über das warten

teil 10 von 30 der serie: milla cremeso

tarik - bild zu text von ludwig jannsen

am nächsten morgen in aller frühe machte milla sich an die anstehenden arbeiten. doch während der alltäglichen routine ging ihr durch den sinn, wie wohl die torte für tarik beschaffen sein sollte. bereits am frühen nachmittag spähte sie zur hintertür hinaus, ob sein lockenkopf schon über den zaun lugte. keine spur weit und breit.

auch am späten nachmittag, milla saß wieder auf den stufen zum garten, blieb der erwartete besuch aus.

die sonne ging unter – nichts.

auch der nächste tag verlief so, die woche. milla überlegte, ob sie zu den unterkünften gehen und nach tarik fragen sollte. verwarf diesen gedanken, vertiefte sich in die arbeit. wenn man wartet, auf etwas wartet, auf das man sich freut, wächst das warten zunächst mit freude, rankt sich mit ungeduld ins denken und erblüht dann in zweifeln. so wartete milla auf tarik. wenn man wartet, auf etwas wartet, das unangenehm ist, wächst das warten zunächst mit bangen, rankt sich mit unruhe ins denken und erblüht dann in hoffnung. so, ging es milla durch den sinn, hatte sie auf ihren mann gewartet, auf seine liebe, zuwendung, dann auf seine gegenwart und letztendlich gehofft auf eine nüchterne, rasche trennung, das ende der ehe. das dann auch kam. heute war sie froh darum. musste sie doch nicht ihre lebenszeit mit einem menschen verbringen, der sie nicht liebte und ihr lieben, das sie ihm ausbreitete wie einen mantel, schon bald unbeachtet ließ und später als lästig abtat.

die torte, die sie zu ihrer eigenen hochzeit angefertigt hatte, dämmerte es milla, hatte sie nicht anders gestaltet als die torten, die sie für ihr fremde menschen anhand deren schilderungen gefertigt hatte. und doch war etwas anders gewesen. er war kein mann gewesen, der seine liebe zu seiner zukünftigen frau zu beschreiben versucht hätte. milla selbst hatte diesen part übernommen wie auch den eigenen und so zwar eine köstliche torte geschaffen, die von den hochzeitsgästen hoch gelobt worden war, doch blieb die hälfte der torte projektion und wurde weder ihrem bräutigam gerecht noch dessen ihr mittlerweile fremden fähigkeit zu lieben, sie, milla, zu lieben.

eine weitere woche verging, ohne dass tarik sich bei ihr blicken ließ. der sommer stieg und reifte. millas geschäft florierte, und ihre abende verbrachte sie nur noch gelegentlich hinterm haus auf den stufen zum garten.

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lorde

lorde - bild zu text von hans jürgen hibig

sie weiß nicht wie man aufhört
wie man aufhört zu beginnen

ihre augen sind offen
offen für den nächsten abschied
der beginnt damit
dass sie anfängt zu bedauern:

die nacht

sie fühlt und weil sie fühlt
weiß sie was das kostet
was der schmerz und das gefühl kostet
einsam zu sein

getäuscht zu werden vom gedicht
getäuscht zu werden von einem lied
jenes dass sie besser kennt
als irgendwer

einsam in langen gesprächen
einsam in all dem was sie will

sie weiß es hört auf
sie kennt die verlassenen stellen
sie beginnt damit
verlassen zu werden

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bist du traurig?

teil 2 von 30 der serie: milla cremeso

milla

vom gartenzaun her grüßte ein junge. hatte die arme über den spitzen der haselstecken verschränkt und sein gesicht ruhte auf diesen braun gebrannten, dünnen armen. milla musterte ihn. dunkle hautfarbe, schwarze locken, kohlrabenschwarze augen. könnte zu diesen flüchtlingskindern gehören, die seit geraumer zeit im ort untergebracht waren. einige mit, andere ohne ihre eltern. vielleicht sieben jahre alt. woher nur beherrschte er ihre sprache?

„hm …“
milla war nicht nach reden zumute.

„ich komme, mich zu bedanken.“

„wofür?“

„den zwetschgenkuchen, den gespendeten.“

„war der gut?“

„köstlich! wenn ich davon abbiss und die augen schloss, war mir, als ob ich nach hause käme.“

seltsamer junge. über ihren pflaumenkuchen hatte milla noch niemanden so reden hören. sie bat den wunderlichen gast zu sich auf die stufen ihrer backstube, wo er bereitwillig platz nahm.

„ich habe noch welchen, magst du ein stück?“

leuchtende augen.

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die insel

teil 1 von 30 der serie: milla cremeso

milla cremeso

milla cremeso lebt auf einer fliegenden insel. auf einer fliegenden insel? ja, eine insel mit leuchtturm, anlegestelle, möwen und meer – mit fischen darin und wolken darüber. irgendwie scheint alles dort in der schwebe zu sein und fliegt. menschengeist. gleitet mit fischen durch kühle tiefe und zieht unterm blau der himmelskuppel mit den wolken. oder auch andersherum. und, was es dort auch gibt, sind die legendären hochzeitstorten milla cremesos.

milla cremeso betreibt eine kleine konditorei, in der sie ihre kreationen zum besten gibt. ich las, das gerücht gehe um, einige menschen würden ihrer hochzeitstorten wegen heiraten, und, noch besser, dass dies auch wahr sei und der zauber der torte den beginn einer großen liebe stifte.

eines späten nachmittags saß milla betrübt in der hintertür ihrer pâtisserie auf den stufen zum hof. stützte das kinn auf die hände und betrachtete über den blühenden garten hinweg den see. den see, der das meer um die fliegende insel inspiriert hatte. dessen wellen wiegten das glitzernde spiel der tief stehenden sonne. still lag er da, die ruhe selbst.

milla sann ihrer ehe nach, die ihr, allem zauber der von ihr gefertigten torten zum trotz, alles andere als die erfüllung einer großen liebe gebracht hatte. in die brüche gegangen war.

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meditationssteuer

portrait

pamela fortissima sieht noch weitere vorteile, die für eine sofasteuer sprechen. „meditation würde endlich eine anerkannte, normal zu besteuernde arbeit!“

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pamela fortissima

pamela fortissima

„umgekehrt!“, ruft pamela fortissima in den wind, „was wir brauchen, ist eine sofasteuer, damit sich die besinnliche beschaulichkeit einzelner für die allgemeinheit lohnt!“

sofasteuer

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portrait zeno

zeno guntern

die flüssige form des schnees scheint zeno doch auch zu gefallen.  die „piste“ hier auf der insel ist ja auch mit salz behandelt.

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portrait nando

portrait malerei

trotz freistil in den bergen: beim anblick der wellen, die das meer ihm entgegegen volantete, machte nando zuerst mal echt grosse augen und liess wellenbrett  wellenbrett sein.

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portrait bernardo

beni jenzer

mit dem lotsen bernardo arbitro ist bei backbord und steuerbord nicht zu spassen, auf seinem portrait steht er auf der falschen seite, für einen lotsen unmöglich. auf alle fälle hoffen wir nun, dass bernardo arbitro auf der richtigen seite steht.

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elsa ave

portrait elsa

elsa ave ist eine der vielen vogel zählerinnen die jedes jahr die insel besuchen, sie ist auch so was wie ein zugvogel. für einen monat lebt sie nun auf der isla volante.

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