Der Kobboi fährt an ihm vorbei.
Frau Adler steht am Strand.
Joven setzt sich an das Meer.
Sein Kopf ist noch voll.
Das Meer kann vielleicht alles wegspülen.
Es regnet. Heftige Böen blättern in den Kronen der alten Kastanien. Ein letzter Besucher verlässt das alte Gebäude, in dem es in Bildern erzählte Geschichten zu betrachten gab. Den Hut tief in die Stirn gezogen strebt er gebeugt seinem Fahrrad zu. Die Luft duftet nach Salz.
Text: Ludwig Janssen
Letzter Teil des Meerlesers von Ludwig Janssen
Dies ist der letzte Teil des Meerlesers von Ludwig Janssen. Ein grosses Dankeschön für seine Geschichte. Die uns an und in, uns völlig unbekannte Orte und Zustände führte.
Das genau heute noch ein Fahrrad auftaucht in der Erzählung, macht uns besonders glücklich. Denn am Tag der Ronde van Vlaanderen ist der Kobboi im Ausnahmezustand. Das Öl und die Kartoffeln sind bereit für die Fritten. Katharina Vasces hat sich extra freigenommen, um auch etwas von den Fritten abzubekommen. Zum Kaffee gibt es belgische Schokolade.
Die Bilder eine in Rechtecken erzählte Geschichte. In Rechtecken, die sich nun vor deinen Augen schließen. Noch ehe sie offenbarten, was aus dem alten Mann und seinen Büchern wurde. Keine sich im Sand zum Horizont verlierende Spur, kein Gruß, kein Abschied. Kein Fenster auf Kipp.
Du schließt das Fenster. Zugleich bemerkst du, dass sich in den letzten Bildern an der Wand gegenüber die Rechtecke der Geschichte schlossen. Aquarelle. Vögeln gleich, die sich zu Beginn einer großen Reise sammeln, die Schwingen geschlossen auf ein letztes, erholsames Rasten.
Von See her war der Sturm aufgezogen und hatte letztendlich das Boot längsseits zurück auf den Strand getrieben. Dort lag es über die Bordwand zur Seite gekippt und ergoss seine seltsame Fracht über den Sand. Eine Grasmücke hatte sich auf dem Kiel niedergelassen und pflegte ihr Gefieder.
Wärmendes Sonnenlicht? Ausgeschlossen! Nicht hier, am Grunde des Ozeans. Unverhofft stieß das Wesen den alten Mann von sich. Wandte sich ab und verschwand mit der Strömung. Der Kopf des alten Mannes prallte gegen einen Felsen. Ein Schlag, der ihn durchschüttelte bis ins Mark.
„… Ein kleiner Fisch kam aus Norden aufs Boot zu geschwommen. Es war eine Flunder, und sie schwamm dicht unter der Oberfläche. Der alte Mann konnte sehen, dass sie sehr müde war …“
„… Es waren die kleinen Vögel, die die Grossmutter Fische nannte, denn sonst hätten es die Kinder nicht verstehen können, da sie nie einen Vogel gesehen hatten. …“
Der Blick aus dem Fenster erinnert dich an die Welt dort draussen. Bist am Ende des Ganges angelangt. Im Altenheim nebenan stellt man das Fenster auf Kipp, wenn eine Geschichte zu Ende erzählt ist. Luft! Du öffnest das Fenster einen Spalt weit. Das Lied einer Amsel weht hinein.
In den Armen des Meerwesens geborgen fand der alte Mann sich am Grund des Meeres wieder. Seltsam. Eigentlich müsste es stockfinster sein. Doch drang von der Wasseroberfläche das Spiel der Sonnenstrahlen bis zu ihm hinab, lief, vom Gang der Wellen gebrochen, in hell wabernden Linien über ihn hinweg.