Isla Volante

Logbuch der Insel von Rittiner & Gomez

Nr. 20

Tagebücher - Graphic Novel - Susan Brandy - Rittiner Gomez

Er hatte sein Leben mit blauer Tinte festgehalten und die Tagebücher in der Eckbank versteckt. In einem abschliessbaren Hohlraum, auf dessen Klappe ich seit meiner Ankunft jeden Tag gesessen hatte.
Ich weiss nicht mehr wie lange ich dort gestanden und die Bücher angestarrt hatte, bevor ich damit begann, sie aus ihrem Versteck zu heben, um sie nach Jahrgang sortiert vor mir auf den Tisch zu legen.
Den ersten Eintrag, den ich fand, hatte der Alte vor sechsundzwanzig Jahren gemacht, kurz bevor er auf die Insel gezogen war. Ich las ihn nicht.

Draussen erzählte ich Fräulein Mö von meinem Fund. Genau wie der Alte damals hatte auch ich mich an ihre Gesellschaft gewöhnt. Sie hatte sich gut erholt. In wenigen Tagen würde ich sie von ihrem Verband befreien können.

Text: Susan Brandy

Serie: Die Insel

Tiramisu

Leuchtturm Graphic Novel

Frau Adler hält wie immer die Stellung.

Joven und seine Eltern zieht es zum Leuchtturm, dort wird vom 8. bis zum 30. Mai italienische Küche serviert. Heute reicht es nur für den Nachtisch.

Morgens fanden Katharina Vasces und der Kobboi immerhin Zeit, für einen kleinen Giro mit dem Fahrrad.

Tiramisu
Das Tiramisu wörtlich „zieh mich hoch“ ist ein Dessert aus der italienischen Region Venetien, das weit über seinen Entstehungsort hinaus bekannt wurde. Es besteht aus abwechselnden Schichten von Löffelbiskuits und einer Creme aus Mascarpone, Eigelb und Zucker.
Die Löffelbiskuits werden mit kaltem Espresso beträufelt, der mit Marsala oder Amaretto, alternativ auch mit Weinbrand oder einem anderen alkoholischen Getränk aromatisiert werden kann. Das Dessert wird geschichtet und dann mehrere Stunden gekühlt, sodass es fest wird. Vor dem Servieren wird die abschliessende Creme Schicht mit reichlich Kakaopulver bestäubt.

Nr. 19

Gespräche und Gedankengänge - Graphic Novel - Susan Brandy - Rittiner Gomez

Die wenigen Einheimischen, mit denen ich in Kontakt kam, begegneten mir freundlich und zurückhaltend. Ich wusste, dass sie über mich sprachen. Doch stellten sie keine Fragen. Das änderte sich, nachdem der Postbote die Nachricht verbreitete, dass die einbeinige Möwe zum Haus des Alten zurückgekehrt war.

Die Besitzerin des Hafen-Cafés war klein und rund. Sie hatte ein freundliches, rosiges Gesicht. Es war mein erster Besuch und sie sprach mir ihr Beileid aus. Danach erkundigte sie sich, ob ich mich gut einlebte und sich der Sohn des Krabbenfischers gut um mich kümmerte. Ich bejahte. Dann fragte sie nach der Möwe. Sie hörte mir aufmerksam zu, als ich ihr die Geschichte erzählte. Sie hätte noch weitere Fragen gehabt. Ich war dankbar dafür, dass sie sich diese nicht zu stellen traute.

Nachdem ich mir zu Hause diese Begegnung im Café notiert hatte und erneut lustlos vor meinem Manuskript sass, rief ich meinen Agenten an. Ich würde den Zeitplan nicht einhalten können. Dann nahm ich den Schlüssel hervor und betrachtete ihn lange. Ich wusste, dass er nicht zu meinen Türen gehörte.

Text: Susan Brandy

Serie: Die Insel

Besuch

Licht Graphic Novel

Unangekündigter Besuch und endlose Gespräche, Joven liegt in seinem Bett in seinem Zimmer und beobachtet die Schatten an der Decke. Vermutlich bieten jetzt seine Eltern noch Kaffee an, dann geht es noch länger.

Nr. 18

Was es alles zu erledigen gibt - Graphic Novel - Susan Brandy - Rittiner Gomez

Die nächsten Tage versuchte ich eine Routine: Im Morgengrauen stand ich auf, fütterte Fräulein Mö, lief über die Insel oder fuhr mit dem Fahrrad herum.

Danach setzte ich mich ins Atelier vor das Manuskript. Ich korrigierte, schrieb Fragmente neuer Sätze nieder, strich diese wieder durch, zwang mich zum Nachdenken, verweigerte mich diesem Zwang und schaute Fräulein Mö dabei zu, wie sie auf dem Wasser schlief oder geduldig in einer Ecke sass. Ich war blockiert.

Die Vormittage verstrichen und die Nachmittage auch. Ich lenkte mich mit der Suche nach einem Makler ab und studierte die Unterlagen, die mir der Alte in einem Karton hinterlassen hatte. Grundstückpläne, Verträge, Akten, er hatte alles sorgfältig aufbewahrt. Und dann passierten zwei Dinge zur gleichen Zeit: Der Postbote entdeckte Fräulein Mö in meinem Garten und ich fand am Boden des Kartons einen Schlüssel.

Text: Susan Brandy

Serie: Die Insel

Und täglich…

Endlosschleife Graphic Novel

Nichts passte.
Nichts!
Frau Adler braucht neue Haargummis.

Sie mochte ihn nie und kann dem Film nichts abgewinnen, Frau Adler ist heute schlecht gelaunt, gestern musste sie bei einer Freundin nochmals den Film, „Und täglich grüsst das Murmeltier“ erdulden.

Fast

Nr. 17

Sequentielle Kunst - Graphic Novel - Susan Brandy - Rittiner Gomez

Ich hob das Loch neben dem Atelier aus. Um den Rand legte ich Steine, die ich aus der Gartenmauer nahm. Die Wanne, die der Alte für das Schwimmbecken verwendet hatte, fand ich in einer Ecke des Schafstalls. Der Sohn des Krabbenfischers hatte sie aufbewahrt. Vermutlich weil er ahnte, dass die alte Möwe eines Tages zurückkehren würde. Auch der Holzsteg war noch da.

Als ich mit dem Bau von Fräulein Mös Bad fertig war, brachte der Sohn des Krabbenfischers Fisch und eine Art Behausung, die er aus Netzen und Fangkörben gefertigt hatte. Gemeinsam füllten wir die Wanne mit Wasser auf und machten die Behausung fest. Den Fisch legte ich in eine Schale, die ich neben das Bad stellte. Dann holten wir Fräulein Mö aus ihrem Krankenbett und legten sie in ihr neues, sicheres Zuhause.

Sie blieb eine Weile schwer atmend auf dem Boden sitzen. Dann versuchte sie sich aufzurichten, verlor aber das Gleichgewicht und fiel auf die Seite. Sie versuchte es weitere Male, und wir waren bereits in grosser Sorge, als sie es doch noch schaffte. Sie hüpfte in das Schwimmbecken und blieb. Später sass sie in einer Ecke ihrer neuen Behausung. Die Fischstücke waren verschwunden.

Jetzt hatte ich nicht nur ein Haus zu verkaufen und einen Roman zu beenden, sondern auch eine alte, verletzte Möwe zu pflegen.

Text: Susan Brandy

Serie: Die Insel

Sorgen loswerden

Isla Volante Graphic Novel

Kann er im Meerwasser alle Sorgen loswerden? Joven muss noch eine Weile im Meer bleiben.

Nr. 16

Von Tieren und Lebewesen - Graphic Novel - Susan Brandy - Rittiner Gomez

Schon als Kind hatte ich stets die Nähe zu den Tieren gesucht. Und dass mich ihr Schicksal bisweilen mehr berührt, als dasjenige der Menschen, ist mir auch heute noch oftmals unangenehmen. Ich hatte mich damals gerne in diese Welt zurückgezogen, in der ich mit den Tieren kommunizierte. Und die Geschehnisse in dieser Welt liegen den Geschichten zugrunde, die ich später, als Erwachsene, in meinen Büchern niederschrieb.

Das meine Romane erfolgreich wurden überraschte mich. Nie hätte ich damit gerechnet, dass der moderne Mensch sich auf eine solch phantastische Reise begeben wollte. Und nie hätte ich damit gerechnet, dass mir die Tiere aus meinen Geschichten einmal tatsächlich begegnen würden. Doch was erzähle ich da, schon wieder weiche ich von meinen Prinzipien ab?

Text: Susan Brandy

Serie: Die Insel

Linie

Küstenlinie Aquarell Graphic Novel

Der letzte Ferientag morgen wird es wieder Ernst. Joven läuft nicht mehr so leicht dem Meer entlang, wie gestern.

Die Erwachsenen sind alle mit ihren Sonntagsgewohnheiten beschäftigt.

Der Nieselregen kennt vermutlich keine Wochentage.