
Es ist noch da, das Meer. Es hat sich nicht über Nacht auf und davon gemacht.
Logbuch der Insel von Rittiner & Gomez

Es ist noch da, das Meer. Es hat sich nicht über Nacht auf und davon gemacht.

Sogar seinen Schatten hat Sonnenbrand.
Hoffen, dass ein Bad im Meer Linderung bringt.

Wenn die Welt untergeht
will ich zu Hause sein
Will mich im blauen Bild
verstecken an der Wäscheleine
hängen im Freibad um die Wette
schwimmen im Kosmos um die Sprache ringen
All dies in meinem Zimmer auf meinem Bett
den Kopf auf dem Kissen die Augen geschlossen
All dies in den Geschichten
die aus den Erinnerungen kriechen
Ausgehungert
Text: Ruth Loosli
In ihrem neuen Lyrikband zeigt sich Ruth Loosli wortverspielt und ernst zugleich. In fünf Zyklen vereint sie eine Vielfalt an Themen, die sie zu Gedichten und kurzen Prosatexten verwebt: Politik und Gesellschaft vermischen sich mit persönlichen Erfahrungen und Eindrücken. Alltägliche Bilder sind hinterlegt mit Fragen an diese Welt.
Erschienen im: Caracol Verlag

Sie wollten noch einmal die Insel besuchen und zusammen am Meer stehen, den Seewind spüren und das Salzwasser riechen. Dass ihre Mägen auf der Überfahrt verrückt spielten, haben sie längst vergessen.

Sabotage
Der Blick weich
das Bild verschwimmt
die Augen schmerzen
der Schädel eine Walnuss
übergehend ins Rückenmark
alles verkabelt verbunden
nur das Denken fällt
aus dem System
sabotiert sich.
Ich bin ein Dreiminutenei
das sich selbst auslöffelt.
Text: Ruth Loosli

Sie warten auf den Wolkenbruch, den ohne in ein Gewitter zu geraten, war man nach ihrer Reiseführerin, gar nicht auf der Insel.

Eine grosse Portion Porridge und ab durch den Regen, die Insel ist heute der perfekte Ort um sich auf das Radstrassenrennen in Glasgow vorzubereiten. Der Wind macht dem Kobboi zu schaffen, hoffentlich ist er rechtzeitig zum Start der Fernsehübertragung wieder zurück. Möglicherweise braucht er dann noch einen Scotch.

Sich einwickeln
in das Silbergrau
des Tages
in das Wort
der Wartenden.
Es heisst Sprache oder
Ich will nach Hause
Aus den Augen
leuchtet Fieber.
Es entzündet sich an
den Fragen
die sich kein Nest
zu bauen vermögen.
Kein Zuhause.
Text: Ruth Loosli

Ihre Gedanken begleiten sie auch auf ihren Spaziergängen, dem Strand entlang.

Verdauen
er hat sich den Kosmos
zu eigen gemacht und
ist dann gestorben
eingeschlafen
sagt man
sein Elefant sitzt
fassungslos in der
Küche
er wird bald
abgeführt und
zu einem guten Preis
verkauft
dort im Kosmos
gibt es ein Schwa
ein Nichts das
variiert werden kann
eine heilige Sprache
vielleicht
die zu uns flüstert
wenn die Toten so nah noch
am Verdauen sind
Text: Ruth Loosli