Er wohnt in der Dachwohnung eines vierstöckigen Hauses. Für den Hund im Parterre ist er noch ein Fremder. Kommt er Abends spät nach Hause, beginnt der lautstark zu bellen und im ersten Stock öffnet sich die Türe und im dritten Stock sieht er durch das Oberlicht wie das Licht angeht. Auf alle Fälle, für die Zeit seinen nach Hause Kommens hätte er immer mehrere Zeugen.
Bei der Arbeit wurde ausführlich über die Strecke der Tour de France im nächsten Jahr gesprochen. Alle scheinen verrückt nach diesem Rennen zu sein.
Ansonsten, viel Neues und vor allem von allem viel.
Die Freiräume füllen sich zu schnell mit allem Möglichen. Arbeit, Schule, Freizeit, Haushalt, Behörde und einfach sein.
Immerhin kann er jetzt selber entscheiden, wie viel Unordnung es verträgt und weiss auch, wer verantwortlich dafür ist.
In der Strasse, wo er jetzt wohnt, gibt es ein sehr gutes Kaffeehaus. Solange er am Tisch sitzt, kann er nicht viel falsch machen. Aber wie lange darf man hinter einer leeren Kaffeetasse sitzenbleiben? Zum Glück beachtet ihn niemand. Heute will er noch einen Brief schreiben.
Er ist doch noch in seiner Wohnung angekommen.
Bis Montag sollte er wieder auf den Beinen sein, um zu arbeiten.
Obwohl er auf dem Festland die Insel vermisst, geniesst er es hier, dass ihn niemand kennt. Auch keine Eltern, Verwandten oder gar Lehrer*innen, die irgendetwas über ihn zu erzählen hätten. Er ist allein für seinen Ruf verantwortlich. Aber hat er den einen?
Oft denkt er sich, dass man ihm trotzdem auf den ersten Blick, als Insulaner und Fremden erkennt. Hier scheinen ihm alle so selbstbewusst unterwegs zu sein. Das schafft er nicht. Aber dafür kann er gut in der Anonymität untertauchen.
Die Ferien sind vorbei. Joven ist auf der Überfahrt auf das Festland. Das Meer ist unruhig. Hoffentlich hat er nichts vergessen. Die Fähre ist gut besetzt. Soll er noch etwas essen? Vielleicht kommt man nie an. Die Erinnerungen bleiben.
In der Berufsschule muss Joven dieses Jahr noch einen Vortrag, halten. Alle Schüler müssen ihren Heimatort vorstellen. Vortrag! Aaaaaaahhhh! Aber da muss er durch, es gibt kein Entrinnen.
Über seine Insel weiss er alles und es gibt für ihn keinen besseren Ort, aber er findet nichts, was es da jetzt besonders zu berichten gäbe. Es gibt nichts Rekord verdächtiges auf der Insel, auch keine Persönlichkeit, die herausragt.
Als Kind glaubte er ja noch, seine Nachbarin Cora Son sei die meist besungene Frau in spanischen Liedern, aber das hat sich inzwischen als Irrtum herausgestellt.
Statt am Vortrag zu arbeiten, zieht er es vor einen Brief zu schreiben, wo er jetzt bei Durchlesen, bemerkt, dass er jetzt doch einiges über die Isla Volante beschrieben hat, damit seine Briefpartnerin, nachvollziehen kann, woher er herkommt. Vielleicht muss er dann nur seine Briefe vorlesen. Bilder hat er ja genug.
Bildbeschreibung
Die Szene ist durch eine Collage artiges Arrangement aus verschiedenartigen Elementen gekennzeichnet, darunter Aquarelle, Notizen, abstrakte Formen und skizzenhafte Darstellungen. Die Elemente sind unregelmässig über die Oberfläche verteilt, mit einer Konzentration von Aktivitäten im unteren Bereich, und erzeugen ein Gefühl von Bewegung. Die Farbpalette ist gedämpft und basiert auf Erdtönen, Blau- und Grautönen, was eine sanfte und ruhige Atmosphäre erzeugt. In der oberen Hälfte der Komposition befinden sich drei rechteckige Aquarellbereiche, die an Landschaften erinnern.
Die Hauptmerkmale umfassen eine stilisierte Figur, wahrscheinlich eine Frau, sowie handschriftliche Notizen in verschiedenen Grössen und Ausrichtungen. Die Figur wird mit einfachen, dunklen Farben und Umrissen dargestellt, während die Notizen in einer lockeren, unprätentiösen Handschrift geschrieben sind. Abstrakte Formen, darunter einige grosse gelbliche Farbflecke, und skizzenhafte Darstellungen von Gegenständen und Szenen ergänzen die Gesamtkomposition und tragen zur Komplexität und Vielschichtigkeit des Werks bei.
Von seinem Spitalaufenthalt vermisst Joven grundsätzlich nichts, ausser die Post, die er von seinen Mitschüler*innen erhielt und die er mit Freude beantwortete.
In der Berufsschule gab es ein Briefschreib-Projekt, bei dem er ohne zu zögern mitmachte und seither fleissig Briefe und Postkarten schreibt.
Und selbst verständlich muss er nun auch Feriengrüsse versenden.
Im Juli hat er auf dem Festland eine Berufslehre als Fahrradmechaniker begonnen und er geniesst das alleine leben, an einem Ort wo ihn niemand kennt. Er kann ganz neu anfangen und die Altlasten blieben auf der Insel. Seine Koch- und Haushaltsfähigkeiten sind noch nicht ganz auf dem erforderlichen Mass. Aber immerhin, es gibt täglich drei Mahlzeiten.
Jetzt aber geniesst er seine verdienten Ferien auf der Insel. Das Meer hat er vermisst.