litblogs lesezeichen 03/2018

graphic novel von katharina vasces und dem kobboi - missverständnis

In dieser Ausgabe:

vier jahre einsam, auf dem festland, wider das Handy im Verkehr, ein Geruch, der von Wörtern noch gefunden werden muss, Bukowski lesen in Salzburg, das Mädchen mit der Sterntüte, Niemand wird ankommen, wo ich hingegangen bin,  was mit Benzini gewesen ist, die Milliarden von feinsten Sandkörnern in den Dünen und an den Stränden von Skagen, man könne im eigenen Schreiben nicht mehr zurück hinter das gelesene Grandiose, und dennoch wurde Nico zur Ikone, weil in ihren Songs und in ihrer offensiven Verzweiflung etwas Ausdruck fand, was im Fühlen dieser Generation und ihrer Kinder Wiederhall fand, Alphabet ist mithin der Sohn einer Stromquelle“. … u.v.m.

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die zukunft

zukunft

als nächstes winken wir
wir winken weil wir das wollen
weil wir das können

wir winken den kontolosen
die sich immer
in die falschen verlieben

wir winken den schneemann
vom letzten jahr
der in die zukunft schaut
als könnte er brennen

wir wundern uns
denn wir winken auch diesem land
es existiert nicht mehr

es brannten augen aus
es brannte der tod eine nacht
aus der die nationalen ein fest machten

wir denken: das ist die zukunft der nationalen
sie sagen sie retten was und bringen es doch um

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litblogs lesezeichen 02/2018

lighthouse litblogs literarische blogs in deutscher sprache

In dieser Ausgabe:

Belieben der brunftigen Kundschaft; Zeitraum: 2018, Dokumentart: Volltext; Einführung in die Logik und Werte der westlichen Welt; ihre Käfer­zeich­nungen von eigener Hand; dieses Glitzern am nachtschwarzen Abgrund; Zum Tod von Günter Herburger; 82 seiten, farbiger vor- und nachsatz, halbleinenbindung; Ekel vor behaarten und bewollten Flugtieren; Hektor, drinnen im Wohnzimmer; das Jane Austen House in Chawton; Archäologie des Fußballspiels; sommermädchen im lispelschwarm; in der ferne ein lustschiff, Museen, Carports über Evolutionen… u.v.m.

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zuhören

buchseiten comics comicart

der mann im boot, algunos, elsa, milla cremeso, herr entrometido treffen sich in ihren träumen und hören der piratin zu, die um die welt segelt und geschichten erzählt.

sudabeh mohafez – lesung im salon

drei mikroromane: kitsune
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mann im boot

buch

kilian am strand hebt die augen nicht und erhascht keinen blick auf den lang vermissten mann in seinem boot.
er schreibt in ein heft, dem er den titel gegeben hat: ich am leuchtturm.
als unterlage dient ihm das hemingway-büchlein.
dem alten mann der erzählung ist er dankbar, dass er ihm den zugang zu seiner lebensgeschichte eröffnet hat.
und dem unbekannten mann im boot mit der fesselnden lesestimme hat er auf die erste seite eine widmung geschrieben.
ich weiß nicht, ob ich dich träumte.

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haiku sudabeh mohafez

die nachbarswecker
links um sechs rechts um halb acht
wir lächeln im schlaf

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aquarell - wasserfarbe zu haiku von sudabeh mohafez

wir nehmen den umweg
die straße aufwärts –
hangabwärts ist sie gesperrt.

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literaturpreis 2018

bess dreyer - literaturpreisträgerin de isla volante 2018

der isla volante literaturpreis 2016 geht an bess dreyer.

für ihre lyrischen texte

die volanterinnen danken bess dreyer für all ihre wunderbaren kommentare und anregungen zu den inselgeschichten.

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litblogs lesezeichen ausgabe 01/2018:

handlauf eines geländers; also in diagrammen; fotografische archäologie; haupt-satz, gelesen von margarete helminger; figuren an einer dorfstraße; der persön­li­che zeige­fin­ger­ab­druck in einem aufzug; in den handtaschen weiblicher anverwandter; die grünende sonne zur osterzeit; meeres-gesänge; zeit vergeht oder auch nicht; wie einer schriftsteller wurde; nikolai karamsins reisen; poetischen ausnahmemomente; grenzen spüren; verlorenheit im wind; wurstdemokratie und -guillotine; licht und schatten – wiederhall; start eines bildungsromans uvm. zum inhalt …

litblogs.net

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ein neuer tag

teil 30 von 30 der serie: milla cremeso

milla cremeso - bild zu text von ludwig jannsen

die strahlen der sonne tasteten durch die kühle des morgens nach millas geschlossenen lidern. sie erwachte. rieb sich den schlaf aus den augen. was für ein seltsamer traum. milla stand auf und sah nebenan nach tarik. das sofa war leer, kissen und decke lagen auf dem fußboden. von tarik keine spur.

milla eilte in die küche. der teller war leer, das kärtchen „großvaters garten“ lag daneben. die tür von der backstube zum garten stand offen, und so wunderte milla nicht, dass auch vom kleinen schwarz-weißen kater nichts zu sehen war. als milla die tür zum garten zuzog, fiel ihr blick auf den see. der lag da, ruhig wie immer, und von den winzigen wellen warf sich reflektierter sonnenschein in den jungen tag wie eine längst schon erzählte und doch immer neue geschichte, die es jedem zu erzählen galt, der zuhören mochte.

die torte mit dem pflaumenbaum darin lieferte milla noch am selben tag aus. war die junge frau zwar noch voller zweifel, so hörte ihr zukünftiger umso aufgeschlossener zu. milla sah, wie er die torte mit aufmerksamem blick betrachtete und nach dem gedicht zu suchen schien, das ihr innewohnen sollte wie ein segenswunsch, der nicht nur dem paar und seiner jungen liebe galt.

aßen die menschen von der torte, würden sie sich an die liebe erinnern. wie an eine verloren geglaubte heimat, zu der es sie zog. einen großvater vielleicht. wie an etwas, auf das sie lange gewartet hatten und das nun in ihr leben einzug hielt. auf einem esel, vielleicht. vielleicht aber auch in gestalt eines stückchens torte, das ihnen auf der zunge verging. wieder verloren ging, in jenem köstlichen moment gelebten erinnerns.

kaum dass milla sich wieder in ihr fahrzeug gesetzt und tief durchgeatmet hatte, wusste sie die geschichte um das paar und dessen verlobung hinter sich und dem vergessen preisgegeben. stunden geschäftiger routine vergingen. mit der abendlichen ruhe stieg in milla ein gefühl der verlassenheit auf. der mond ging auf über ihrem garten und begab sich auf seinen nächtlichen gang um das drehen der erde. milla stand am fenster der backstube und sah ihm dabei zu.

‚gerade so‘, ging es milla durch den sinn, ‚hätte ich es mir erdacht, wenn ich das könnte.‘ ein schwarz-weißer schatten hüpfte vom garten her auf die fensterbank und eine weiße pfote tupfte ans fenster. das katerchen! rasch öffnete milla dem kleinen gast. der sprang mit leisem miu! hinein und schmiegte sich purrend um millas beine. die nahm ihn hoch auf ihrem arm, setzte sich auf das sofa aus dunkelgrünem plüsch. als sie sich setzte, berührte ihre hand etwas kühles. eine zwetschge. die konnte sie nicht übersehen haben, als sie in der früh die schlafstätte ihres jungen gastes aufgeräumt hatte. versonnen hielt milla die frucht in ihrer hand, polierte sie an ihrem pullover und erkannte auf ihrer dunkelblauen, violetten haut das abbild eines nächtlichen sternenhimmels, über den in großer höhe dünne wolken zogen wie ferne sternennebel. tarik. wenigstens ein tarik war ihr geblieben, seufzte milla. was wohl aus dem raum geworden war, zu dem sie sich geträumt hatte? ob dessen sterne noch leuchteten?

milla ließ ihren blick aus dem fenster über den klaren nachthimmel schweifen und lächelte.

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