Du kamst heute hierher, um Dir Bilder anzuschauen. Nun querst du, einen lichtgefluteten Gang entlang schreitend, die Strömung. Gehst längsseits, bedächtigen Schrittes. In dir: Meer. Eines … Deines. Irgendeines. Und doch, gerade in diesem Augenblick, weißt du tief in dir auf deinem Meer einen alten Mann in einem Boot sitzen und aus einem Buch vorlesen.
Die Skulls hatte der alte Mann ins Boot gezogen und auf den Ruderbänken abgelegt. Dort lag auch ein schlichter Mast bereit, eingedreht in ein geflicktes Segel. Die Ebbe hatte eingesetzt und zog das Boot aufs Meer hinaus, und schon bald erfasste die hier parallel zur Küste verlaufende Strömung die hölzerne Nussschale und nahm sie mit sich. Unbeirrt las der Alte aus dem Buch. Wenngleich der Wind in seinen Ohren flatterte und drängte, so hörte er deutlich den Wellenschlag an der Bordwand aufspritzen, glucksend und plitschernd ein häwelmannsches „mehr! mehr!“ gurgeln. Von der Sehnsucht nach dem Meer las er der Dünung vor, die ihn und sein Boot wiegte, und davon, wie aus dieser Sehnsucht heraus Schiffe gebaut und Geschichten geschrieben werden.
„… fischte allein in einem Boot im Golfstrom, und seit vierundachtzig Tagen hatte er keinen Fisch gefangen.“ Seine Stimme war die eines Menschen, der gut gelebt und gern gesungen hatte. Der Wind griff in die Seiten und versuchte, zum Ende der Geschichte vorzublättern. Doch möchte eine Geschichte zu Ende gelesen werden wie auch ein Leben zu Ende gelebt sein will. Das Meer lauschte. Glucksend bat sein Wellenschlag den alten Mann, sich nicht von der Ungeduld des Windes beirren zu lassen und fortzufahren.
Niemand achtete auf den alten Mann, der, ein Buch unterm Arm, am Strand auf ein Ruderboot zuging, es ins Meer stieß, sich hinein warf, aufstand. Wartete, bis das schaukelnde Boot zur Ruhe kam. Bedächtig schlug er das Buch auf und las dem Meer vor: „Er war ein alter Mann und …“
Irgendwie hat es sich herumgesprochen, aber wie?
Das hat Joven noch nicht herausgefunden.
Aber für alle Fälle hat er heute zum Glück etwas zu Essen und Trinken eingepackt.
Lufttemperatur: 14°
Luftfeuchtigkeit: 85 %
Wind: 28 km/h
Ich stehe vorm Meer
Und es reicht
Mir Nieselregen so
Leicht geht der Wind
Mir durch das Haar
Mark und Bein, sein
Strich so kühl, ich
Fühl den Februar,
Seine Schwingen singen
Heimweh in den Regen