Ein teil des Strandes ist leider über Nacht weggeschwemmt worden. Frau Adler weiss nicht weiter. Joven ist verunsichert, kann er einfach weiter gehen oder muss er irgendwie Hilfe anbieten? Auf jeden Fall kommt er heute zu spät nach Hause. Das kann er gut begründen.
Es gäbe viel zu berichten. Leider sind die Bildermacher aber so mit anderen Dingen beschäftigt und jeden Abend irgendwo bei Glühwein und Lebkuchen anzutreffen, da bleibt keine Zeit, um das Inselleben festzuhalten.
Beim Lesen stellt der Kobboi mit erschrecken fest, dass es sich in der Welt überhaupt nicht auskennt. Wen und was diese Menschen alles kennen und machen. Ihm wird schon nur beim Lesen schwindlig. Ein Glück, dass ihn auf der Insel sehr selten das Fernweh packt. Für ein Leben auf dem Festland wäre er untauglich.
Immerhin der Kaffee kommt von weit her, heute passend zum Roman, ein feiner Paranà Espresso Italiano.
Im Radio besingt Dunkel Lila eine Lange Marie und der Kobboi stellt beim Lesen von „Tod in Genua“ fest, dass die Bilder an der Wand, noch enger zusammen gehängt werden müssen. Beim Blick aus dem Fenster erschrickt er, sendet Matilde einen letzten Gruss über die Weltmeere. Wie riecht und tönt wohl Genua?
Wo er denn bleibe, die Lehrerin reisst ihn aus seinen Gedanken. Der Regen trommelt auf seinen Regenhut. Ein steifer Wind bläst ihm in das Gesicht.
Für das Fach: Natur, Mensch und Gesellschaft sind sie im Meer unterwegs. Was hat er jetzt wohl wieder verpasst? Dabei ist er doch perfekt ausgerüstet für den Unterricht im Freien, seine Bekleidung wind- und wasserdicht.
Was für eine Sprache sprechen die wohl? Obwohl er weit weg von den beiden stand, konnte Joven sie gut hören. Verstand aber kein Wort.
Aus der Ferne vernahm er aber ein leises Trommeln.
Joven fand, das Paar passe genau auf die Insel in diese Meerlandschaft. Doch die zwei fühlten sich verloren und fremd. Vermutlich wird er sie nie näher kennenlernen.
Hier war er noch nie, ist das nun Grenzland oder Niemandsland? Dabei, ist Joven überzeugt, die Insel zu kennen. Wo sind eigentlich die Menschen geblieben, denen er sonst immer auf seinen Rundgängen begegnet? Alle und alles scheint fremd. Ist heute schulfrei?
Zum Essen gab es heute, Spinat Blätter in Sesamdressing, dazu trockene Rettich Stücke und gegrillte Aubergine mit Miso.
Am morgen war eine Postkarte für Joven im Briefkasten. Ein Mitschüler der zurzeit auf dem Festland ist schickt ihm Grüsse.
Joven kann es kaum glauben, seine Eltern servieren zum Nachtessen Yudofu. So etwas gab es noch nie und gegessen wurde mit Stäbchen. Seine Eltern taten wie selbstverständlich, wortlos wird gegessen. Sprachlos, auch das ist neu. Joven zwickt sich in die Arme, um zu kontrollieren, ob er wach ist oder nur träumt.
Sogar die Möwen scheinen anders zu fliegen.
Die Erde ist weiss.
Joven liest weiter.
Bild: Frei nach Jiro Taniguchi
Yudofu – einfacher Tofu-Eintopf
Yudofu, das auch als Yu Tofu zu finden ist, ist ein einfaches Eintopfgericht, wobei Tofu in heissem Wasser (Yu) gekocht wird. Dabei ist das Wasser nicht einfach Wasser, sondern eine geschmackvolle Kombu-Brühe (getrocknete Algen). Es werden keine weiteren Zutaten, wie es eigentlich bei einem Eintopf (Gemüse, Fisch oder Fleisch) üblich ist, hinzugeben. Das klingt zwar ein wenige langweilig, ist aber sehr lecker!
Besonders beliebt ist es im Winter zusammen mit einem Dip, bestehend aus Sojasosse, Reis-Essig und Zitronensaft, der Ponzu Sauce genannt wird. Alternativ ist auch Mentsuyu geeignet.