Isla Volante

Logbuch der Insel von Rittiner & Gomez

Meerleser Nr. 12

Mann Meer

Wieder strich die Hand des Mannes über die hölzerne Bordwand. Er hatte sie unter den Händen seines Onkels entstehen sehen und auch der Baum, den er gefällt hatte, fand sich darin verarbeitet. Hatte wohl so manchen Sturm überlebt, jener Baum. Und nun fand er, der ihn gefällt hatte, sich darin wieder, sich an die hölzerne Bordwand klammernd.
Mittlerweile wehte der Wind mit sechs Beaufort und der Seegang hatte sich ausgewachsen zu dem, was man grobe See nennt. Die Wellen warfen das Boot die brechenden Wellenköpfe hinauf und schleuderten es zwischen den Schaum, der sich nun auch in den Wellentälern fand.
Angst stieg im Alten auf. Angst ums Überleben.

Text: Ludwig Janssen

Serie: Meerleser

Meerleser Nr. 10

Mann Meer

Abstand halten. Doch … was hält dich? Ein Sturm zieht auf, und Du liest den Alten im Boot dem Meer von einem Baum vorlesen, von einer Stadt in einer Wüste. Wie passt das zusammen? Nein – was fügt das zusammen?
Hast Du bereits bemerkt, wie das Bild erzählt? Ein Comic. Kleine Rechtecke offenbaren dir die Geschichte in der Geschichte, ein etwas größeres Rechteck schildert das Offenbare. Ein Rahmen, Rechteck, trägt das Bild. Die Wand, an der es hängt – ein Rechteck, der Gang, den du durchschreitest, ein … Rechtecke. Ja, selbst das Haus, in dem das Bild, Du und die Geschichte sich befinden, setzt sich zusammen aus Rechtecken. Eine runde Sache. Quadratur des Kreises. So kann man sie sich vorstellen.
Dir ist, als würdest du jetzt gerne durch ein Fenster, ein Rechteck, nach draußen sehen und nachschauen, ob dort ein Wind geht, ob es dort regnet.

Text: Ludwig Janssen

Serie: Meerleser

Meerleser Nr. 9

Mann Meer

Du ertappst dich dabei, dass du diesen Gang entlang schreitest und dich fragst, aus welchen Büchern der Mann im Boot wohl dem Meer vorlesen mag.
Parallel zu der Geschichte, die du aus den Bildern liest, entsteht eine eigene. Deine Geschichte. Die eines Betrachters. Die eines Lesers.
An das nächste Bild wirst du näher herantreten. Was das wohl bedeuten mag, dass der Horizont sich verdunkelt?
So ein Bild ist doch eine recht zweidimensionale Angelegenheit, oder?
Oder?
Du erreichst das folgende Bild. Noch immer … wieder? … ist ein Mann zu sehen, der in einem Ruderboot sitzt. Ein Buch auf den Knien liest er dem Meer vor. Aus welchem Buch würdest du dem Meer vorlesen? Allmählich geht in dir der Gedanke auf, dass du selbst die fehlende dritte Dimension sein könntest zu der Geschichte, die dir die Bilder erzählen.

Text: Ludwig Janssen

Serie: Meerleser

Meerleser Nr. 8

Mann Meer

Strömung und einsetzende Ebbe hatten das Boot von der Küste fort aufs offene Meer getragen. Meerwärts verdunkelten tief stehende Wolkenberge den Horizont. Der Wind frischte auf. Wieder strich die Hand des Alten über die Bordwand und erinnerte das Splittern und Bersten des fallenden Baumes.

Text: Ludwig Janssen

Serie: Meerleser

Meerleser Nr. 7

Mann Meer

„Wenn ich hingegen meinen Leuten die Liebe zur Seefahrt vermittele …“ hatte der Alte ein weiteres Buch aufgeschlagen und las daraus: „… und wenn dann ein jeder Lust darauf verspürt, weil ihn eine große Last im Herzen zum Meer zieht, so wirst du bald sehen, wie sie sich unterschiedlichste Beschäftigungen suchen, die ihren tausend besonderen Talenten entsprechen. Der eine wird Segel weben, der andere im Wald mit der blitzenden Axt einen Baum fällen …“ Im Wald mit blitzender Axt einen Baum fällen. Sein Onkel war es, der ihn zu jenem Baum geführt hatte, aus dem er dem Vater ein Boot bauen würde. Und er, noch ein kleiner Junge, sollte den Baum fällen.

Text: Ludwig Janssen

Serie: Meerleser

Wie immer

Strand

Frau Adler stand wie immer am Strand.
Die Möwen scheinen sich vom Wind über das Meer treiben zu lassen.
Was trieb ihn?

Nieselregen und leichter Wind, alles wie immer.

Wach

Morgen

Hell ist es schon als Joven aufwacht, aber seine Träume bleiben für ihn im Verborgenen. Er mag sie, aber verstehen kann er sie nicht, die Träume bleiben für ihn im Verborgenen.

Zeit

Aquarium

Es wurde spät, der Pizzateig brauchte seine Zeit und das Essen und das Verdauen auch. Noch bevor Joven einschlief, hörte er seinen Nachbarn aufstehen.

Endstation

Tram

Sie tippte im leicht auf die Schulter.
„Endstation“
Joven verspürte grosse Lust nach einer Pizza.

Der Regen hat nachgelassen. Der Mond ist nicht zu sehen.

L’unic Tram

Romana Ganzoni

tram a mezzanot plus ün minut
El passa pro’l teater grond
E sper la pizzeria vi
Quella chi’d es ida sgamabalari
Pervi da quist tamazzi

Il flüm stà salda,el es stanguel
Fa la posa,füma üna cigaretta pro’l Central
Ün coro da locos,odur da kebab
Duos chi fan dispitta in ün chantun
I va per drogas o per amur
Ma uossa schmettna,i cuorran a chasa
Il tram passa, el es vöd
Chi d’eira aint il seguond vagun?

Staiva’l in pè?
Il tram es vöd
El transporta la glüm tras Turich
Ün curtè blau
Chi taglia per mez la cità
Sco üna tuorta da Sacher
Ed intant cha tü dormast
Vain la naiv

Text: Romana Ganzoni