
Wenn Kleinmut dann endlich alle Kindergeldanträge, Anlagen, Bescheinigungen usw. ausgefüllt hatte, fiel ihm ein, dass er ja gar kein Kind hatte.
Text: Síle Marlin
Logbuch der Insel von Rittiner & Gomez

Wenn Kleinmut dann endlich alle Kindergeldanträge, Anlagen, Bescheinigungen usw. ausgefüllt hatte, fiel ihm ein, dass er ja gar kein Kind hatte.
Text: Síle Marlin

Im Paternoster brennt noch Licht.
Text: Síle Marlin

In einem Paralleluniversum fährt der Paternoster direkt zum Prater in Wien.
Text: Síle Marlin

Herr Kleinmut war an einem 1. April auf die Welt gekommen. Auch das Schicksal beliebt zuweilen zu scherzen.
Text: Síle Marlin

Zeit seines Lebens suchte Herr Kleinmut den Notausgang. Fand er einen, dann war es nicht der richtige.
Text: Síle Marlin

Herr Kleinmut hatte eine Situation. Das Paketmesser, das er sich bestellt und gerade eben erhalten hatte, befand sich im Paket.
Text: Síle Marlin

Der Bogenhanf ist nur deshalb nicht das Zentrum des Universums, weil er eine bescheidene Pflanze ist.
Text: Síle Marlin

Er liest, der Kobboi. Der Roman führt ihn in eine fremde Welt. Die ganze Insel scheint sich durch das lesen zu verändern. Der Kaffee riecht besonders gut.
Das Kreischen der Möwen nimmt er gar nicht mehr wahr.

Weil zwischen einem Paar aus Zürich spektakulär wenig geschah, dass sich seine Geschichte auflöste und verflüchtigte.
Romana Ganzoni
Der Satz auf der ersten Seite des Romans „Tod in Genua“ gefiel dem Kobboi. Er fühlte sich durch den Satz weniger einsam. Jetzt kann er ruhig weiterlesen.
Der Kobboi ist ja ein ausgesprochener langsamer Leser. Nicht etwa, weil er geduldig ist. Nein er kann nicht anders und hat auch immer Angst ein Wort auszulassen und so genau die entscheidende Stelle in einer Geschichte zu verpassen. Dann wäre ja alles umsonst gewesen.
Regen fiel heute spektakulär viel. Das Leben auf der Insel geht seinen Gang.

Heute für einmal Hector und Julia.
Hector Jardin ist einer der wenigen, der unfreiwillig auf der Insel arbeitet. Nach mehreren kleinen Delikten findet er auf dem Festland keine Anstellung mehr. So arbeitet Hector Jardin nun mehr oder weniger widerwillig bei seinem Onkel im Schuhladen. Er arbeitet immer Donnerstag bis Samstag und verlässt dann die Insel so schnell er kann. Hektor Jardin könnte ja etwas entgehen, immer auf der Suche nach dem grossen Glück oder dem Treffer im Lotto. Das Inselleben ist ihm ein Gräuel. Die Arbeit bei seinem Onkel scheint ihn auch nicht übermässig zu fordern. Er beginnt in seiner Langeweile alle Preisetiketten auf den Schuhen von Hand zu gestalten, doch mittlerweile reichen ihm Preis, Schuhgrösse und Herstellerin schon lange nicht mehr. Aus den Preisschildern werden regelrechte Bilder. Seit einiger Zeit ist nicht mehr klar, ob die Kunden die Schuhe oder die Preisschilder kaufen. Erste Etiketten werden auf alle Fälle bereits auf dem Kunstmarkt gehandelt. Hector Jardin beginnt nun seine Arbeit doch noch zu lieben und nicht selten arbeitet er noch auf dem Festland an seinen Etiketten.
Julia Zapatero arbeitet nun schon seit 5 Jahren im Schuhladen. Sie arbeitet immer von Montag bis Mittwoch. Ihre übrige Zeit verbringt sie mit singen. Jeden Kurs, der etwas mit Gesang zu tun hat, besucht Julia Zapatero. Sie ist auch im Chor Mare Vento sehr aktiv. Neben dem singen ist sie noch die administrative Leiterin des Chors. Seit 3 Jahren nimmt sie zusätzlich Gesangsstunden auf dem Festland. Hektors wunderschöne Preisetiketten nimmt sie gar nicht wahr. Bei der Arbeit ist sie, auch wenn möglich am Singen. Ob ihr Gesang auch den Umsatz fördert, kann nicht festgestellt werden. Talente hat Julia Zapatero bestimmt viele, aber ganz sicher nicht in der Musik und im Gesang. Mit ihrem eifer im Gesang will sie viel mehr das Herz des Chorleiters gewinnen. Leider ist dieser schon seit Jahren glücklich mit dem Fischer Elia Captura zusammen.
Hector Jardins Onkel liebt seinen Schuhladen. Er liebt seine Kundinnen und er liebt seine Arbeit. Er liebt auch die beiden Mitarbeiterinnen. Von diesen wird er aber kaum wahrgenommen, er ist sich nicht sicher, ob sie ihn eigentlich je bemerkt haben. Hector Jardin und Julia Zapatero leben in einer andern Welt. Ihre Gedanken sind kaum jemals da, wo ihr Körper ist. Die Kundinnen des Schuhladens beklagen sich glücklicherweise nie über die geistige Abwesenheit der beiden. Die einheimischen lassen sich nur vom Onkel persönlich bedienen und die Touristinnen sehen sich bestätigt in ihrem Bild der kuriosen Insulanerinnen.
Wer weiss, warum der Onkel von Hector Jardin auf die Idee kam, eine Inventur zu machen, bisher machte er das immer nur nach Gefühl. Aber wie auch immer, er kann Hektor Jardin überreden, an einem Montag zu arbeiten. So treffen sich Julia Zapatero und Hektor zum ersten Mal. Was aber noch viel erstaunlicher ist: sie gehen zusammen essen. Hector Jardin nimmt eigentlich zum ersten Mal die Insel wirklich wahr. Julia Zapatero hörte zwei Tage später auf mit singen und Hector Jardin kündigt seine Wohnung auf dem Festland. Sie kehren zurück in die Wirklichkeit der Insel und der Onkel von Hector Jardin fühlt sich nicht mehr einsam bei der Arbeit.
Julia Zapatero verliebt sich beim Tanzen in einen Kunden, der schon seit Jahren Schuhe kauft, die er nicht braucht. Den Schuhladen. Besucht er nur, um Julia Zapatero zu sehen, dabei traut er sich jeweils nicht, keine Schuhe einzukaufen. Sie ist nun in der Theatergruppe und entdeckt ihre komödiantischen Talente.
Hector Jardin ist auf der Insel sesshaft und ein sehr aktiver Insulaner. Alle haben ihn ins Herz geschlossen und hoffen, dass er noch lange auf der Insel bleibt.