Joven geniesst dieses Wetter und kann seine Runden ungestört drehen, ohne dass er sich dafür rechtfertigen muss. Wenn er es hier lange genug aushält, wird vielleicht alles gut, bis er wieder zu Hause ist. Das Regenwasser rinnt ihm den Rücken hinunter.
Es ist nichts mehr zu sehen vom Unglück von gestern, aber zu reden gibt es mehr als genug. In der Nacht zog auch noch ein Sturm über die Insel. Frühmorgens wurde ein fremdes Segelboot gesichtet, was eigentlich alltäglich ist, aber heute erscheint das verdächtig. Vor lauter Aufregung hat Frau Adler ihre Knieschmerzen vergessen, so schnell war sie schon lange nicht mehr unterwegs und Joven schlägt einen schulfreien Montag vor, um der Sache auf den Grund zu gehen.
Sollte er doch noch bleiben oder doch zur Schule gehen? Immer diese lebensentscheidenden Fragen! Bestimmt verpasst er hier irgendwas, wenn er jetzt die Strandbegehung unterbricht.
Joven scheint sich von seiner Krankheit erholt zu haben, er ist wie früher, immer irgendwo unterwegs auf der Insel. In der Schule sind seine Leistungen wieder genügend, das mit der Disziplin war ja auch schon vor der Krankheit ein Problem. Aber sonst?
Joven ist sich nicht sicher, ob er so eine Krankheit, nochmals so schadlos überstehen würde.
Kaum zu glauben, er ist wieder zu Hause. Sein Vater wartete schon am Hafen. Zu Hause gibt es als Erstes ein feines Stück Apfelkuchen. Alles scheint neu. Joven fühlt sich wunderbar und glaubt, dass er den Punkt, schwere Krankheit für den Rest seines Lebens abhaken kann. Gleichzeitig bekommt er Zweifel, ob er dies ein zweites Mal, auch mit so viel Zuversicht und Gelassenheit durchstehen würde.
Joven kann nicht schlafen, er hält schon Ausschau nach der Insel, obwohl er genau weiss, dass sie erst morgen um 10 00 Uhr im Hafen ankommen. Er will endlich nach Hause.
Das Warten auf den Bus, der ihn zum Bahnhof bringt, erscheint ihm ewig, er zweifelt, ob er hier überhaupt noch einmal wegkommt. Schlussendlich aber klappt alles wie geplant und er besteigt auch den richtigen Zug. Am Hafen wartet seine Mutter auf ihn, sie scheint auch kaum zu glauben, dass er jetzt doch nach Hause kommt. Bis sie die Fähre besteigen können, bleibt noch Zeit für ein Getränk und ein Stück Kuchen. Joven hat seit langem, das Gefühl wieder richtig Appetit zu haben.
Es gibt keine Ruhe, egal wo er sich aufhält, den ganzen Tag wollen sich Personal und Patienten von ihm verabschieden. Alle wünschen ihm nur das Beste und hoffen ihn hier nie mehr zu sehen. Die Physiotherapeutin Charlotte lobt ihn sogar, aber ermahnt ihn gleich unbedingt weiterhin, ihre Anweisungen zu befolgen. Joven fühlt sich schlecht.
Joven hat schon gepackt, er ist reisefertig. Zum Mittagessen nahm er zwei Portionen, er will absolut vermeiden, dass man ihn, weil er zu leicht sei, nicht nach Hause gehen lässt. Manon, die Frau von Mathis, hat irgendwie mitbekommen, dass er entlassen wird und ist gekommen, um sich von ihm zu verabschieden. Sie ist noch dünner geworden, eigentlich müssten sie die Frau hier behalten. Sie spazieren zusammen oberhalb der Steilküste entlang. Hier war sie bestimmt oft mit Mathis unterwegs. Anschliessend offerierte sie ihm in der Kantine, noch ein Stück Torte und ein Tee. Er war erleichtert als sie sich verabschiedete und verunsichert, ob er sich ihr gegenüber richtig verhalten hat. Sie kommt aus einer ganz anderen ihm unbekannten Welt zu kommen.
In 4 Tagen kann er nach Hause, Joven kann sich das kaum vorstellen. Die Zeit scheint still zu stehen. Die Bücher von Karl May überlässt er Jacob Benevolente, so hat er nur leichtes Reisegepäck. Diego fand Karl May schrecklich, macht jetzt aber auf beleidigt, dass er die Bücher nicht ihm überlassen hat.
Joven steht am Meer im Dauerregen und kann sich keinen besseren Ort vorstellen, an dem er hier sein könnte.