Isla Volante

Logbuch der Insel von Rittiner & Gomez

Dem Meer zuhören

Meer Ludwig Janssen

Dem Meer zuhören, wenn
du einatmest, wenn du
ausatmest, das Meer in
dir zu hören, sei leise,
achtsam: Schon fliegt
eine Möwe über deinem
Atmen legen ihre Flügel
sich auf den Wind: Ein
und aus was sind das
Leben, das Meer, der
Flug einer Möwe der
Wind dazu vielleicht
fliegst ja du

Text: Ludwig Janssen

Nr. 28

Schwindel - Graphic Novel - Susan Brandy - Rittiner Gomez

Ich stand mit dem Sohn des Krabbenfischers, dem Postboten und der Frau des Hafen-Cafés am Zaun. Der Sohn des Krabbenfischers stand direkt hinter mir. Die Glocke erklang und die Schafe rannten los. Lola sprang schnell. Vor dem zweiten Hindernis hatte sie vier ihrer Konkurrenten überholt und war in die Mitte des Felds vorgedrungen. Ich wollte ihr etwas zurufen, doch was aus meinem Mund kam, klang sonderbar. Ich erkannte meine eigene Sprache nicht mehr. Mir war schwindelig und ich lehnte gegen den Zaun, bis der Schwindel vorüber war. Alles ging sehr schnell. Lola war im Ziel angekommen.

Text: Susan Brandy

Serie: Die Insel

Nr. 27

Lola rennt - Graphic Novel - Susan Brandy - Rittiner Gomez

Am Tag des Schafrennens veränderte sich viel. Lange glaubte ich, dass an diesem Tag das langsame Vergessen begann, auch wenn die Ärzte mir wieder und wieder versichert hatten, dass die Krankheit schon viel früher ausgebrochen war.
Die Tagebücher des Alten habe ich bis heute nicht ganz gelesen. Immer wieder hole ich ein Buch aus dem Versteck hervor und schlage es an einer zufällig gewählten Stelle auf, um nur ein paar wenige Sätze zu lesen und es dann zurückzulegen. Es bringt mir nichts mehr, mich jetzt mit seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen.

Text: Susan Brandy

Serie: Die Insel

Gelb

Gelb Graphic Novel

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Radfahren, Espresso unter freiem Himmel und die Tour verfolgen, mehr braucht der Mensch nicht.

Das Meer scheint unbeeindruckt.

Nr. 26

Schafrennen - Graphic Novel - Susan Brandy - Rittiner Gomez

Bereits die erste Fähre hatte unzählige Tagestouristen entlassen, die jetzt mit den Einheimischen an den Zäunen standen, deren Weiss der Bauer, dem das Land und die Schafe gehörten, jedes Jahr von neuem auffrischte.
Die zwölf Schafe warteten geduldig in ihrem Startfeld. Der Bauer hatte sie mehrere Wochen lang auf die 100 Meter lange Rennstrecke vorbereitet, die in einem mit Futter gefüllten Anhänger endete. Auf die Schafe wurde ein frei gewählter Betrag gesetzt, und weil auf ein Schaf mehr als eine Wette fiel, wurden die Gewinner am Ende des Rennens per Los entschieden.
Der Hauptgewinn war jedoch kein Geld, sondern ein junges Schaf, das man – vorausgesetzt, man verfügte über die notwendige Infrastruktur – mit nach Hause nehmen durfte oder bei seinem Besitzer beliess, um es im nächsten Jahr ins Rennen zu schicken.
Ich hatte mich vom Sohn des Krabbenfischers zu einer Wette überreden lassen und setzte auf das kleinste Schaf. Ein dickliches Tier mit langer, etwas verfilzter, braunweisser Wolle. Es trug ein gelbes Halsband und hiess Lola. Ich rechnete mir wenig Chancen aus.

Text: Susan Brandy

Serie: Die Insel

Leicht

Leicht Graphic Novel

Noch eine gute Woche und dann sind Sommerferien, Joven fühlt sich jetzt schon leichter.

Der Alltag macht aber keine Pause und will weitermachen.

Nr. 25

Schafrennen - Graphic Novel - Susan Brandy - Rittiner Gomez

Eine Veränderung fand statt. Die Temperaturen stiegen an, die Zahl der Tagestouristen nahm zu, die Wildblumen begannen zu blühen und der immergrüne Teppich, der die Insel überzog, wurde heller. Ich begann die Menschen zu mögen.
Der Sohn des Krabbenfischers warf seine Körbe jetzt täglich aus – die frischen Krabben verkauften sich gut.
Fräulein Mö blieb in der Nähe des Hauses. Ich baute ihren Unterschlupf aus und beschäftigte mich vermehrt im Garten. Auch meine Geschichte nahm langsam Fahrt auf.
Der Sommer war da und die Insel bereitete sich für das Schafrennen vor.

Text: Susan Brandy

Serie: Die Insel

Himmelwärts

Meer Graphic Novel

Ab und zu träumen sie vom fliegen, die Volanter*innen.

Was wäre, wenn

Ludwig Janssen Lyrik

Was wäre, wenn
man den Tag nicht ließe
zu sein, was er ist
ein Tag wie jeder
andere wären dennoch
nicht gleich und wie wir
einander gleich und doch
nicht dasselbe und
wollten sein
gelassen werden
mit dem Drehen
der Erde wer dreht sich
mit uns und lässt uns
sein in seinem Drehen

Text: Ludwig Janssen

Nr. 24

Comics Alltag - Graphic Novel - Susan Brandy - Rittiner Gomez

Ich holte eines der Tagebücher hervor, schlug es in der Mitte auf, betrachtete die in der schwungvollen Handschrift des Alten hingeschriebenen Worte, die mein Bewusstsein jedoch nicht erreichen konnten. Schnell legte ich das Buch in sein Versteck zurück.

Später besuchte mich der Sohn des Krabbenfischers und brachte mir Fisch für Fräulein Mö. Er erzählte mir von den gemeinsamen Erlebnissen mit dem Alten. Wie der Alte beim Anlanden ins Wasser gefallen war, weil er sich im Seil eines Fangkorbs verheddert hatte. Oder, wie die Möwe jeweils auf dem Dach des Bootshauses auf sie gewartet hatte. Und von dem Tag, an dem der Alte seine Krankheit nicht mehr vor ihm verbergen wollte.

Text: Susan Brandy

Serie: Die Insel