
Das Meer bleibt unergründlich.
Da kann schnell einmal alles baden gehen.
Logbuch der Insel von Rittiner & Gomez

Das Meer bleibt unergründlich.
Da kann schnell einmal alles baden gehen.

Heute für einmal Hector und Julia.
Hector Jardin ist einer der wenigen, der unfreiwillig auf der Insel arbeitet. Nach mehreren kleinen Delikten findet er auf dem Festland keine Anstellung mehr. So arbeitet Hector Jardin nun mehr oder weniger widerwillig bei seinem Onkel im Schuhladen. Er arbeitet immer Donnerstag bis Samstag und verlässt dann die Insel so schnell er kann. Hektor Jardin könnte ja etwas entgehen, immer auf der Suche nach dem grossen Glück oder dem Treffer im Lotto. Das Inselleben ist ihm ein Gräuel. Die Arbeit bei seinem Onkel scheint ihn auch nicht übermässig zu fordern. Er beginnt in seiner Langeweile alle Preisetiketten auf den Schuhen von Hand zu gestalten, doch mittlerweile reichen ihm Preis, Schuhgrösse und Herstellerin schon lange nicht mehr. Aus den Preisschildern werden regelrechte Bilder. Seit einiger Zeit ist nicht mehr klar, ob die Kunden die Schuhe oder die Preisschilder kaufen. Erste Etiketten werden auf alle Fälle bereits auf dem Kunstmarkt gehandelt. Hector Jardin beginnt nun seine Arbeit doch noch zu lieben und nicht selten arbeitet er noch auf dem Festland an seinen Etiketten.
Julia Zapatero arbeitet nun schon seit 5 Jahren im Schuhladen. Sie arbeitet immer von Montag bis Mittwoch. Ihre übrige Zeit verbringt sie mit singen. Jeden Kurs, der etwas mit Gesang zu tun hat, besucht Julia Zapatero. Sie ist auch im Chor Mare Vento sehr aktiv. Neben dem singen ist sie noch die administrative Leiterin des Chors. Seit 3 Jahren nimmt sie zusätzlich Gesangsstunden auf dem Festland. Hektors wunderschöne Preisetiketten nimmt sie gar nicht wahr. Bei der Arbeit ist sie, auch wenn möglich am Singen. Ob ihr Gesang auch den Umsatz fördert, kann nicht festgestellt werden. Talente hat Julia Zapatero bestimmt viele, aber ganz sicher nicht in der Musik und im Gesang. Mit ihrem eifer im Gesang will sie viel mehr das Herz des Chorleiters gewinnen. Leider ist dieser schon seit Jahren glücklich mit dem Fischer Elia Captura zusammen.
Hector Jardins Onkel liebt seinen Schuhladen. Er liebt seine Kundinnen und er liebt seine Arbeit. Er liebt auch die beiden Mitarbeiterinnen. Von diesen wird er aber kaum wahrgenommen, er ist sich nicht sicher, ob sie ihn eigentlich je bemerkt haben. Hector Jardin und Julia Zapatero leben in einer andern Welt. Ihre Gedanken sind kaum jemals da, wo ihr Körper ist. Die Kundinnen des Schuhladens beklagen sich glücklicherweise nie über die geistige Abwesenheit der beiden. Die einheimischen lassen sich nur vom Onkel persönlich bedienen und die Touristinnen sehen sich bestätigt in ihrem Bild der kuriosen Insulanerinnen.
Wer weiss, warum der Onkel von Hector Jardin auf die Idee kam, eine Inventur zu machen, bisher machte er das immer nur nach Gefühl. Aber wie auch immer, er kann Hektor Jardin überreden, an einem Montag zu arbeiten. So treffen sich Julia Zapatero und Hektor zum ersten Mal. Was aber noch viel erstaunlicher ist: sie gehen zusammen essen. Hector Jardin nimmt eigentlich zum ersten Mal die Insel wirklich wahr. Julia Zapatero hörte zwei Tage später auf mit singen und Hector Jardin kündigt seine Wohnung auf dem Festland. Sie kehren zurück in die Wirklichkeit der Insel und der Onkel von Hector Jardin fühlt sich nicht mehr einsam bei der Arbeit.
Julia Zapatero verliebt sich beim Tanzen in einen Kunden, der schon seit Jahren Schuhe kauft, die er nicht braucht. Den Schuhladen. Besucht er nur, um Julia Zapatero zu sehen, dabei traut er sich jeweils nicht, keine Schuhe einzukaufen. Sie ist nun in der Theatergruppe und entdeckt ihre komödiantischen Talente.
Hector Jardin ist auf der Insel sesshaft und ein sehr aktiver Insulaner. Alle haben ihn ins Herz geschlossen und hoffen, dass er noch lange auf der Insel bleibt.

Sie ist zu gross und kann deshalb nicht in den Hafen einlaufen. Völlig aufgebracht droht der Jachtbesitzer, falls er nicht sofort in den Hafen einlaufen könne, wolle er die ganze Insel kaufen. Antwort erhielt er keine darauf. Beleidigt liess er verlauten, dass die Insel ja gar nicht auf seiner Reiseroute sei und er werde umgehend weiter reisen. Keiner hinderte ihn daran. So was kann passieren, wenn ein Schiff mehr Tiefgang hat als der Eigner.
Am Abend rieben sich die Volanterinnen die Augen, war das Geschehene tatsächlich passiert, oder sind das noch Nachwirkungen des Sturmtiefs. Auf alle Fälle steht die Insel definitiv nicht zum Verkauf. Die Antwort lautet: „Nein!“

Das Wetter ist stabil, er ist schon unterwegs.
Alles wie immer und das ist gut.
Die Fischer sind heute weit hinaus auf das Meer gefahren.

Der Sand ist angenehm warm, Wolken ziehen über ihm hinweg. Er fühlt sich leicht und berauscht.
In der Ferne wird lautstark über die Farbe einer Tischdecke geredet.
In einer Stunde beginnt es sicher zu regnen.
Die Welt dreht sich.

Nur die Brandung ist zu hören.
Die Insel schläft.
Die Uhr im Wohnzimmer schlägt dreimal.

Kaum ein Mensch zu sehen.
Im Radio sprechen sie von Dichtestress und ein Bahnbetreiber freut sich über einen neuen Passagierrekord.

Der Himmel ist bedeckt und es riecht nach Regen.
Kein Wetter zum Segeln.
Dafür lädt das Meer zum Baden ein, die Wassertemperatur beträgt 25° Celsius.
Die Fähre brachte heute frische Datteln.

Ganz leise bläst der Wind über die Insel.
Die Brandung gibt den Takt an.