
Der Kobboi ist ein Schritt zu spät.
Sie sind schon weg.
Der Gedanke kam nachher.
Manches begreift er erst nach Jahrzehnten.
Vor dem Regen wird er nicht zu Hause sein.
Logbuch der Insel von Rittiner & Gomez

Der Kobboi ist ein Schritt zu spät.
Sie sind schon weg.
Der Gedanke kam nachher.
Manches begreift er erst nach Jahrzehnten.
Vor dem Regen wird er nicht zu Hause sein.

Es ist nichts mehr zu sehen vom Unglück von gestern, aber zu reden gibt es mehr als genug. In der Nacht zog auch noch ein Sturm über die Insel. Frühmorgens wurde ein fremdes Segelboot gesichtet, was eigentlich alltäglich ist, aber heute erscheint das verdächtig. Vor lauter Aufregung hat Frau Adler ihre Knieschmerzen vergessen, so schnell war sie schon lange nicht mehr unterwegs und Joven schlägt einen schulfreien Montag vor, um der Sache auf den Grund zu gehen.

Irgendjemand hat hier die Ladung verloren und Verantwortliche sucht man vergebens. Aber immerhin ein gutes Motiv für alle, die ein Foto machen wollen. Die Küstenwache ist schon unterwegs, um die Dinger einzusammeln, falls sie wieder herunterkommen sollten.
Oder sind die Dinger ausserirdisch?
Spionage?
Auf das Wetter ist verlass.

Der Kobboi vermutet, dass jeder Besucher mit den Geschichten und Erfahrungen, die er mitbringt, die Insel immer wieder verändert und neu aussehen lässt. Nachweisen konnte das bisher niemand und es gibt auch keine wissenschaftlichen Studien dazu.
Katharina Vasces bringt ihm noch einen zweiten Espresso.
Windstill

Nicht selten, reden Gäste, die zum Leuchtturm kommen, über Dinge und Sachverhalte, von denen Katharina Vasces und der Kobboi keine Ahnung haben. Heute geht es wieder einmal um Leben und Tod.
Das Tram blieb auf halber Strecke, bei der Bibliothek, stecken. Vermutlich konnte sich der Tramführer nicht entscheiden, welches Buch er ausleihen soll.
Stürmisch.

In den frühen Morgenstunden präsentiert sich der Ausblick auf das Meer in einer kitschigen Morgenröte. Ideal für eine Postkarte.
Herzliche Grüsse an die Mittelschule, F. Gonin, Giaveno Italien
Die Fähre hat 2 Stunden Verspätung und kommt erst um 10 00 Uhr.

Der Kobboi weiss wieder einmal nicht, wo ihm der Kopf steht. In seinen Träumen trifft er immer wieder auf im altbekannten Menschen und Orte, die es in seinem realen Leben gar nicht gibt.
Über Nacht zog ein Orkan über die Insel, also hinaus an die frische Luft. Das hilft bestimmt.

Der Kobboi freut sich über jede Post, ob Brief oder Postkarte. Sie begleiten ihn schon durch sein ganzes Leben. Brief, die Glück brachten, Briefe, mit guten oder schlechten Nachrichten und Briefe, die unbeantwortet blieben. Nicht zu vergessen die Postkarten, die aus fernen Länder grüssen. Heute war wieder eine schöne handgemachte Postkarte im Briefkasten. Ein kleines Kunstwerk. Mail-Art
Katharina Vasces steht neben ihm am Meer.

Niemand weiss, was die Zeichen am Himmel zu bedeuten haben und ob es sie überhaupt gegeben hat. Aber für Gesprächsstoff ist gesorgt. Ausserirdische? Geheimdienst? Ein Schiff? UFO? Wetterkapriolen? Auf alle Fälle reicht es, um noch einen zweiten Kaffee zu bestellen.

Zu viele Gedanken, Gefühle, Gerüche, Gemurmel, Gedränge überwältigen ihn und jetzt ist ihm schlecht. Der Kobboi sitzt in der Küche und weiss, dass er es nie lernen wird, damit umzugehen. Es bleibt ihm nichts anderes übrig, als sich damit abzufinden, mit den zu viel an Gedanken, Gefühlen, Gerüchen …