Isla Volante

Logbuch der Insel von Rittiner & Gomez

Gerne weniger

Gerne weniger Aquarell zu einem Text von Ruth Loosli

an Gier
an Verlust an
Land an
Hunger an
Ohnmacht an
Rattengift an
Rampenlicht an
enger Sicht an
Hass an
Blindheit und
geschundener
Kindheit
(denn dort werden
die Weichen gestellt)

Text: Ruth Loosli

Man sieht die Hitze

Hitze Aquarell zu einem Text von Ruth Loosli

Man sieht die Hitze in der
Hitze stehen und man hört
die Trockenheit der Böden.

Man tritt in den Glanz
dieser blanken Welt
und hat sich selbst vergessen.

Text: Ruth Loosli

Wie

Lyrisches Meer Aquarell zu einem Text von Ruth Loosli

Wie das hin und her geht
mit der Sonne und dem Regen

Wie das Blau sich übertölpeln
lässt vom jagenden Grau

Wie ein Freund Grüsse schreibt
aus den Korrekturen

Und die Fahrt erträglich macht
vom Hin und Her zum Weiss nicht wer

Text: Ruth Loosli

Unscharf sehen

Unscharf Aquarell zu einem Text von Ruth Loosli

Unscharf sehen
hat den Vorteil
das alles Erahnte
nach freiem Ermessen
Namen erhalten kann

und Farbbilder die wie
Aquarelle in der Nervenbahn
sitzen

Heimat ist dort
wo die Luft knistert
und die Vokale sich
zu Gebilden dehnen
die das Ohr erkennt

Stuhl (Gastfreundschaft)
Wand (Tafel/lernen)
Tisch (schreiben)

Text: Ruth Loosli

Echte Briefe

Echte Briefe Aquarell zu einem Text von Ruth Loosli

Man trägt echt Briefe
zum gelben Kasten und
schiebt sie durch den Schlitz

hört sie fallen
und den dumpfen
Knall wenn sie unten ankommen

Doch der Absender ist schon
nicht mehr wer er morgen war
beim Schreiben

Text: Ruth Loosli

Geträumt

In den Wolken Aquarell zu einem Text von Ruth Loosli

Gedichte
hängen
an
transparenten
Fäden
über den Wolken.

Text: Ruth Loosli

Der Wind streut mir Sand

Aquarell zu Text von Ruth Loosli

Der Wind streut mir Sand in
die Augen ich wechsle meine
Meinung.

Text: Ruth Loosli

Offenes Meer

Mann am Meer Aquarell Watercolor

Gedanken hängen in den Wolken.

Ich tausche ein offenes Meer
Für meinen letzten Gedanken
Ich will sehr still und sehr
Ins Blaue schwanken
Dass ich nichts verlasse
Wenn ich nicht mehr bin
Dass mich keiner hasse
Dass ich nichts vermisse
Wenn ich nichts mehr bin.

Thomas Brasch

Dem Meer zuhören

Meer Ludwig Janssen

Dem Meer zuhören, wenn
du einatmest, wenn du
ausatmest, das Meer in
dir zu hören, sei leise,
achtsam: Schon fliegt
eine Möwe über deinem
Atmen legen ihre Flügel
sich auf den Wind: Ein
und aus was sind das
Leben, das Meer, der
Flug einer Möwe der
Wind dazu vielleicht
fliegst ja du

Text: Ludwig Janssen

Postkarte Nr. 8

Postkarte

Plötzlich, mitten im Winter, auf der Zunge der Geschmack von Meerwasser und Küste – mein wellenförmiger Schlaf.

Friederike Mayröcker