu entspannen, erwiderte ihren blick, der mit dem halt, den sie an dem seinen gefunden hatte, an eigener selbstverständlichkeit gewonnen zu haben schien, erwiderte ihr lächeln.

schön, dass du da bist!
wen auch immer sie gesucht hatte und nun gefunden zu haben glaubte, ratur fühlte sich auf seltsame weise wohl und blieb. blieb der, der er ihr war, wer auch immer. gerade so, wie auch das meer da war und blieb. mit seinem horizont, daraus schiffe auftauchen und darin verschwinden. wie der auch bleibt, wenn die flut sich dorthin zurückgezogen hat und die menschen sich hinauswagen auf den meeresgrund.

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zwei

ratur aquarell

sollen wir?

ratur setzte sich, den blick aufs meer, in den sand. sie folgte, strich den saum ihres kleides über die knie zu den waden hin glatt, lächelte durch ratur hindurch und hakte sich erneut bei ratur unter, dessen arme seine knie umfasst hielten.
ich heiße ratur.

sie lächelte, legte den kopf an seine schulter. ab und an strich sie eine locke aus der stirn, die der wind dort sogleich wieder hinein warf, ein sich immer neu schöpfendes spiel.

ich heiße ratur!
ihr lächeln, dieser blick.

das meer … wies ratur in die ferne. ihr blick folgte seinem fingerzeig … ist es nicht schön?

sie nickte.
leben sie hier?
ich weiß es nicht.
endlich antwort und doch eine von der art, in der jetzt auch ratur sich verloren fühlte.
verloren und zugleich sich dieser unbekannten verbunden, die sich neben ihn gesetzt und an ihn gelehnt hatte. eine frau, der er ein halt war, welcher ihm selbst unentdeckt blieb.

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