leichte krampferscheinungen

graphic novel von katharina vasces und dem kobboi - vorbereitungen zur tour de france

obwohl er ja die ganze zeit auf der insel sitzt, muss alles genau geplant werden. denn während der tour muss auch täglich das passende menu auf den tisch, da braucht es erstens umfangreiche nachforschungen und zweitens muss alles rechtzeitig eingekauft oder sogar vom festland geordert werden. erschwerend kommt hinzu, dass der kobboi dieses jahr so viel rad fährt, als müsse er bei der tour mitfahren. in den waden melden sich krampferscheinungen. doch sein neues rad muss täglich bewegt werden.
katharina vasces überlegt sich schon mal einen alternativen menuplan mit schonkost.

sequenz 102 von 102 der serie poco dúo

text:

俳 1

sudabeh mohafez

beim füttern im hof:
die junge katzenmutter
schnurrt und faucht zugleich

text:

nichts bleibt

meer

„—„

text:

mondsüchtig

energie energiewende es2050

sonntag ruhetag

der mond dreht sich weiter um die erde

der kaffee wird warm serviert

ein gezeitenkraftwerk ist ein wasserkraftwerk, das potentielle und kinetische energie aus dem tidenhub des meeres in elektrischen strom wandelt. gezeitenkraftwerke entnehmen ihre energie letztlich der erddrehung mit hilfe der anziehungskraft des mondes und der sonne auf die erde

text:

eiersuche

ostern

leider sind sie ausgegangen, die eier. die hühner wollten dieses jahr nicht soviel eier legen. die eiersuche kann also noch sehr lange dauern.

übrigens: schuld ist niemand, auch keine fremde macht, oder irgend eine verschwörung der hühner. die hühner gackern weiterhin auf der insel herum.

text:

wir kommen weit

meer

die alten
die alten sägen
sie sägen lau
sie sägen an der zeit
sie wissen nicht
wie man sägt
wie man an den jahren sägt
sie sägen an der zeit
sie sägen an der falschen richtung
es ist die falsche richtung an der sie sägen
so kommt man nicht weit
so geht man immer nur weiter
ohne zu denken
wie weit es noch ist
ohne zu bemerken
dass sie die zeit längst vergessen
die noch vor ihnen liegt

text:

schwenker

cognac

Wieder dachte er an Morgen, das nervte, er trank um zu vergessen, doch je mehr er trank, desto öfter dachte er an Morgen, welchen Sinn hatte das Trinken, wenn nicht dass verschwand, weshalb man trank.
Trotzdem, er dachte an Morgen, dachte an die Reden, dachte an die langweiligen Gesten, die langweiligen Gespräche. Alle würden sie freundlich zu ihm sein, es war eben sein Abgesang, da konnte man auch mal aus seiner Haut.
Er stellte sich vor, dass er hinterher auf Weltreise ging, alle hatten ja diese Sehnsucht. Sie wollten die Welt noch einmal sehen, bevor sie starben. Er würde alle Orte, die er besuchte, schon in dem Moment vergessen, wenn er sie betrat. Er würde die Luft fotografieren, er würde versuchen, das Dazwischen wahrzunehmen, aber er hätte nicht einmal das Gefühl, am Ende der Reise, die ganze Welt gesehen zu haben.
Wollte er das? Er konnte sich das leisten, aber hatte er Lust darauf?
Er hatte Lust drauf diesen Cognac zu trinken, auf diese Stadt zu sehen, nicht zu begreifen, was dort geschah, den Cognacschwenker als Trost, die Worte ausgespuckt, sie in alle Winde vertrieben und stumm und vergesslich weiterexistieren wollen, das war sein Ziel.

text: