
UMA
Schreibe ich und
setze noch ein Herz
dazu
UMA
Heisst auch
Unbegleitete Minderjährige
Asylsuchende
Text: Ruth Loosli
Logbuch der Insel von Rittiner & Gomez

UMA
Schreibe ich und
setze noch ein Herz
dazu
UMA
Heisst auch
Unbegleitete Minderjährige
Asylsuchende
Text: Ruth Loosli

Und dann
bist du da
es ist alles anders
du bringst asiatisches Essen mit
räumst die Gläser weg
lachst
Keine Heuschrecke
die meine Teller
kahl frisst und
keine Messer in meinem
Brustkasten nur dein
Blick
weicht nicht von mir
Text: Ruth Loosli

Wickle Worte ein
schlage Sätze ins Papier
die niemand lesen wird
deine Sinne sind geschlossen
Text: Ruth Loosli

Wenn die Welt untergeht
will ich zu Hause sein
Will mich im blauen Bild
verstecken an der Wäscheleine
hängen im Freibad um die Wette
schwimmen im Kosmos um die Sprache ringen
All dies in meinem Zimmer auf meinem Bett
den Kopf auf dem Kissen die Augen geschlossen
All dies in den Geschichten
die aus den Erinnerungen kriechen
Ausgehungert
Text: Ruth Loosli
In ihrem neuen Lyrikband zeigt sich Ruth Loosli wortverspielt und ernst zugleich. In fünf Zyklen vereint sie eine Vielfalt an Themen, die sie zu Gedichten und kurzen Prosatexten verwebt: Politik und Gesellschaft vermischen sich mit persönlichen Erfahrungen und Eindrücken. Alltägliche Bilder sind hinterlegt mit Fragen an diese Welt.
Erschienen im: Caracol Verlag

Sabotage
Der Blick weich
das Bild verschwimmt
die Augen schmerzen
der Schädel eine Walnuss
übergehend ins Rückenmark
alles verkabelt verbunden
nur das Denken fällt
aus dem System
sabotiert sich.
Ich bin ein Dreiminutenei
das sich selbst auslöffelt.
Text: Ruth Loosli

Sich einwickeln
in das Silbergrau
des Tages
in das Wort
der Wartenden.
Es heisst Sprache oder
Ich will nach Hause
Aus den Augen
leuchtet Fieber.
Es entzündet sich an
den Fragen
die sich kein Nest
zu bauen vermögen.
Kein Zuhause.
Text: Ruth Loosli

Verdauen
er hat sich den Kosmos
zu eigen gemacht und
ist dann gestorben
eingeschlafen
sagt man
sein Elefant sitzt
fassungslos in der
Küche
er wird bald
abgeführt und
zu einem guten Preis
verkauft
dort im Kosmos
gibt es ein Schwa
ein Nichts das
variiert werden kann
eine heilige Sprache
vielleicht
die zu uns flüstert
wenn die Toten so nah noch
am Verdauen sind
Text: Ruth Loosli

Sie nimmt das Wort
Gott
in den Mund
als dürfte nur sie davon
kosten als wäre es ihr
Eigentum.
Gott muss uns helfen
sagt sie und schiebt
ihren Rollkoffer durch
ihre ganz persönliche
Nacht.
Wer ist dieser Gott
den sie zwischen den
Zähnen
zermalmt als wäre
er ein armseliger Esel
an der Krippe
Text: Ruth Loosli

Der Verstand ist eine
Mühle
und die Gedanken sind
Körner
aus genmanipuliertem
Weizen.
Langweilig dieser Brei
aus dem ich
in 20 Minuten
meine tägliche
Nahrung beziehe.
Text: Ruth Loosli

Nebel
der sich auflöst
und die Ränder der Stadt
dem Licht übergibt
diese tanzt dem Nebel
auf der Nase
das ist seine letzte Phase
doch falsch gelacht
da ist er schon wieder
und schaut Frau Bieder
ins Mieder
Text: Ruth Loosli