wenn die flut…

teil 46 von 48 der serie: ratur lites

ratur aquarell

ein breiter priel hinderte ratur am fortkommen. hier. hier? warum? warum … nicht? ratur ging in die hocke. weich und kühl der schlick unter seinen füßen, zwischen den zehen. der horizont hatte sich um raturs gestalt gelegt. wo ratur auch hinsah – er schien in jede himmelsrichtung gesucht gleich weit entfernt, schien zum stillstand gekommen. über sich das strahlende blau des himmels setzte ratur sich nieder, ließ sich hintenüber fallen und lauschte dem wind, der über ihn hinwegstrich.

kaum merklich hatte das wasser zu steigen begonnen, kam das meer zurück, leise, ganz leise. umspülte kalt den rücken. für einen moment, nur für einen moment, stockte ratur der atem. eine schar säbelschnäbler floh plüüüiiiit! von seewärts das steigende wasser und ließ sich rings um ratur im flachen wasser nieder, das sie, die schnäbel wie sensen durchs wasser streichend, nach muscheln, würmern und schnecken durchsuchten.

ob es wohl menschen gäbe, die das wesen literarischer gestalten als das ihre annehmen? also, anders als jene, die eine geschichte wie die seine weiterdenken und ihn als literarische gestalt zumindest für eine weile unsterblich machen, eine literarische gestalt – verkörpern? eine besondere form der inkarnation. und er, ratur lite, könne, derart zugelassen und aufgenommen, mensch werden, aus fleisch und blut, sein wesen in einem anderen geborgen – wie eine seele – unauffindbar und doch das ganze durchdringend wie ein ruf, eine noch zu erzählende geschichte. gerade so, wie auch er einem menschen und dann wieder aus vielen heraus entstanden und in die welt entlassen worden war. spiel. windhauch. das wasser stieg.

und stieg. nahm von dem blau seiner hose und dem titanweiß seines hemdes, zog eine sich verlierende spur dem küstensaum zu. raturs äußeres blich aus, zog mit dem wellenschlag und verblasste. das wasser reichte ihm nun bis zu den ohren. ratur lag, den blick im himmelblau, spürte dem spiel der sachte aufrollenden und dann wieder weichenden wellen in seinem haar nach und streckte suchend, michelangelo hätte seine freude daran gehabt, den zeigefinger aus in den wolkenlosen himmel.

unaufhaltsam: das weiß … wie morgensonne spürte ratur es in sich aufgehen, erstrahlen und raum greifen. das wasser begann, über ihn hinweg zu streichen. alle farben raturs hatten sich dem spiel der strömung ergeben, waren meer geworden. nun folgten die konturen. lösten sich aus ihrem zusammenhang und, einem tiefen, letzten ausatmen gleich, aus der umschreibung seiner literarischen gestalt. schwangen für eine weile mit dem seetang, bis letztendlich auch sie losließen und gingen, mit dem wellenschlag gingen, mit der sich wiegenden dünung.

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der morgen ist kühl

teil 44 von 48 der serie: ratur lites

ratur aquarell

ratur schwang sich aufs rad, stemmte sich energisch in die pedale und fuhr aus der stadt, der aufgehenden sonne entgegen. die kühle morgenluft umfing ihn in tröstlicher umarmung, strich sein
haar zurück, legte sich auf die erhitzten wangen und schmiegte sich vom hals her die brust entlang unter sein hemd.

die nacht hatte den horizont wieder hergegeben und seinem spiel mit nähe und ferne überlassen. an die enge der stadt folgten weitläufige ackerflächen und weidegründe. an den grashalmen glitzerten ungezählt glasklare tautropfen, in denen die welten ringsum sich spiegelten. jede in ihrem tautropfen um eine idee anders als die anderen, auf den kopf gestellt. jede mit einem ratur darin, der eine allee entlang radelte …

srrr…

vertraut das geräusch der über den asphalt rollenden reifen, das der über kettenrad und zahnkranz surrenden kette und das helle sirren der speichen. ratur genoss es. sah seine beine auf und nieder takten und fühlte sich strecke machen, vorankommen. fühlte, wie seine atemfrequenz zunahm, sich vertiefte, wie die kühle luft über die weit geöffneten nasenflügel einströmte und an die bronchien reichte, bis mit zunehmender strecke sich der mund öffnete und sein atmen noch lauter hörbar wurde.

die fahrt heute empfand er ganz anders als die gestrige, als es ihn vom meer heimwärts zog und die nacht ihn einholte, sich um ihn schloss. nicht heimkehr war es, die den oberton seiner gedankengänge ausmachte, aufbruch, aufbruch durchströmte ihn mit jedem herzschlag, jedem atemzug, jedem auf und nieder seiner beine. es zog ihn, zog ihn ans meer.

auf halber strecke führte sein weg ihn durch ein waldstück. fichten. die nahmen dem morgenlicht von dessen glanz und der klang des dahineilenden rades brach zwischen den alten stämmen und tief hängendem geäst. ratur ließ das rad auslaufen, seine beine sich erholen, seine gedanken schweifen.

das weiße, das zu denkende. was davon mochte wohl in den bäumen ringsum darauf warten, erzählt zu werden. welche dieser fichten mochte wohl eines tages in einem kamin knackend vergehen, welche in einer violine weitererzählt werden? welches noch zu spielende lied schlummerte in einem dieser bäume? welche ihrer vielen jahre würden, das holz zu papier verarbeitet, niemals erklingen?

das dunkel des waldes lichtete sich. die allee hatte ihn wieder. die sonne war unterdessen weiter gestiegen und ihre strahlen hatten mittlerweile genügend kraft gewonnen, dass sie raturs schultern und rücken wärmten.

srrr…

ans meer, srrr… ans meer

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unbeobachtet

kultur-tv-blog

nun, nachdem die kamera vom arbeitsplatz und das wasser auf dem bild, weg waren, konnten wir es nicht lassen am bild noch weiter zu arbeiten.

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beobachtet

kultur tv

heute fühlten wir uns irgendwie beobachtet. sogar beim arbeiten im atelier hatten wir das gefühl irgend jemand schaue uns über die schulter.

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gesichtet

teil 6 von 9 der serie: stadt bern

thunerseeschiff stadt bern gartentor

mit einem passagierschiff sind wir unterwegs, wir schauen natürlich immer nach der stadt bern ausschau. glaubten sie auch zu sehen, aber es war beim zweiten hinschauen nur eine landzuge der isla volante.

das essen war aber vorzüglich auf dem schiff.

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kaffee

teil 4 von 9 der serie: stadt bern

kaffee

der kaffee schmeckt heute besonders gut und der geruch hat im aufgeräumten atelier auch genügend platz.

vom hafen ertönt das nebelhorn eines schiffes.

ist das nun doch noch die stadt bern?

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hausboot

teil 2 von 9 der serie: stadt bern

hausboot

da haben wir wohl geträumt, nichts von schiff, nichts von kultur, aber ein neues hausboot liegt im hafen. was haben wir nur gesehen gestern.

heute müssen wir kaffeebohnen kaufen.

ps. entern wollen wir nichts, aber beobachten werden wir gerne.

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klarer

teil 3 von 9 der serie: stadt bern

thunerseeschiff stadt bern

zum glück sehen wir heute schon ein wenig klarer, vielleicht liegt es nur am kaffee oder doch an der frischen luft.

wir hoffen das meer bleibt ruhig, damit wir das schiff vor der küste besuchen können.

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fern – bern

teil 1 von 9 der serie: stadt bern

stadt bern

wieder zuhause arbeiten, farbe und zeit sind wieder genügend vorhanden.

auf der insel müssen wir uns wieder die übersicht verschaffen.

irgendwo in der nähe der insel soll ein grosses schiff mit viel kultur ankern.

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kunst

kunst

zum glück hat der kunst sein eigenes zelt dabei, denn eine passende unterkunft, welche gross genug für der kunst wäre, könnten wir insulanerinnnen ihm nicht bieten. der antwort, was und wer der kunst sein soll, kommen wir so natürlich nicht weiter.

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